Goldreserven: China überholt Schweiz

Im Ernstfall kommt es auf sie an, Goldreserven. China besitzt mittlerweise 1.054 Tonnen Gold und hatte erst Ende April 2009 den Internationalen Währungsfonds (IWF) darüber in Kenntnis gesetzt.

Seit 2003 hatte China stets gemeldet, dass der Goldbestand im Reich der Mitte bei ca. 600 Tonnen liegt.

Goldreserven China: Vorbereitung auf große Umwälzung

Doch in aller Stille und Heimlichkeit wurde der fünftgrößte Goldbestand weltweit angehäuft und auch die Schweiz überrundet, die knapp 1.040 Tonnen Gold besitzt.

Finanzmarktexperten gehen davon aus, dass sich China damit auf mögliche Umwälzungen im weltweiten Währungssystem vorbereitet, die langfristige Auswirkungen haben können.

Unlängst hatte die chinesische Zentralbank vorgeschlagen, den US-Dollar als weltweite Reservewährung durch eine neue internationale Korbwährung abzulösen.

Diese Korbwährung soll dann durch Rohstoffe abgesichert werden. Durch den Goldhunger von China könnte jetzt auch der Appetit anderer Zentralbanken auf die gelbe Wertanlage steigen und der Preis pro Feinunze dauerhaft über die Marke von 1.000 Dollar klettern.

Die Analysten des italienischen Finanzdienstleisters UniCredit gehen von einem zusätzlichen Goldbedarf von 7.800 Tonnen bei den 20 Ländern mit den größten Devisenbesitzern weltweit aus, wenn eine neue internationale Korbwährung zu fünf Prozent durch Gold gedeckt würde.

Eine horrend hohe Menge, denn der  Goldbesitz aller Länder mit Goldreserven, weltweit, liegt bei knapp 26.300 Tonnen.

Die höchstes Goldreserven weltweit besitzt die USA mit 8.133,5 Tonnen. Weiterhin ist dies mit Abstand die größte Goldreserve, gefolgt von Deutschland mit 3.412,6 Tonnen. Auf dem dritten Rang platziert sich der Internationale Währungsfonds mit einem Goldbesitz von 3.217,3 Tonnen.

Übersicht über die Goldreserven der größten Goldbesitzer weltweit:

Quelle: World Gold Council – Juni 2009 (die komplette Liste der 20 größten Goldbesitzer weltweit kann dort ebenfalls eingesehen werden)

China stemmt sich gegen schwachen US-Dollar

Nicht nur, dass China bezogen auf das BIP zu „wenig“ Gold hat, belastet das Reich der Mitte. Auch der hohe Bestand an US-Dollar ließ die Machthaber nervös werden.

Denn: die USA verlangen unverhohlen eine Aufwertung der chinesischen Währung „rinminbi“. Davon wird auch die Höhe des US-Exports abhängen.

China lässt sich aber nicht so ohne weiteres erpressen, zeigt sich jetzt erneut. Die neuen Bestände an Gold sind offenbar rasch gewachsen – konkret: sie haben sich verdoppelt, stimmen die Gerüchte mehrerer Seiten.

Chinas Goldreserven: Eine Chance für den Goldmarkt?

Es ist eines der großen Rätsel der Finanzmärkte und niemand vermag momentan eine exakte Antwort auf die Frage zu geben wie groß die Goldreserve der chinesischen Notenbank denn nun wirklich ist.

Offiziell liegt sie bei 1.054 Tonnen, doch die offiziellen Zahlen sind schon etwas älterer Natur und da die chinesische Notenbank die Weltöffentlichkeit nur dann über den aktuellen Bestand informiert, wenn sie der Meinung ist, dass die Welt diese Zahlen kennen sollte.

So wird am Goldmarkt eifrig darüber spekuliert ob China seine Goldreserve weiter erhöht ohne die Zukäufe zeitnah zu publizieren und wenn ja in welcher Geschwindigkeit die Aufstockung der Goldreserven erfolgt.

Es spricht viel dafür davon auszugehen, dass China seine Goldreserve bereits erhöht hat und auch noch weiter erhöhen wird, denn im Verhältnis zu den gigantischen Devisenreserven, die überwiegend in US Dollar gehalten werden, nimmt sich die Goldreserve der chinesischen Notenbank eher bescheiden aus.

Erhärtet wird diese Annahme durch Äußerungen chinesischer Offizieller, die als strategisches Ziel für die chinesische Goldreserve einen Bestand von 10.000 Tonnen avisiert hatten.

Strategisches Ziel 10.000 Tonnen

Hält China an diesem Ziel fest, so müsste der Goldbestand in den Tresoren der Notenbank in den nächsten Jahrzehnten in etwa verzehnfacht werden.

Dass dieser Aufbau nur sehr langsam und über Jahre gestreckt erfolgen kann, wird sofort deutlich, wenn man sich die weltweite Minen- und Altgoldproduktion vor Augen hält.

