Goldpreis: Warum ein Preis von 2.000 Dollar laut Analysten möglich ist

Der Start ins Jahr 2015 war aus Sicht der Finanzmärkte herausragend gut. Das betrifft nicht nur die Aktienmärkte – der Dax legte am Frankfurter Parkett eine ungeahnte Rekordserie hin und stieg binnen zwei Monaten um mehr als 15 Prozent an –, sondern auch den Edelmetallsektor.

Zu Jahresbeginn lag der Goldpreis bei etwa 1.200 Dollar, schaffte dann aber im Januar binnen kürzester Zeit einen fulminanten Anstieg auf 1.300 Dollar – und das trotz negativer Vorhersagen. Kaum jemand hätte mit einem solchen Gold-Run gerechnet, als der Preis je Feinunze im November noch unter 1.150 Dollar gerutscht war.

Die Prognosen waren mau, doch der Preisanstieg kam trotzdem. Inzwischen sieht die Situation genau umgekehrt aus. Auf das Hoch im Januar folgte eine Verkaufswelle im Februar. Nach vier Verlustwochen in Folge steht der Goldpreis nun wieder da, wo er in diesem Jahr angefangen hat – bei 1.200 Dollar.

Doch inzwischen hält kaum jemand mehr diesen Kurs für überbewertet, ganz im Gegenteil. Laut einer aktuellen Umfrage rechnen 40 Prozent der befragten Fondsmanager mit steigenden Goldpreisen in den kommenden zwölf Monaten. Bis zum Jahresende wird ein Preis von 1.400 Dollar für realistisch gehalten.

Woher der plötzliche Optimismus? Der rasante Anstieg im Januar lässt sich schließlich mit Faktoren erklären, die inzwischen eine nachgeordnete Rolle spielen – oder etwa nicht?

Warum der Goldpreis gestiegen ist

Für den Ankauf von Gold sprach die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank, den Frankenkurs nicht länger an den Euro zu koppeln. Das löste hektische Panikreaktionen an den Märkten aus, der Goldpreis stieg in der Folge deutlich an. Doch inzwischen dürfte dieser Aspekt kaum noch eine Rolle spielen, der erste Schock ist verflogen, die Entwicklung eingepreist.

Ein weiterer Faktor waren niedrige Zinsen. Die gibt es immer noch. Zwar rechnen die Märkte mit einer Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank Federal Reserve im Sommer,  was die Goldnachfrage sinken lassen könnte.

Doch historisch betrachtet wird der Zins selbst bei einer schrittweisen Anhebung noch lange Zeit auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharren. Insofern scheint Gold weiterhin eine lohnende Investition.

Etwas komplizierter verhält es sich mit den geopolitischen Krisen. Die Ukraine-Krise und die wirtschaftlichen Unsicherheiten mit Blick auf das Russland-Geschäft zahlreicher Großkonzerne vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen gegen Moskau sind schwer abzuschätzen.

Auch wenn eine große Eskalation bislang vermieden werden konnte, brodelt der Konflikt und erschwert die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland zunehmend. Ein klarer Unsicherheitsfaktor, der Gold als „sicheren Hafen“ umso attraktiver scheinen lässt.

Das 2.000-Dollar-Szenario

Es gibt jedoch ein Szenario, bei dem Experten einen Anstieg des Goldpreises auf 2.000 Dollar in absehbarer Zeit für möglich halten: die Rede ist vom Grexit.

Verlässt Griechenland die Währungsunion, würde das am politischen ebenso wie am Börsenparkett für Erdbeben sorgen. Selbst wenn Griechenland in Folge eines Euro-Austritts gezwungen wäre, einen Teil seiner Goldreserven zu veräußern, würden vermutlich zahlreiche Investoren in diese „krisensichere Währung“ flüchten und bereit sein, hohe Preise dafür zu zahlen – Hauptsache abgesichert, denn die Konsequenzen eines solchen Schritts sind weitgehend unvorhersehbar.

Doch selbst wenn es nicht zu diesem Super-GAU kommt, der sich als extremer Kurstreiber für Gold erweisen könnte, gibt es gute Gründe, auf steigende Kurse zu setzen.

Dafür reicht allein schon der Blick auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage: Gerade Schwellenländer decken sich zunehmend mit dem Edelmetall ein, allen voran China und Indien kaufen immer mehr Gold.

Zugleich stagniert aber das Angebot, für viele Minenbetreiber markiert der aktuelle Kurs von 1.200 Dollar die untere Schmerzgrenze. Im Verhältnis wird sich also das Angebot tendenziell verknappen.

Rechnet man dann noch die genannten Faktoren wie niedrige Zinsen, Ukraine-Konflikt und Grexit-Option mit ein, scheint der prognostizierte Preisanstieg bis zum Jahresende überaus realistisch.

21. April 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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