Goldpreis knackt Mehrjahreshoch

Der Goldpreis hat sein Mehrjahreshoch von September geknackt – ist das nun der Startschuss zur nächsten Rally? (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Er hat es geschafft: Der Goldpreis hat Ende vergangener Woche seinen mehrjährigen Höchststand vom September geknackt und die Marke von 1.358 Dollar übersprungen – zumindest kurzzeitig, ehe der Kurs am Freitag wieder leicht nachgab.

Mit knapp unter 1.350 Dollar notierte die Feinunze dennoch rund 13 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Ein besonders steiler Anstieg ist seit Mitte Dezember zu verzeichnen.

Schwacher Dollar stützt den Goldpreis

Die Gründe dafür sind vielfältig, der wichtigste liegt aber wohl in der aktuellen Dollarschwäche. Die US-Regierung um Präsident Donald Trump hat eine protektionistische Richtung eingeschlagen und hält die Währung künstlich schwach, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln.

Ein schwacher Dollar geht unterdessen meist einher mit einem anziehenden Goldpreis. Das Edelmetall wird üblicherweise in Dollar gehandelt und dementsprechend für Anleger, die in anderen Währungen zahlen, günstiger. Dadurch steigt die Nachfrage und der Goldpreis steigt.

Einen weiteren Impuls erhält der Goldpreis, der sich traditionell vor allem im Januar stark präsentiert, durch die Kauflust der Chinesen. China gilt ohnehin als einer der wichtigsten Goldmärkte weltweit. Kurz vor dem Mitte Februar westlicher Zeitrechnung anstehenden chinesischen Neujahrsfest decken sich die Chinesen besonders gern mit dem Edelmetall ein, auch das lässt Nachfrage und Preis ansteigen.

Charttechniker zwiegespalten

Ob der Aufwärtstrend allerdings nachhaltig und stabil ist, darüber sind sich Charttechniker uneins. Es reicht eben nicht aus, das Mehrjahreshoch einmal kurz zu streifen – es müsste schon deutlicher als nur um ein paar Cent und länger als nur ein paar Stunden überschritten werden, um einen klaren Aufwärtsimpuls auszusenden.

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Bislang ist das noch nicht der Fall. Dennoch rechnen nicht wenige Experten für das Jahr 2018 mit einem erneuten Anstieg des Goldpreises, begünstigt nicht zuletzt durch den bereits erwähnten amtierenden US-Präsidenten Trump.

Abseits seiner Wirtschaftspolitik mit Steuererleichterungen für US-Konzerne einerseits und Strafzöllen auf Importwaren andererseits pflegt Trump bekanntlich auch außenpolitisch einen nicht unbedingt diplomatischen Stil.

Geopolitische Krisenherde

Die ohnehin schon vorhandenen Spannungen in der Weltpolitik könnten dadurch weiter zunehmen. Der immer wieder aufflammende Konflikt zwischen den USA und Nordkorea gilt nach wie vor als Pulverfass, eine Eskalation dürfte nicht nur die Politik, sondern auch die Märkte in Aufruhr versetzen.

Doch auch jenseits von Washington drohen Krisen, man denke nur an die Unruhen im Nahen und Mittleren Osten, und auch in Europa sind die Fronten zunehmend verhärtet angesichts der unklaren Lage in Sachen Brexit oder auch dem neuerlichen Rechtsruck in Österreich.

Aus Anlegersicht dürfte dementsprechend wohl auch das neue Jahr hinreichend Anlässe bieten, den sicheren Hafen Gold anzusteuern. Einen Anstieg in Richtung 1.400 Dollar bis Jahresende halten zahlreiche Analysten jedenfalls für realistisch.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.