Goldpreis und Euro-Absturz: Die guten Neuigkeiten

Gold gilt seit jeher als „krisensichere Währung“ – doch wird das Edelmetall diesem Anspruch derzeit noch gerecht?

Der Goldpreis in Dollar hat in den vergangenen Monaten nach kurzfristigem Anstieg wieder deutlich nachgegeben. Experten rechnen mit einem weiteren Rückgang bis zur Jahresmitte und einer erneut einsetzenden Aufwärtsbewegung zum Jahresende hin, angeschoben etwa durch eine steigende Nachfrage aus Asien.

In Euro sieht das Bild allerdings ein bisschen anders aus. Hier konnte der Goldpreis seit Jahresbeginn deutlich zulegen und hat seinen Wert um mehr als 12 Prozent verbessert.

Warum legt Gold in Euro zu?

Das liegt zum einen an der generell unsicheren Gemengelage. Der Ukraine-Konflikt ist noch längst nicht ausgestanden, ein „Grexit“, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, ebenfalls noch nicht gänzlich vom Tisch.

Verstärkend kommt allerdings noch ein weiterer Effekt hinzu: der Wechselkurs von Euro zu Dollar. Seit Monaten fällt der Wert der Gemeinschaftswährung im Vergleich zum US-Dollar.

Nachdem für einen Euro noch vor knapp einem Jahr im Mai 2014 1,40 Dollar fällig waren, nähern sich die beiden Währungen immer schneller einer Parität an. Erst vor wenigen Tagen rutschte der Euro-Kurs auf unter 1,05 Dollar ab und markierte damit den tiefsten Stand seit zwölf Jahren.

Doch warum stürzt der Euro so dramatisch ab?

Gründe für den Euro-Verfall

Hierfür gibt es verschiedene Ursachen – allen voran die Geldpolitik der Notenbanken. Während die Federal Reserve ihre expansive Geldpolitik der letzten Jahre allmählich zurückfährt, ihr Anleihekaufprogramm im vergangenen Herbst auslaufen ließ und nun auf eine Zinserhöhung zusteuert, schlägt die Europäische Zentralbank die gegenläufige Richtung ein.

Die EZB hält die Zinsen auf historischen Tiefständen, auch negative Zinssätze sind nicht ausgeschlossen. Durch die Geldflut, die seit Anfang März bis Herbst 2016 mehr als eine Billion Euro in die Märkte spülen soll, wird der Euro zusätzlich abgewertet.

Wer sich gegen einen weiteren Verfall der Gemeinschaftswährung absichern will, legt sein Geld anderweitig an – zum Beispiel in Gold.

Prognose: Euro fällt, Gold in Euro steigt

Die Prognosen verschiedener Großbanken rechnen inzwischen noch im laufenden Jahr mit dem Erreichen der Parität, also einem Wechselkursverhältnis von 1:1.

In den kommenden Jahren wird sich nach ihrer Einschätzung der Wert umkehren, sodass der US-Dollar mehr wert sein wird als der Euro. Goldman Sachs rechnet laut jüngsten Studien mit einem Rückgang des Euro auf bis zu 0,80 Dollar im Laufe der kommenden zwei Jahre.

Für den Goldpreis in Euro bedeutet das, dass es noch weiter aufwärts gehen dürfte. Denn während der US-Dollar wieder attraktiver wird und Gold im Verhältnis zum Dollar an Wert verliert, deutet sich in der Währungsunion der umgekehrte Effekt an: Eine Kapitalflucht aus dem Euro würde demnach den Goldpreis in Euro weiter anschieben.

24. März 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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