In den Minen werden jedes Jahr rund 2.500 Tonnen gefördert und weitere 1.000 Tonnen Altbestände kommen wieder auf den Markt.

Gesetzt den Fall dieses gesamte Gold würde seinen Weg nach China finden, eine Annahme, die total unrealistisch ist, würde das Reich der Mitte für den Ausbau seiner Goldreserve auf über 10.000 Tonnen immer noch rund drei bis vier Jahre benötigen.

Weil alle anderen Länder dann aber als Käufer quasi leer ausgehen würden, ist eine solche massive Aufkaufaktion der Chinesen gar nicht denkbar, ohne dass der Goldpreis explosionsartig durch die Decke gehen würde.

Da auch die chinesische Notenbank nicht daran interessiert ist Mondpreise für das Gold zu zahlen, müssen die Zukäufe möglichst behutsam erfolgen.

Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass die chinesische Führung den Yuan neben US Dollar, Euro und Yen zu einer wichtigsten Weltwährungen aufbauen will.

Dazu muss die Währung einerseits frei schwanken, was momentan noch nicht gestattet wird und andererseits sollte sie analog zum US Dollar und Euro auch eine starke Goldabsicherung vorweisen können.

Gold stärkt den Yuan im internationalen Währungswettbewerb

Wenn China den Aufstieg seiner Währung zu einer der Leitwährungen nicht irgendwann sondern relativ zeitnah vollziehen will, steht der Ausbau der Goldreserve zusätzlich unter einem starken Zeitdruck.

Es läuft also alles auf die beiden Fragen hinaus, wie viel Gold kann die chinesische Notenbank pro Jahr zukaufen ohne den Markt zu stören und ohne übermäßiges Aufsehen zu erregen und wie schnell kann sie einen Goldbestand vorweisen, der internationales Gewicht hat?

Als größter Goldproduzent der Welt hat China anderen Ländern gegenüber den Vorteil, dass es mehr oder weniger geräuschlos die eigene Produktion aufkaufen kann.

Sie steigt seit einigen Jahren konstant an und lag in den vergangenen Jahren bei rund 300 Tonnen. Die genauen Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor, doch eine Goldförderung von 320 Tonnen wird allgemein erwartet.

Gesetzt den Fall, dass die Notenbank die gesamte Landesförderung in ihren Bestand nimmt, ist zu erwarten, dass China seit der letzten Zahlenpublikation bereits 600 bis 650 Tonnen Gold gekauft hat.

Zusammen mit 300 Tonnen Jahresproduktion in 2011 kämen gut 950 Tonnen zusammen, sodass die chinesische Führung bereits im Frühjahr 2012 in der Lage sein könnte eine Verdoppelung ihrer Goldbestände auf rund 2.000 Tonnen zu verkünden.

Das wäre erneut ein gewaltiger Sprung nach vorn, es bliebe aber noch immer ein großer Abstand zum ausgegebenen Ziel von 10.000 Tonnen.

Andere Quellen für den Golderwerb

Alleine auf die eigene Minenproduktion gestützt wären 30 Jahre nötig, um die fehlenden 9.000 Tonnen Gold anzusammeln. Außerdem setzt eine solche Rechnung voraus, dass die chinesische Goldproduktion auch weiterhin auf diesem hohen Niveau verbleiben wird.

Die bislang bekannten Informationen zu den Reserven und Ressourcen der chinesischen Minen lassen an dieser Annahme durchaus Zweifel aufkommen.

China hätte ähnlich wie Indien einen Teil des bis Ende letzten Jahres zum Verkauf stehenden Goldes des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwerben können.

Davon hat man jedoch bewusst abgesehen. Offiziell, weil dieser Kauf einen zu starken Druck auf den Goldpreis hätte ausüben können.

Wir haben allerdings am Beispiel Indiens, das immerhin die Hälfte des Goldes zu einem Durchschnittspreis von 1.050 US Dollar aufgekauft hat, gesehen, dass der direkte Einfluss des indischen Kaufs auf den Goldpreis verhältnismäßig gering war und der Goldpreis anschließend auch ohne offizielle chinesische Käufe weiter angestiegen ist.

Der Unterschied zwischen den indischen und möglichen chinesischen Käufen ist jedoch, dass die Inder diese ausweisen müssen, weil sie bereits allgemein bekannt sind.

Das müssen die Chinesen nicht, wenn sie sich im eigenen Land bedienen. Erwerben sie dann nicht nur das Gold aus der genuinen Minenproduktion, sondern auch das Gold, das etwa beim Schmelzen vom Kupfer als Beiprodukt anfällt, so besteht durchaus die Möglichkeit den eigenen Goldbestand pro Jahr um deutlich mehr als 300 Tonnen zu erhöhen.

Wir dürfen auf die nächste Veröffentlichung der aktuellen Zahlen zum chinesischen Goldbestand somit sehr gespannt sein.

24. Juni 2009

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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.

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