Goldpreis explodiert: Jetzt noch zuschlagen?

Gold-Fans dürfen sich freuen: Die jahrelange Talfahrt hat ein Ende, zumindest vorläufig. Seit Jahresbeginn hat der Preis je Feinunze in Dollar um mehr als 10 Prozent angezogen, das Edelmetall kostet inzwischen wieder mehr als 1.200 Dollar und ist damit so wertvoll wie zuletzt Mitte 2015.

Anders als damals befindet sich der Kurs nun aber nicht mehr in einer Abwärtsbewegung – ganz im Gegenteil. Der Goldpreis ist seit dem Jahreswechsel rasant in die Höhe geschossen, sowohl in Euro als auch – noch steiler – in Dollar.

Aktien runter, Gold rauf

Manch ein Anhänger der krisenfesten Währung wird sich verwundert die Augen gerieben haben. Krisen gab es schließlich in den vergangenen Jahren auch schon zuhauf, und dennoch ist der Preis je Feinunze seit 2011 dramatisch gefallen von damals gut 1.900 Dollar auf nur noch rund 1.000 Dollar.

Sicherlich, die Schuldenkrise in Europa, die Wirtschaftsschwäche in China, der Bürgerkrieg in Syrien, der weltweite islamistische Terrorismus – all das ist nicht wirklich neu, Krisenmeldungen dieser Art begleiten uns seit Jahren.

Doch aus Sicht der Finanzmärkte hat sich zum Jahresbeginn ein entscheidender Faktor geändert: die Aktienmärkte sind im Keller.

Börsenbeben rund um den Globus

Nach einer jahrelangen Rally, angeschoben vor allem durch die expansive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, kamen diesmal die Anleger aus der Weihnachtspause zurück und trennten sich massenweise von ihren Wertpapieren. Dax, Dow Jones und Co. sind seitdem massiv abgestürzt, vom Börsenbeben in China mal ganz zu schweigen. Dort wurde bereits in der ersten Handelswoche des Jahres der Börsenhandel zweimal ausgesetzt wegen zu hoher Tagesverluste – ein Mechanismus, der erst kurz zuvor überhaupt eingeführt worden war.

Steigen die Risiken globaler Krisenherde und fallen die Aktienkurse, wirkt sich das in aller Regel positiv auf den Goldpreis aus – so auch in diesem Fall. Unterstützend kommt hinzu, dass wohl auch die Fed bei ihrer Zinswende das Tempo drosseln wird. Anstelle der eigentlich geplanten schrittweisen vier Anhebungen im laufenden Jahr rechnen Beobachter inzwischen nur noch mit einer einzigen weiteren Zinssteigerung für 2016. Dadurch bleibt Gold im Vergleich zu anderen Anlageformen relativ attraktiv.

Profis wetten auf steigende Goldpreise

Euro-Anleger profitieren zusätzlich vom günstigen Euro-Dollar-Verhältnis: Die US-Währung dürfte, wie schon im Vorjahr, relativ stark bleiben beziehungsweise der Euro weiter geschwächt werden durch die weit geöffneten Geldschleusen der Europäischen Zentralbank.

Auch an den Terminmärkten wird inzwischen auf weiter anziehende Goldpreise gewettet. Analysten und Vermögensverwalter gehen zunehmend davon aus, dass sich der Kurs je Feinunze 2016 auf seinem aktuellen Niveau halten und zwischenzeitlich wohl auch noch ein Stück weit steigen wird. Wetten auf Goldpreise von 1.200 oder 1.250 Dollar sind keine Seltenheit mehr.

Kein Wunder also, dass Anlegern nun vermehrt geraten wird, ihr Portfolio mit einer Goldbeimischung abzusichern. Die nächste Krise kommt bestimmt.

24. Februar 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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