Goldpreis schwankt heftig: Strohfeuer oder Trendwende?

Aktienhandel ist Glückssache und Gold ein verlässlicher Hafen? Dann schauen Sie sich die Entwicklung der vergangenen Monate einmal genauer an.

Neben den globalen Aktienmärkten, die zu Jahresbeginn auf kollektive Talfahrt gingen, war es vor allem der Goldpreis, der an den Finanzmärkten von sich reden machte.

Denn seit seinem Rekordhoch im Sommer 2011, als die Feinunze rund 1.900 US-Dollar kostete, ist der Goldpreis geradezu abgeschmiert. Im Herbst 2012 beschleunigte sich die Talfahrt, 2015 gab es einen weiteren deutlichen Dämpfer. Die Feinunze wurde über Monate für unter 1.100 Dollar gehandelt.

Im (Gold)Rausch der Geschwindigkeit

Dann der Jahreswechsel, der Absturz der Aktienmärkte – und plötzlich waren alle im Goldrausch. Eine Rally ließ die Feinunze bis auf 1.280 Dollar hochschnellen. Das alles geht so schnell, dass Privatanlegern schon mal schwindelig werden kann.

Zumal sie von allen Seiten mit Meinungen konfrontiert werden, warum der Goldpreis weiter steigen wird (manch einer spricht gar von einem Anstieg auf 4.000 oder 6.000 Dollar je Feinunze) und das alles erst der Anfang einer noch viel größeren Rally ist – oder eben auch nicht. Manche Experten bezeichnen das jüngste Aufflackern als vergängliches Strohfeuer und rechnen nicht mit weiter anziehenden Kursen. Für Anleger besonders verwirrend: Beide Seiten haben gute Argumente.

Die Argumente der Goldfans

Für einen steigenden Goldpreis spricht beispielsweise die hohe – und zum Teil sogar noch steigende – Nachfrage in einigen großen Ländern der Welt, etwa China, Russland oder Indien. Chinas Notenbank etwa stockt bereits seit einiger Zeit ihre Goldreserven auf.

Auch scheint der Kapitalabfluss aus den Goldfonds, der diesen länger zu schaffen gemacht hatte, allmählich gestoppt zu sein. Zudem stützt auch die Geld- und Zinspolitik der Notenbanken den Goldpreis: Niedrige – oder teilweise sogar negative – Zinsen lassen Anleger in das Edelmetall flüchten, einerseits um sich gegen Risiken abzusichern, andererseits aber auch, weil alternative Anlageformen schlicht nicht mehr attraktiv sind: Gold wirft keine Zinsen ab, das Sparkonto aber auch nicht mehr.

Manche Goldfans argumentieren auch mit der gesunkenen Fördermenge der Goldminen, denn die Minenbetreiber mussten in den vergangenen Jahren, als die Feinunze immer mehr abwarf, ihre Kapazitäten herunterschrauben. Dadurch könnte, gerade bei steigender Nachfrage, eine Knappheit entstehen, die wiederum den Preis antreibt.

Die Argumente der Skeptiker

Skeptiker halten von dieser Argumentation jedoch wenig und verweisen auf die relativ zur weltweit insgesamt verfügbaren Goldmenge kleinen Einschnitte, die die Minenbetreiber vorgenommen haben. Ob man 100 Tonnen Förderkapazität pro Jahr nun für viel oder wenig hält, bleibt jedem selbst überlassen.

Ein weiteres Argument gegen einen steigenden Goldpreis ist die bereits vollzogene Rally, die viele Anleger zu Gewinnmitnahmen motivieren könnte. Allerdings widerspricht kurzfristige Gewinnrealisierung dem Gedanken der Absicherung, der Goldinvestments häufig zugrunde liegt. Denn wohin sollten die realisierten Gewinne jetzt investiert werden? So grundlegend hat sich die Gesamtlage in den vergangenen drei Monaten nicht verändert.

Psychologisch betrachtet dürften aber die Wetten auf einen weiter steigenden Goldpreis eine Rolle spielen, denn je länger der Anstieg, desto wahrscheinlicher ein Abbruch der Rally. Werden die entsprechenden Positionen abgebaut, wirkt sich auch das auf den Goldpreis aus, und zwar negativ.

Gold wichtig zur Absicherung

Unklarheit herrscht auch bei der Bewertung der US-Konjunktur: Erholt sie sich nun, dann würden die Zinsen steigen, was den Goldpreis belastet. Oder erholt sie sich nicht, dann bleiben die Zinsen länger niedrig als gedacht, was den Goldpreis eher antreiben dürfte. Ähnliches gilt für eine Inflation der Verbraucherpreise, die aber bis auf weiteres erst einmal nicht in Sicht ist.

Es herrscht also viel Uneinigkeit, wenn es um die Prognosen geht, wohin sich der Goldpreis entwickeln wird. Doch in einem Punkt sind sich alle Experten einig: Eine Depotbeimischung von etwa 10 Prozent halten alle für empfehlenswert. Denn es geht bei der Anlage in Gold – anders als etwa bei Aktien – eben nicht um eine Vermehrung des Vermögens, sondern um dessen Absicherung im Falle heftiger Krisen. Und sollte es dazu kommen, sind alle Bewertungsmaßstäbe, die heutzutage angelegt werden, ohnehin Makulatur.

8. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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