Goldpreis im Aufwind: Jetzt einsteigen?

Die Aktienmärkte stehen seit dem Jahreswechsel mächtig unter Druck. Gestern gab es ein weiteres Zeichen von Schwäche:

Der DAX 30 rutschte erstmals seit dem 30. Oktober 2014 (!) wieder unter die 9.000-Punkte-Marke. Im bisherigen Jahresverlauf musste der deutsche Leitindex somit einen Wertverlust von -16,4% hinnehmen.

Es „riecht“ also nach Krise. Kein Wunder, dass der Goldpreis in den letzten 10 Tagen deutlich zulegen konnte: Schließlich gilt er als Indikator für Inflation und Krisen.

Allerdings befand sich der Goldpreis seit dem Herbst 2011 auch im Rückwärtsgang. Ist es also schon an der Zeit, wieder in Gold zu investieren?

Wie Sie das von einem Charttechnik-Newsletter erwarten können, suchen wir nach einer Antwort auf diese Frage im Kursverlauf des gelben Metalls. Und was hilft am besten, wenn wir uns einen Überblick verschaffen möchten?

Der Goldpreis aus der Vogelperspektive

Richtig! Der Blick aus der Vogelperspektive. Schauen wir also einmal auf die Entwicklung des Goldpreises in USD je Feinunze bis ins Jahr 2010 zurück. So sehen wir den kompletten Abwärtstrend als Wochen-Chart.

goldpreis in usd je feinunze-wochen-chart-09-02-2016

Goldpreis in USD je Feinunze: Noch keine Kaufsignale erkennbar!

Die Verbindung der beiden Hochs vom September 2011 und Oktober 2012 ergibt in der Verlängerung den seither gültigen Abwärtstrend. Gut zu erkennen:

Die aktuelle Charttechnik beim Goldpreis

Die Aufwärtstrends der Jahre 2005 (grüne Linie) und 2001 (blaue Linie) wurden nach unten durchbrochen. Nächster Punkt:

Aus der Abwärtstrend-Linie lässt sich ein Trend-Kanal (durchgezogene rote Linien) ableiten, der auf der Unterseite durch zahlreiche Aufsetzpunkte des Kursverlaufs sehr gut definiert ist.

Die gestrichelte rote Linie macht deutlich, dass dieser Trend-Kanal in 2 Hälften geteilt werden kann. Auf diese Weise wird sichtbar, dass sich der Abwärtstrend in der ersten Hälfte des Jahres 2013 vorübergehend beschleunigt hatte.

Seit dieser Zeit pendelt der Goldpreis in der unteren Sektion des Trend-Kanals auf und ab. Und damit sind wir bei einem entscheidenden Punkt:

Gold: Trotz Rallye noch kein Einstieg abzuleiten

Der gelbe Kreis stellt heraus, dass der Preis des Edelmetalls – trotz der jüngsten Kursavancen – noch immer ein gutes Stück von der Mittellinie des Trend-Kanals entfernt ist.

Erst ein Bruch dieses – wenn Sie so mögen – „inneren“ Abwärtstrends wäre als vielversprechendes Kaufsignal zu werten. Allerdings:

Nach dem steilen Anstieg der letzten 10 Tage ist schwer vorstellbar, dass der Goldpreis unter Beibehaltung dieser Dynamik in die obere Hälfte des Trend-Kanals eindringen kann.

Indikatoren bestätigen: Noch kein Kaufsignal!

Diese Einschätzung wird – bis dato – auch von den beiden Indikatoren Relative Stärke Index (RSI) und Momentum bestätigt:

Der 14-Wochen-RSI hat bis gestern lediglich die Oberseite einer 30-monatigen Seitwärts-Bewegung erreicht. Ein Ausbruch kann als frühes Indiz für eine mögliche Fortsetzung des Aufwärtstrends beim Gold interpretiert werden.

Auch das 50-Wochen-Momentum hat über knapp 2 Jahre eine Seitwärts-Bewegung generiert. Wie im Chart zu erkennen, notiert der Indikator mit -22,49 jedoch erst kurz vor der Nulllinie und deutlich unter der Oberseite des Rechtecks. Auch hier lässt sich kein Einstiegssignal ausmachen

Fazit

Bis jetzt ist die jüngste Rallye beim Gold lediglich eine Erholungsbewegung. Diese dürfte mit guter Wahrscheinlichkeit an der Oberseite der unteren Trend-Kanal-Hälfte enden.

Aus der Sicht der Indikatoren Relative Stärke und Momentum lassen sich bis dato ebenfalls noch keine mittelfristigen Kaufsignale für Gold ableiten.

Interessierte Investoren sollten daher mit einem Einstieg warten, bis dem Goldpreis das Eindringen in die obere Trend-Kanal-Hälfte gelingt.

9. Februar 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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