GoPro-Aktie: Actionkamerahersteller will Drohnenmarkt aufmischen

So schnell kann es an der Börse gehen. Schauen Sie sich die Kursentwicklung des kultigen Actionkamera-Herstellers GoPro einmal in Ruhe an. Dem Börsengang im Sommer 2014 folgte ein nahezu kometenhafter Aufstieg. Vom Emissionskurs bei 24 Dollar explodierte der Preis der Papiere regelrecht um über 280% auf zwischenzeitlich 93 Dollar in der Spitze – wohlgemerkt in nur vier Monaten.

Gopro hat sich mit seinen robusten, überall einsetzbaren Mini-Kameras eine eingefleischte Fangemeinde geschaffen. Das Unternehmen verkauft auch Zubehör, mit denen Abenteurer und Extremsportler die kleinen Videogeräte an Helmen, Fahrrädern oder Surfbrettern befestigen können.

Doch dann folgte eine dicke Katerstimmung. Die Wachstumsdynamik wich aus dem Unternehmen wie die Luft aus einem Ballon und die Anleger ließen die Papiere fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel. Vor wenigen Tagen war die Aktie sogar für 10 Dollar zu haben, bevor eine deutliche Gegenbewegung einsetzte.

Was ist passiert? Wie reagiert die Konzernführung auf die Herausforderungen? Wie hat sich die Bewertung der Firma entwickelt?

Probleme eines Ein-Produkt-Unternehmens

Was lange Zeit gut ging, kommt jetzt wie ein Boomerang auf das Unternehmen zurück. Jahreslang vertraute der US-Technologiekonzern auf seine treue Kultgemeinde, die Ihnen gierig die Actionkameras aus den Händen riss. Mit dem Börsengang sammelte GoPro über 400 Millionen Dollar ein.

Die Erlöse sprangen regelrecht von 234 Millionen Dollar in 2011 auf 1,39 Milliarden Dollar in 2014. Unterm Strich verbesserten die Gewinne um mehr als das Vierfache auf zuletzt 128 Millionen Dollar.

Dabei erzielten die Amis ihre Umsätze nahezu komplett mit den hochpreisigen Actionkameras. Doch der Erfolg rief immer mehr Nachahmer an den Start. So beginnen die Actionkameras des chinesischen Konkurrenten Xiaomi bereits bei 70 Dollar pro Stück.

Für Sie zum Vergleich: GoPro verlangte für sein neustes Modell 399 Dollar. Erst als die Verkäufe im Weihnachtsgeschäft nicht wie erwartet ausfielen, senkte der Konzern den Preis radikal um die Hälfte auf 199 Dollar.

Zusätzlich spürten die Hersteller eine zunehmende Marktsättigung. Ersatzgeschäft ist bei den Kameras so gut wie gar nicht vorhanden. Stabil und robust sind die Knipser oft jahrelang bei den Nutzern im Einsatz.

Wachstum lässt spürbar nach

Rückläufige Wachstumsraten kommen bei Anlegern bekanntlich nicht sonderlich gut an. Insbesondere wenn die Firmen hoch bewertet sind. Die ungute Kombination gab es bei Gopro.

Bei einem Börsenwert von knapp 10 Milliarden Dollar (8-facher Umsatz) darf eben nichts schief gehen. Aber in 2015 wächst der Konzern nur noch mit 15%. Das ist den Investoren nicht genug. Im Vorjahr lagen die Zuwächse noch bei 41%, in 2013 sogar bei 87%.

Karma-Drohne hebt bald ab

Gopro muss reagieren und hat neben einem Restrukturierungsprogramm (7% der Mitarbeiter müssen gehen) auch neue Produkte angekündigt. So wird in den nächsten Monaten die Karma-Drohne auf den Markt gebracht. Zugleich wurde eine Partnerschaft mit Twitter bekannt gegeben.

Mit der Periscope App des Konzerns können künftig Live Videos von Gopro-Kameras oder auch Gopro-Drohnen übertragen werden. Auch der Wechsel zwischen Smartphone-Kamera und Gopro-Produkten in Bruchteilen von einer Sekunde ist möglich. Das könnte zusätzliche Kunden bringen. Immerhin hat Periscope gut 10 Millionen Nutzer.

Bewertung hat sich deutlich verbessert

Trotz der nachlassenden Wachstumsdynamik ist die Gopro-Aktie heute deutlich günstiger bewertet als in den vergangenen Monaten. Analysten rechnen für das kommende Jahr mit einem Gewinn je Aktie von 0,65 Dollar.

Damit ergibt sich Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18. Zu Hochzeiten lag dies noch bei knapp 100. Ob allerdings die Diversifikation des Produktportfolios gelingt und sich GoPro auf dem ebenfalls hart umkämpften Markt für Drohnen etablieren kann, muss sich erst noch zeigen.

2. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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