Goldpreis: In den Startlöchern für die nächste Rally?

Gold ist wie Schokolade; es beruhigt die Nerven. Seit jeher wird das glänzende Edelmetall als „sicherer Hafen“ in unruhigen Zeiten angesteuert.

Eine Depot-Beimischung von 5 – 15% schafft ein Gegengewicht zu anderen Investments wie etwa Aktien, die naturgemäß schwankungsanfälliger sein können.

Steigen die Aktienkurse, fällt meist der Goldpreis und umgekehrt. Durch eine ausgewogene Positionierung kann das eigene Anlage-Depot auf diese Weise ausbalanciert werden.

Trumps Wahlsieg bremste die Goldrally

Nicht wenige Experten sprechen inzwischen davon, dass der Goldpreis seine mehrjährige Korrektur-Phase Ende 2015 beendet hat.

Die Rally im vergangenen Jahr hat den Preis je Feinunze in die Höhe getrieben, bis im Herbst die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten für einen jähen Einbruch sorgte.

Übrigens geschah dies zur Überraschung vieler Beobachter, die in Trump damals eher einen Unsicherheitsfaktor – und somit Treiber für den Goldpreis – gesehen hatten.

Zunächst aber war das Gegenteil der Fall – mit seinen vollmundigen Versprechungen, die US-Wirtschaft anzukurbeln durch:

  • Steuer-Entlastungen,
  • Protektionismus,
  • ein breites Infrastruktur-Programm
  • sowie diverse Reformen,

sorgte Trump dafür, dass die Aktien in die Höhe schnellten, während Gold auf der Strecke blieb.

Behalten die Skeptiker am Ende Recht?

Das jedoch war nur die 1. Reaktion. Inzwischen wird immer deutlicher, dass die Skeptiker von damals am Ende Recht behalten könnten:

Von Trumps Vorhaben will nämlich im Endeffekt keines so recht gelingen:

Gerade erst scheiterte ein weiterer Versuch, die umstrittene Gesundheits-Reform „Obamacare“ durch ein anderes Modell zu ersetzen.

Von einer Mauer entlang der Grenze zu Mexiko – einem Wahlkampf-Schlager Trumps – ist auch schon lange keine Rede mehr.

Stattdessen macht der Präsident durch ein Fernduell mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un von sich reden.

Verbale Provokationen und Tweets heizen die Stimmung zwischen Washington und Pjöngjang immer weiter auf.

Im Weißen Haus sind unterdessen kaum Experten verblieben, die meisten haben Trump den Rücken gekehrt oder wurden innerhalb der ersten paar Monate gefeuert.

Gold schafft Durchbruch über 1.300 Dollar

Es ist also eigentlich gar kein Wunder, dass Anleger wieder vermehrt nach Gold suchen.

Mit knapp 1.347 Dollar je Feinunze erreichte der Goldpreis in der 1. September-Hälfte ein vorläufiges Jahres-Hoch.

Zuletzt sackte es aber wieder ab unter die Marke von 1.300 Dollar und wurde am Freitag zu rund 1.290 Dollar gehandelt.

Dennoch könnte der mehrwöchige Durchbruch über die 1.300er-Schwelle neue Kräfte freisetzen und den Goldpreis perspektivisch weiter antreiben.

Eine Rally scheint nicht ausgeschlossen – zumal sich die Zinsen weiterhin auf relativ niedrigem Niveau bewegen.

Und das wiederum lässt alternative Anlageformen im Vergleich weniger attraktiv erscheinen. Auch der schwächelnde Dollar treibt die Nachfrage und den Goldpreis.

Und so könnte sich am Ende bewahrheiten, dass die Erholung des Edelmetalls durch Trumps Wahlsieg nicht etwa beendet, sondern lediglich kurzzeitig unterbrochen wurde.

Wenn dem so ist, fängt die Rally gerade erst an.

4. Oktober 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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