Goldfixing jetzt in China: Das müssen Sie dazu wissen

Für die Weltwirtschaft ist China bereits ein bedeutender Player, der nicht mehr wegzudenken ist und zu den wichtigsten Kunden etwa deutscher Exportgüter zählt.

Doch auch in anderen Belangen will das Reich der Mitte seinen Einfluss ausbauen, beispielsweise bei der Festlegung des Goldpreises.

Am 19. April hat China einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen und damit begonnen, 2-mal täglich einen Goldpreis in der Landeswährung Yuan festzulegen.

Daran beteiligt sind unter anderem die 4 größten staatlichen Banken Chinas.

Bedeutung v. a. innerhalb Chinas

Bislang wird der Goldpreis, an dem sich Händler weltweit orientieren, in London festgelegt und zwar in US-Dollar als Referenz-Währung.

Daran wird sich wohl auch in nächster Zeit nichts ändern durch die chinesische Offensive, die sich erst einmal etablieren muss.

Zudem gelten in Europa inzwischen hohe Transparenz-Standards, ausgelöst durch den Skandal um die Libor-Manipulationen, der vor wenigen Jahren aufgeflogen war.

Innerhalb Chinas jedoch dürften sich die Händler fortan eher an der Yuan-Bewertung des Goldes orientieren.

Für das Land selbst gewinnt Gold immer stärker an Bedeutung – nicht zuletzt, um die Abhängigkeit von den Dollar-Reserven zu senken, die man in Peking nach wie vor gebunkert hat.

Schon jetzt ist China der weltgrößte Produzent, Importeur und Konsument des glänzenden Edelmetalls, die Zentralbank hortet immense Goldbestände und schichtet diese auch immer wieder auf.

Allein im vergangenen Jahr wurden in China über 450 t Gold produziert und fast 986 t gekauft.

Trend zum Goldkauf

Der Trend zum Goldkauf lässt sich auch in anderen Schwellenländern beobachten. Indien beispielsweise fährt einen ganz ähnlichen Kurs.

Angesichts der zahlreichen Krisen an den Finanzmärkten in den vergangenen Jahren – von geplatzten Immobilien-Blasen über immense Staatsverschuldungen bis hin zur Bankenkrise – ist das Vertrauen ins System und vor allem in die Papierwährungen drastisch gesunken.

Die westlichen Zentralbanken, allen voran Federal Reserve (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB), tun ihr Übriges, um zur Entwertung von Dollar und Euro beizutragen.

Kein Wunder also, dass immer mehr Länder Wert auf höhere eigene Goldbestände legen.

Es geht um Einfluss, Macht und Prestige

Für China geht es bei dem aktuellen Vorstoß jedoch nicht nur um einen größeren Einfluss auf den tatsächlichen Kurs des Goldpreises. Es geht auch um Prestige.

Peking will sich als Weltmacht behaupten und sich von London oder Washington aus nichts diktieren lassen – auch nicht den Goldpreis.

Es ist ein weiterer Schritt zu mehr Autonomie innerhalb der Staaten-Gemeinschaft. Bereits jetzt wären zahlreiche westliche Volkswirtschaften am Boden ohne die Investitionen aus Fernost.

In Peking weiß man um diese Macht – und wird sie weiter ausbauen, Stück für Stück. Der eigene Goldpreis ist nur ein weiterer Schritt auf diesem weiten Weg, auf dem China jedoch schon ein gutes Stück zurückgelegt hat.

26. April 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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