Goldman Sachs in Sachen Immobilien auf dem Holzweg

In einer aktuellen Branchen-Studie hat die US-Investmentbank Goldman Sachs den Ausblick auf den Immobilien-Sektor gesenkt.

Die jüngste Kurs-Entwicklung bei Immobilien-Werten habe im Zusammenhang mit der Entwicklung am Anleihemarkt trotz der soliden fundamentalen Bedingungen eine negative Situation geschaffen.

So jedenfalls argumentiert Goldman-Sachs-Analyst Julian Livingston-Booth in einer gestern veröffentlichten Studie der US-Investmentbank.

Entsprechend seiner Einschätzung stuft der Experte den europäischen Immobilien-Sektor von zuvor „Attraktiv“ auf „Neutral“ herab.

Nach meiner Einschätzung ist Goldman Sachs – zumindest was den deutschen Immobilien-Sektor angeht – auf dem Holzweg.

Dafür sprechen aus meiner Sicht gleich mehrere Faktoren, die ich Ihnen im Folgenden erläutern möchte:

Warum die deutsche Immobilien-Branche attraktiv bleibt

Die niedrigen Zinsen sind zweifelsohne ein Grund dafür, dass es im Immobilien-Sektor zuletzt gut lief und dass es zahlreiche Übernahmen in der Branche gab.

Allerdings sind die niedrigen Zinsen bei Weitem nicht der einzige Grund:

So tragen auch die niedrige Arbeitslosigkeit und das gestiegene Lohnniveau dazu bei, dass sich immer mehr Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllen bzw. in neue oder modernisierte Wohnungen ziehen wollen.

Zudem sind in den vergangenen 24 Monaten mehr als 1 Mio. Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, von denen sehr viele noch immer nach einer dauerhaften Bleibe suchen.

Das bedeutet: Es müssen Wohnungen gebaut werden. Im Bereich Büro- und Gewerbe-Immobilien hilft die solide gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache

Die Umsätze in der deutschen Bauwirtschaft sollen in diesem Jahr weiter kräftig klettern.

Mit baugewerblichen Umsätzen von gut 112 Mrd. € wird nach aktuellen Prognosen 2017 so viel gebaut wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Treiber wird, wie schon im Vorjahr, der Wohnungsbau mit einem Plus von 7% sein, prognostizieren der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Der Wohnungsbau kommt inzwischen auf ein Volumen von knapp 43 Mrd. €. Allein im Jahr 2017 dürften 310.000 – 320.000 neue Wohnungen fertig werden.

Beim öffentlichen Bau hoffen die Verbände nun, dass auch die Länder und Kommunen dem Beispiel des Bundes folgen und ihre Investitionen hochschrauben.

In diesem Segment hält Bauindustrie-Präsident Peter Hüber ein Umsatz-Plus von 5% für wahrscheinlich.

Keine Angst vor steigenden Zinsen

Da neben den niedrigen Zinsen noch weitere Faktoren die deutsche Bau- und Immobilien-Wirtschaft beflügeln, brauchen Sie sich im Hinblick auf diese Branchen nicht vor steigenden Zinsen zu fürchten.

Und abgesehen davon: In der Euro-Zone sehe ich in den kommenden 2 – 3 Jahren keine signifikanten Zins-Erhöhungen.

Insofern ist Goldman Sachs für meine Begriffe auf dem Holzweg und Sie als Anleger können mit Aktien aus der deutschen Immobilien- und Baubranche auf mittlere Sicht schöne Gewinne einfahren.

26. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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