Goldpreis: 1.000 oder 10.000 USD je Unze?

Am heutigen Freitag startet in München die „Internationale Edelmetall- und Rohstoffmesse“. Veranstaltungsort ist die Event Arena im Olympiapark.

Ein Event, eine Großveranstaltung, ist diese Messe auf jeden Fall. 2 Tage lang belagern die Messebesucher die Verkaufsstände der Edelmetallhändler, schauen sich die Unternehmens-Präsentationen der Minengesellschaften an und lauschen den Gold- und Rohstoffexperten auf den großen Bühnen.

Interessante Stimmung

99% der Messerbesucher dürften zu den Gold-Fans zählen und haben bereits Gold gekauft, oder wollen das noch tun.

Daher taucht in den Gesprächen immer wieder eine Frage auf: Wohin marschiert der Goldpreis? Die Bandbreite der Antworten ist beeindruckend und reicht von rund 1.000 US-Dollar je Unze bis zu 10.000 US-Dollar.

Der Fondsmanager Rolf Nef hat mögliche Preisziele für Gold und Silber bereits in den Titel seines Vortrags eingebaut: „Gold 7.000 USD und Silber 600 USD im Jahr 2014?“ Das Fragezeichen am Ende lässt aber noch eine Hintertür offen.

Während in den Vorjahren die Gold-Optimisten mit den relativ hohen Kurszielen dominiert haben, gibt es in diesem Jahr auch wieder Pessimisten, die eine längere Dürrephase mit Preisen um 1.000 US-Dollar erwarten.

Die Preisentwicklung hat einige Anleger nervös gemacht: In den vergangenen gut 2 Jahren ist der Goldpreis von 1.900 auf rund 1.300 US-Dollar je Unze gefallen. Daher sehen einige Messebesucher die runde 1.000-USD-Marke schon in Reichweite.

Allerdings muss der Preisverfall etwas relativiert werden: Die Gold-Rally begann vor gut 12 Jahren bei 250 US-Dollar. Die letzten 2 Jahre der Goldrally wurden jetzt wieder ausgelöscht.

Gründe für den Preisverfall

Gewinnmitnahmen nach der traumhaften Rally sind also ein Grund, warum der Goldpreis zuletzt unter Druck stand. Es werden hier in München aber auch noch weitere Gründe genannt:

Zum einen weicht langsam die Angst vor dem großen, plötzlichen Crash des Euro- und Papiergeldsystems. Die Krise gilt nicht als gelöst, aber es wurde Zeit gewonnen. Da aus Sicht vieler Marktteilnehmer kein akuter Zusammenbruch droht, wird der „sichere Hafen“ Gold wieder verlassen.

Hinzu kommt der Punkt, dass auch die Inflationsangst langsam abnimmt. Die Inflationsrate sinkt im Euro-Raum. Wobei Kritiker natürlich direkt antworten: Nur die offiziell veröffentlichten Inflations-Daten zeigen eine Entspannung. Ohne Manipulation würden die Inflationsraten viel höher ausfallen.

Ein weiterer Punkt: Es finden Umschichtungen statt. Wer sich mit Sachwerten vor einer Inflations- und Währungskrise schützen will, greift jetzt zu Aktien und kassiert zusätzlich üppige Dividenden. Innerhalb der Sachwerte-Gruppe gibt es Umschichtungen von Gold in Aktien.

Was natürlich nicht fehlen darf, sind „technische“ Gründe. Der Preisrückgang hat einige spekulative Anleger böse erwischt. Notverkäufe und charttechnisch motivierte Stop-Loss-Verkäufe verschärften den Abwärtstrend.

Ein Argument, das auf der Edelmetallmesse auch immer wieder genannt wird: Der Goldpreis wird nach unten manipuliert, damit das Bild von der heilen Finanzwelt nicht zerstört wird (steigt der Goldpreis, ist das ein Misstrauensvotum gegen die Notenbanken und gegen das Papiergeldsystem).

Starke Hände greifen zu

Die oben genannten Verkaufsgründe belasten die Gold-Optimisten nur am Rande. Der aktuelle Verkaufsdruck sei ärgerlich, doch ausgerechnet die laufende Verkaufswelle könne der Ausgangspunkt der nächsten Gold-Rally werden.

Denn: Wir erleben eine massive Verschiebung beim Goldbesitz. Auf der Verkäuferseite stehen kurzfristig orientierte Anleger und Spekulanten, die schwerpunktmäßig Goldfonds abstoßen.

Auf der Käuferseite stehen in Europa, Nordamerika und auch Asien private Goldkäufer, die erfahrungsgemäß extrem lange Haltezeiten haben. Das jetzt gehandelte Gold verschwindet zu großen Teilen für Jahre oder Jahrzehnte vom Goldmarkt.

Das Goldangebot dürfte dadurch in den nächsten Jahren an der Börse deutlich sinken. Das ist ein Argument für steigende Preise.

Gold bleibt als Absicherung sinnvoll

Die Preisschwankungen am Gold- und Silbermarkt füllen ganze Bücher. Meine Empfehlung lautet: Ignorieren Sie die Preisschwankungen. Ich betrachte Gold als Versicherung, nicht als Trading-Objekt.

Wer – je nach Sicherheitsbedürfnis – 5 bis 15% seines Vermögens in Gold und Silber investiert hat, kann relativ entspannt die Papiergeld-Krise beobachten und hat gleichzeitig nicht zu viel Kapital gebunden.

8. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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