GoPro-Aktie: Kamera-Hersteller mit Radikalschnitt nach Horrorjahr

Was ist nur aus dem einstigen Highflyer GoPro geworden?

Sie erinnern sich vielleicht noch an den gigantischen Siegeszug, den der kalifornische Hersteller von Actionkameras vor wenigen Jahren hingelegt hat:

Der kometenhafte Aufstieg trieb den Börsenwert des Konzern im Hoch auf über 10 Mrd. Dollar, bevor der rapide Absturz zu einer Erosion beim Aktienkurs führte.

Firmengründer Nick Woodman schaffte ein Kultobjekt

Dabei war der Start durchaus vielversprechend.

Denn aus der Not heraus entwickelte Firmengründer und Großaktionär Nick Woodman vor 14 Jahren die Kameras, nachdem er für spektakuläre Aufnahmen vom Surfen nur mangelhafte Amateurtechnik am Markt vorfand.

Er sah eine Marktlücke für preislich akzeptable Kameras, die auch Amateuren hochwertige Aufnahmen bei sportlicher Aktivität ermöglichen und gründete aus dieser Idee heraus das Unternehmen GoPro.

Der Rest ist Geschichte. Schnell entwickelten sich die Actionkameras zum Kultobjekt und die Absätze gingen durch die Decke: Von 2011 – 2015 explodierten die Erlöse regelrecht von 234 Mio. auf 1,62 Mrd. Dollar.

Die Probleme eines Ein-Produkt-Konzerns

Dann aber trafen Firmenchef Woodman die Probleme eines Ein-Produkt-Unternehmens mit voller Wucht.

Denn der immer schärfer werdende Wettbewerb ließ die Gewinnmarge regelrecht zusammenschmelzen (von 10,51% in 2011 auf 2,23% in 2015).

Der Kult-Konzern versuchte gegenzusteuern und setzte auf den Netzwerk-Effekt, um seine Kunden an sich zu binden; über Communities sollten die Videos geteilt und neue Kundengruppen erschlossen werden.

Ausflug in die Welt der Drohnen entpuppt sich als Desaster

Zugleich versuchte GoPro mit der Karma-Drohne in den beliebten, aber nicht weniger wettbewerbsintensiven Markt für unbemannte Flugobjekte einzusteigen – mit mehr als mäßigem Erfolg.

Denn der Verkaufsstart verlief alles andere als reibungslos:

Da die Drohne bei einigen Kunden unvermittelt abstürzte, musste GoPro eine Rückruf-Aktion aller bislang verkauften Drohnen (2.500 Stück) anordnen.

Dabei erstattete GoPro den Käufern nicht nur den Kaufpreis, sondern entschädigte diese auch mit einer Hero 5 Black Kamera im Wert von rund 429 €.

4 Verlust-Quartale in Folge

Das Ergebnis ist erschreckend:

Bei stark rückläufigen Umsätzen schrieb GoPro zuletzt das 4. Quartal in Folge Verluste. Alleine im vergangenen Vierteljahr verbrannte das Technologie-Unternehmen 104 Mio. Dollar.

Zwar rechnet der Konzern damit, das mit einem starken Weihnachts-Quartal doch noch der Sprung in die Gewinnzone gelingt, aber das dürfte ambitioniert sein.

Firmenchef zieht die Notbremse

Unterdessen will der Kamera-Hersteller auf die Kostenbremse treten:

  • Insgesamt will sich die Firma von 200 Mitarbeitern – und damit von 15% der gesamten Belegschaft – trennen.
  • Zugleich werden bereits ausgeschriebene Stellen wieder storniert.
  • Auch die Pläne, mit der Unterhaltungs-Abteilung in den Medienmarkt einzusteigen, werden wieder begraben.

Prognose wird zurechtgestutzt

Nachdem auch der Verkaufsstart des neusten Kameramodells Hero5 ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, sah sich Firmenchef Woodman kürzlich gezwungen, die Prognose für das 4. Quartal herunterzuschrauben.

Für das Gesamtjahr peilt der Technologie-Konzern jetzt Erlöse von 1,25 – 1,3 Mrd. Dollar (vorher: 1,5 Mrd. Dollar) an.

Mit den angekündigten Restrukturierungs-Maßnahmen sollen im nächsten Jahr 650 Mio. Dollar eingespart werden.

Ob dies ausreicht, um den Aktienkurs nachhaltig zu stabilisieren, wird sich noch zeigen müssen.

Das alte Kurshoch von fast 94 Dollar ist mittlerweile jedenfalls in schier unerreichbare Ferne gerückt. (aktueller Kurs: 9,70 Dollar).

6. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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