Goldpreis – immun gegen Griechenland

Der Goldpreis ist seit einiger Zeit immer wieder für eine Überraschung gut. Seit dem Höchststand von rund 1.900 Dollar je Feinunze im Jahr 2011 hat sich der Kurs massiv nach unten bewegt. Besonders heftig fiel der Erdrutsch in der ersten Jahreshälfte 2013 aus, als der Goldpreis von knapp 1.700 auf unter 1.300 Dollar einbrach.

Mittlerweile ist die Feinunze für etwa 1.150 Dollar zu haben.

Gemessen in Euro fiel die Entwicklung etwas anders aus. Hier hielt sich das Edelmetall nach dem starken Anstieg 2011 auch im Jahr 2012 auf hohem Niveau, ehe es 2013 ebenfalls rapide abwärts ging. Allerdings hat der Goldpreis in Euro seit Jahresbeginn wieder kräftig zulegen können und ist seither nicht mehr unter 1.000 Euro je Feinunze gefallen.

Zuletzt kostete das Edelmetall rund 1.050 Euro.

Schwacher Euro – starker Dollar

Darin spiegelt sich auch das Verhältnis von vergleichsweise schwachem Euro und starkem Dollar wider. Seit einigen Monaten nähern sich die beiden Währungen immer stärker an, manche Beobachter glauben an eine Parität – also ein Wechselkursverhältnis von 1:1 – in absehbarer Zeit.

Für Euro-Anleger ist es derzeit also relativ gesehen teurer, sich mit Gold abzusichern. Dennoch wird dies dringend empfohlen. Experten raten, etwa 10 Prozent des liquiden Vermögens in Edelmetallen, insbesondere in Gold anzulegen. Dadurch können sich Privatanleger gegen etwaige Krisen wappnen.

Goldpreis immun gegen Griechenland-Gezerre

Das Gezerre um Griechenland hat in den vergangenen Wochen allerdings kaum Einfluss auf den Goldpreis gehabt. Der Konflikt war seit Jahren bekannt und Analysten zufolge bereits seit längerem eingepreist.

Nach oben geschossen wäre der Goldpreis wohl in einem Szenario, in dem die Währungsunion auseinanderbricht. Doch eine solche Eskalation scheint durch die Einigung von Brüssel vorerst abgewendet. Die Gläubiger hatten ein drittes Hilfspaket für Griechenland beschlossen, dies allerdings an harte Auflagen geknüpft.

Ob die Reformen letztlich umgesetzt werden können, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin hatte sich eine Mehrheit der griechischen Bevölkerung im Rahmen des Referendums gegen weitere Sparauflagen ausgesprochen. Insofern könnte die Euro-Problematik jederzeit wieder aufflackern, für den Moment ist das Thema aber wohl vom Tisch.

Muss Athen die Rücklagen veräußern?

Interessant für die Entwicklung des Goldpreises könnte es allerdings werden, wenn Griechenland seine Goldreserven veräußern müsste, um an frisches Kapital zu gelangen. Zurzeit hortet das Land rund 112 Tonnen Goldbestände. Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, als müsse dies verkauft werden.

Die Deutschen sichern sich jedoch ab. Die Nachfrage aus Deutschland nach Gold in Form von Münzen und Barren hat seit 2014 deutlich zugelegt von 19,5 Tonnen im 2. Quartal 2014 auf über 32 Tonnen im 1. Quartal des laufenden Jahres.

Zuletzt allerdings schien auch die Nachfrage der Münzsammler nachzulassen. Goldhändler berichteten von einer Flaute im Mai. Dies allein hat aber das schwache Kursniveau wohl nicht zu verantworten.

Einige Beobachter vertreten die Hypothese, dass die Zentralbanken den Goldpreis künstlich niedrig halten, um keine Konkurrenz zu Dollar oder Euro entstehen zu lassen. Zweifelsfrei belegen lässt sich diese Theorie allerdings nicht.

Anleger jedenfalls dürften gut beraten sein, bei günstigen Preisen zuzugreifen – denn die nächste Krise kommt bestimmt und mit ihr, früher oder später, auch der erneute Anstieg des Goldpreises.

17. Juli 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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