Goldpreisabsturz mit Ansage

Wer jetzt auch noch den Goldpreisabsturz Herrn Bernanke in die Schuhe schieben will, liegt völlig falsch. (Foto: Africa Studio / shutterstock.com)

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie präzise Sie in vielen Fällen Marktentwicklungen mit Hilfe der Charttechnik voraussagen können. Diesmal traf das auf den Goldpreis in USD / Feinunze zu.

Im Handelsblatt Online konnten Sie am vergangenen Donnerstag folgende Meldung zum Thema „Preisrückgang bei Gold“ lesen:

„Signale für ein nahendes Ende der ungebremsten Billiggeld-Flut in den USA haben den Goldpreis massiv unter Druck gesetzt.

Am Donnerstag fiel der Preis für eine Feinunze in London bis auf 1.304,75 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Die Ankündigung führt auch dazu, dass der Goldpreis unter die 1000 Euro-Marke fiel.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte die Finanzmärkte am Mittwochabend mit Äußerungen zum möglichen Zeitplan für die Drosselung der milliardenschweren Anleihekäufe in Aufruhr versetzt.

Gold wird von vielen Investoren als Inflationsschutz betrachtet und reagiert deshalb stark auf die Geldpolitik der großen Notenbanken.“

Aus der Meldung können Sie heraus lesen, dass die Goldbesitzer von den Bernanke-Aussagen offensichtlich überrascht wurden. Ich sage: Das ist völliger Unsinn!

Um den sinkenden Goldpreis zu prognostizieren, brauchte es lediglich etwas gesunden Menschenverstand.

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Bereits am 12. und 13. Juni begründete ich Ihnen nämlich in einem zweiteiligen Beitrag („Goldpreis: Das sieht nicht gut aus!“) ausführlich, warum ich bezüglich der Goldpreis-Entwicklung außerordentlich skeptisch war.

(Abgesehen davon stehe ich, wie Sie wissen, schon seit gut einem Jahr der Goldpreis-Entwicklung pessimistisch gegenüber.)

Seit Oktober 2012 reichlich charttechnisch negative Signale

Doch selbst wer die fundamentalen Aspekte bis dato ignoriert hat – wir hatten eben keine nennenswerte Inflation und haben derzeit sogar eher deflationäre Tendenzen – konnte die Charttechnik eigentlich nicht leugnen.

Der nachfolgende Chart zeigt den Goldpreis in USD / Feinunze als Tageschart. Dabei entspricht 1 Balken dem Handelsverlauf 1 Tages. Im unteren Chartteil finden Sie das 50-Tage-Momentum (zeigt Schwung und Dynamik einer Kursbewegung).

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Goldpreis in USD / Feinunze (Tageschart): Abwärtssignale zuhauf!

Edelmetalle 2018: Der große Preisschub wird wohl ausbleibenExperten von JPMorgan vorsichtig optimistisch: Für 2018 erwarten sie einen leichten Anstieg beim Gold und stärkere Zuwächse beim Silber. › mehr lesen

Schauen Sie nur mal auf die 50- und 200-Tagelinie, die den mittel- bzw. langfristigen Trend eines Marktes anzeigen:

Die 50-Tagelinie ist seit Dezember 2012 im Abwärtsmodus. Im Januar und Februar gab es Versuche des Goldpreises, die 50-Tagelinie zu durchbrechen – das misslang gründlich.

Doch nun betrachten Sie einmal das Verhalten des Goldpreises bei den weiteren Angriffen auf die 50-Tagelinie: Sie endeten jeweils deutlich VOR der Durchschnittslinie (gelbe Kreise). Ein solches Verhalten signalisiert vor allem eines: Schwäche.

Das Gesagte können Sie 1 zu 1 auf die 200-Tagelinie, also den langfristigen Trend, übertragen (blauer Kreis). Hier kann man nicht einmal von einem Versuch eines Tests sprechen.

Wenn Ihnen das noch nicht reicht: Im April 2013 wurde eine Unterstützung von großer Bedeutung (pinkfarbene horizontale Linie) unterboten – Verkaufssignal.

Soeben wurde eine kurzfristige Aufwärtstrend-Linie (pinkfarbene Linie) nach unten durchbrochen – Verkaufssignal.

Ach ja: Und das 50-Tage-Momentum tendiert seit Oktober 2012 (!) abwärts (grüner Pfeil). Seit November 2012 (roter Kreis) wird gar negatives Momentum aufgebaut! 2 weitere Verkaufssignale.

Ich denke, dass angesichts der Vielzahl negativer Charttechnik-Argumente wohl kaum ein Goldpreisbesitzer von den Bernanke-Aussagen überrascht sein konnte.

Ganz schlecht: 8 Jahre alter Aufwärtstrend kaputt

Wenn Sie zum Abschluss auf dem Wochenchart schauen, dann werden Sie feststellen, dass nun auch noch ein weiteres, gravierend negatives Argument hinzugekommen ist.

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Goldpreis in Euro / Feinunze (Wochenchart): Aufwärtstrend seit 2005 durchbrochen

Mit dem Rutsch der vergangenen Woche wurde nun auch noch der seit dem Jahr 2005 (!) gültige Aufwärtstrend nach unten durchbrochen.

Das 50-Wochen-Momentum hat überdies ein neues Tief markiert.

Also: Hören wir bitte auf mit der Mär, dass Ben Bernanke die Schuld für den Absturz des Goldpreises trägt!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.