Goldpreis steigt trotz Zins-Anhebung

Die Fed hat in dieser Woche den Leitzins angehoben – und entgegen der gängigen Faustregel steigt der Goldpreis. Was steckt dahinter? (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Sie hat es getan: Die US-Notenbank rund um Fed-Chefin Janet Yellen hat in dieser Woche die nächste Anhebung des Leitzinses beschlossen und verkündet.

Um 0,25% hoben die Notenbanker den US-Leitzins an auf 0,75 – 1,0%. Damit setzt Yellen um, was sie bereits seit einigen Monaten angekündigt hatte – und damit nicht genug:

Folgt man ihren Worten aus 2016, könnten im laufenden Jahr noch 2 weitere Zins-Erhöhungen anstehen.

Eine aus Anlegersicht spannende Frage lautet nun: Wie reagiert der Goldpreis? Eine alte Faustregel besagt, dass sich steigende Zinsen negativ auf die Goldpreis-Entwicklung auswirken.

Denn anders als beispielsweise Anleihen wirft Gold keine Zins-Erträge ab, sodass alternative Anlageformen attraktiver erscheinen.

Goldpreis steigt trotz Zins-Anhebung

Tatsächlich aber ist derzeit das Gegenteil zu beobachten: Der Goldpreis zog nach der Verkündung der Zins-Anhebung sogar an und kletterte zuletzt von knapp 1.200 auf rund 1.220 US-Dollar.

Ähnliches war auch bei der vorangegangenen Anhebung des Leitzinses zu beobachten gewesen.

Doch warum verhält sich der Goldpreis so anders, als es die gängige Theorie besagt? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Zunächst einmal ist der Leitzins zwar ein wichtiger, aber eben bei Weitem nicht der einzige Faktor, der die Attraktivität des Edelmetalls aus Anlegersicht bestimmt.

Hinzu kommen politische Unsicherheiten, und die waren zuletzt groß.

Politische Verunsicherung

Auch wenn Donald Trump an den Märkten zumindest für US-Aktien als Hoffnungsträger gilt und sein Wahlsieg im November eine Rally an der Wall Street auslöste, so bleiben doch viele Fragezeichen stehen angesichts seiner politischen Pläne.

Auch diese spezielle Medaille hat zwei SeitenNächste Woche beginnen die Olympischen Winterspiele und dabei jagen die Sportler der Goldmedaille hinterher. Doch die besteht zum Großteil aus einem anderen Metall. › mehr lesen

Der in Europa befürchtete Rechtsruck ist zwar in den Niederlanden bei den Parlamentswahlen in dieser Woche nicht eingetreten.

Doch mit Frankreichs Präsidentschaftswahl und der Wahl zum Deutschen Bundestag im September stehen noch zwei wichtige Termine auf der Agenda.

Die anlaufenden Verhandlungen rund um den EU-Austritt Großbritanniens tun ihr Übriges, um für Verunsicherung zu sorgen.

Und in unsicheren Zeiten gilt Gold eben vielen nach wie vor als sicherer Hafen zur Absicherung des eigenen Depots.

Niedriges Zinsniveau

Doch nicht nur weitere Faktoren begünstigen derzeit einen weiteren Anstieg des Goldpreises.

Auch muss bei der Zins-Steigerung berücksichtigt werden, dass sich der Leitzins auch nach der jüngsten Anhebung noch auf extrem niedrigem Niveau bewegt und – verrechnet mit der Inflation – ein negativer Realzins steht.

Das heißt: Obwohl Anleihen mehr abwerfen, verlieren Sparer unterm Strich Vermögen, weil die Inflation schneller steigt als der Zins.

Dennoch halten Yellen & Co. die US-Wirtschaft offenkundig für robust genug, eine oder auch mehrere Zins-Erhöhungen in diesem Jahr zu verkraften.

Aus Sicht von Trump ist das eher ärgerlich: Höhere Zinsen lassen schließlich auch den Wert des Dollar steigen, wodurch amerikanische Waren im Ausland teurer werden.

Das passt nicht gerade zu seinem Credo, wonach nicht nur US-Amerikaner, sondern am liebsten die ganze Welt wieder mehr Ware „Made in America“ konsumieren sollen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.