Goldpreis: Womit Experten im Jahr 2016 rechnen

2015 brachte keine Kehrtwende für den Goldpreis, die Feinunze ist immer noch viel zu billig, meinen Experten. Doch wohin geht die Reise im neuen Jahr? (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Die Rohstoffmärkte befinden sich seit geraumer Zeit im Abwärtsmodus. Besonders hart traf es zuletzt den Öl- und den Goldpreis.

Das Edelmetall, das noch im Sommer 2011 einen Rekordpreis von rund 1.900 US-Dollar je Feinunze erzielte, ist seitdem dramatisch abgestürzt. Zuletzt notierte der Kurs nur noch knapp über der 1.000-Dollar-Marke.

Goldpreis niedrig trotz Krisen

Das überrascht angesichts der globalen Krisenherde: verheerende Kriege, massenhafte Fluchtbewegungen, politische Spannungen, ökonomische Unsicherheiten – Nachrichten wie diese führten in der Vergangenheit stets dazu, dass sich Anleger mit Gold eindeckten. Das Edelmetall gilt seit jeher als sicherer Hafen und krisenfeste Währung.

Dennoch dümpelt der Goldpreis vor sich hin, eine Besserung ist zumindest kurzfristig nicht in Sicht. Viele Experten erwarten, dass bei einem Preis von etwa 1.000 Dollar die Talsohle erreicht sein wird und eine Trendwende einsetzt. Die könnte aber relativ langsam vonstattengehen.

Zwar sind sich Goldexperten einig, dass die Feinunze derzeit klar unterbewertet ist und gerade angesichts der geopolitischen Umstände höher notieren müsste. Eine fundierte Gegenbewegung erwarten sie allerdings vorerst nicht.

Bis Ende 2016 liegt der Goldpreis Prognosen zufolge nur leicht über dem heutigen Niveau. Optimisten gehen von etwa 1.150 Dollar je Feinunze aus, im Negativen reicht die Spanne jedoch hinunter bis auf 950 Dollar.

Privatanleger halten dem Edelmetall die Treue

Während vor allem institutionelle Investoren aus ihren Goldinvestments flüchten, halten viele Privatanleger wacker dagegen. Gerade in Deutschland sind Goldwerte überdurchschnittlich beliebt.

Gänzlich auf dem Holzweg sind sie damit nicht: In aller Regel empfehlen Finanzberater, das Depot durch eine Goldbeimischung anzureichern und abzusichern. Der Anteil sollte jedoch nach Einschätzung der meisten Experten nicht wesentlich über 10 Prozent liegen.

Dabei ist physisches Gold als Anlageform für Privatanleger zu bevorzugen, denn es birgt keine unternehmerischen Risiken, ganz im Gegensatz etwa zu Aktien von Goldminenbetreibern.

Vor allem für risikoscheue Anleger, denen fehlende Renditen etwa aus Dividendenzahlungen weniger wichtig sind, sind Edelmetalle wie Gold attraktiv. Kommt es zu Währungskrisen beim Papiergeld, greift hier die Absicherung.

Zinswende (noch) nicht dramatisch

Doch obwohl Goldfans nach wie vor bei Barren und Münzen kräftig zugreifen, vermag sich der Kurs nicht nachhaltig zu erholen. Eine weitere Barriere auf dem Weg zu höheren Goldpreisen stellt zurzeit auch die Zinswende seitens der US-Notenbank Federal Reserve dar.

Höhere Zinsen machen festverzinsliche Anlageformen wieder attraktiver, Gold hingegen verliert an Stellenwert.

Andererseits fiel die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren moderat aus und es ist davon auszugehen, dass die Fed auch in den kommenden Quartalen nur behutsam an der Zinsschraube drehen und sich der Leitzins noch auf längere Sicht auf historisch niedrigem Niveau bewegen wird.

Rohstoffexperten empfehlen Goldfans übrigens, geduldig zu bleiben: Die langfristigen Prognosen sind gar nicht mal so schlecht. Ein langer Atem kann sich hier auszahlen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.