Goldpreis schwächelt: Worauf es die nächsten Monate ankommt

Die Goldnachfrage zieht an – zumindest in Europa. Das liegt neben Donald Trump auch an bevorstehenden Wahlen diesseits des Atlantiks: (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

8 Tage; so lang – bzw. so kurz – hat Donald Trump gebraucht, um eine Mehrheit seiner Landsleute gegen sich aufzubringen:

51% der befragten US-Amerikaner gaben demnach an, den frisch gekürten Präsidenten abzulehnen – und das gerade einmal 8 Tage nach seiner Vereidigung.

Das ist Rekord; so schnell hat sich vor ihm noch niemand im Weißen Haus unbeliebt gemacht. Es ist die Mischung aus Tempo, Tonfall und Trotz, die Trump an den Tag legt, welche vielen Beobachtern die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Innerhalb kürzester Zeit hat der Mann es geschafft, zahlreiche diplomatische Beziehungen der USA empfindlich zu beschädigen – und dabei geht es längst nicht mehr nur um den südlichen Nachbarn Mexiko.

Keine Mäßigung in Sicht

Trump hat den Wechsel vom Wahlkampf-Modus in den präsidialen Stil nicht vollzogen, der bei US-Präsidenten sonst üblich war.

Er ist derselbe geblieben und hat in Windeseile jede aufkeimende Hoffnung zerschlagen, er könne sich im Amt mäßigen.

Hinzu kommt: Zahlreiche Vertreter des etablierten Washingtons, erfahrene Mitarbeiter diverser Behörden, widersetzen sich den präsidialen Anordnungen – und riskieren damit ihre Jobs.

Einige wurden bereits entlassen, Weitere dürften folgen. Mit ihnen jedoch verlassen Jahrzehnte an politischem und diplomatischem Know-how den Stab des Präsidenten.

Nach nicht einmal 1 Monat unter Trumps Präsidentschaft ist die Verunsicherung deutlich spürbar – weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus.

Diesseits des Atlantiks schlägt sich diese Entwicklung auch in der Goldnachfrage nieder; besonders hohe Umsätze verbuchte Xetra-Gold am 19. Januar, dem Tag vor der Vereidigung Trumps.

Goldnachfrage steigt – Rally lässt auf sich warten

Dennoch bricht der Goldpreis bislang nicht allzu heftig nach oben aus. Nein, er scheint bei etwa 1.220 US-Dollar je Feinunze auf einen Widerstand zu stoßen, den es nun erst einmal zu überwinden gilt.

Der Anstieg wird erschwert durch die bislang gegenläufige Entwicklung auf US-Seite: Dort ging das Interesse am Gold zuletzt sogar noch zurück – und das trotz der erwiesenen Unberechenbarkeit Trumps.

Die meisten Beobachter rechnen jedoch nicht damit, dass das auf Dauer so bleiben wird. Früher oder später wird der Run aufs Gold wieder einsetzen.

Denn das Edelmetall gilt vielen Anlegern nach wie vor als sicherer Hafen und wird zur Absicherung von Vermögens-Depots üblicherweise zumindest als etwa 10%ige Beimischung empfohlen.

Bedrohliche Lage, wohin man auch schaut

Für ein stärkeres Absicherungs-Bedürfnis spricht, dass Trump zwar der aktuell schrillste, aber bei Weitem nicht der einzige Unsicherheitsfaktor ist – gerade aus Sicht der europäischen Anleger.

Hier ist zudem die Angst vor einem „harten BrExit“ präsent, den die britische Premierministerin Theresa May erst kürzlich angekündigt hat.

Hinzu kommen wegweisende Parlaments- und Präsidentschafts-Wahlen in mehreren zentralen EU-Ländern wie Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.