Google übernimmt wichtiges HTC-Know-how zur Stärkung der Pixel-Serie

Google auf dem Weg zum Smartphone-Hersteller für den Massenmarkt: Für 1,1 Mrd. Dollar übernimmt man Entwickler und Nutzungsrechte von HTC. (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Die vor wenigen Tagen durchgesickerten Übernahme-Pläne des Suchmaschinen-betreibers Google sind jetzt offiziell:

Für 1,1 Mrd. US-Dollar (930 Mio. €) übernehmen die US-Amerikaner Entwickler und Nutzungsrechte vom Smartphone-Hersteller HTC.

Zuvor wurde spekuliert, dass Google den kompletten Geschäftsbereich kauft.

Doch HTC ließ wissen, dass man an der Sparte festhalten wolle und ein neues HTC-Smartphone-Modell bereits in Arbeit ist.

Auch Spekulationen, dass der hochprofitable Geschäftsbereich Virtual Reality zur Disposition steht, erteilte das Unternehmen eine Absage.

Google könnte schon in wenigen Jahren ernster Konkurrent für Apple und Samsung sein

Mit der Übernahme der HTC-Entwickler sowie dem Erwerb der Nutzungsrechte kommt Google dem Smartphone-Massenmarkt einen großen Schritt näher.

Bislang fristete Google mit der Nexus-Serie nur ein Nischen-Dasein. Mittelfristig könnte sich das jedoch ändern.

Unter der Marke „Pixel“ drängt Google in das Massengeschäft, wenngleich das 1. Modell nur sehr begrenzt verfügbar war.

Anfang Oktober will der Konzern das Modell Pixel 2 vorstellen, das in der XL-Version bereits in Zusammenarbeit mit HTC gebaut wird.

Die Kooperation der beiden Konzerne dürfte durch den jetzigen Deal bei späteren Modellen noch größer ausfallen.

Gut möglich, dass bei anhaltendem Druck auf das kriselnde HTC-Geschäft der gesamte Bereich am Ende doch bei Google landet.

Übernahme könnte Kunden des Betriebssystems „Android“ verärgern

Die Übernahme ist ein klarer Fingerzeig, dass Google keineswegs im Smartphone-Geschäft zurückstecken könnte, wie von einigen Analysten vermutet wurde.

Fraglich ist jedoch, wie die Android-Kunden auf den Deal reagieren. Diese dürften wohl wenig begeistert davon sein, dass Google in dem Markt auf Angriff schaltet.

Schon im Jahr 2011 gab es Spannungen mit dem wichtigen Android-Kunden Samsung, nachdem sich Google Motorola Mobility schnappte.

Schritt für Schritt zum Smartphone-Erfolg: Google kauft und verkauft nur, was gerade gebraucht wird

Die Motorola Mobility-Übernahme durch Google war jedoch nicht darauf ausgerichtet, um zeitnah ein führender Spieler im Smartphone-Geschäft zu werden.

Zu der Zeit überschütteten sich die Firmen in der Branche mit Klagen und Google brauchte Zugriff auf die 17.000 Motorola-Mobility-Patente.

Am Ende ließ sich Google die Übernahme 12,5 Mrd. Dollar kosten.

Als Anfang 2014 Google dann Motorola Mobility für knapp 3 Mrd. Dollar an Lenovo weiterreichte, hieß es in einigen Medien schnell, dass der Suchmaschinen-Betreiber Milliarden verbrannt hätte.

Wer genau hinschaute, der erkannte aber, dass der Großteil der Patente bei Google verblieb.

Der Intenet-Gigant behielt, was benötigt wurde und verkaufte das, was überflüssig war. Und genauso ist es jetzt auch bei dem HTC-Deal:

Statt den kompletten Bereich zu übernehmen, schnappt sich Google nur das, was für ein gutes Smartphone zunächst am wichtigsten ist:

Entwickler und Lizenzen – ein Schritt nach dem anderen also.

Alphabet-Aktie freundlich – HTC-Aktie geht durch die Decke

Die Übernahme sorgte v. a. bei der HTC-Aktie für kräftige Aufschläge. Nachdem der Übernahme-Plan durchsickerte, wurde die Aktie an der Heimat-Börse in Taiwan vom Handel ausgesetzt.

In Deutschland wurde das HTC-Pendant (GDR) jedoch weiter gehandelt und das schoss von 8 auf 10 € – ein Plus von 25%. Investoren heben den guten Preis des Deals hervor.

Vorsichtig positiv beurteilen auch die Google-Investoren die Übernahme. Aktien der Muttergesellschaft Alphabet verteuern sich nach Aufkommen der Gerüchte um 1,8%.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.