GoPro-Aktie: Kameraspezialist gelingt Rückkehr in die Gewinnzone

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Kameraspezialist GoPro gelingt die Rückkehr in die Gewinnzone. Neue Produkte sorgen für Comeback des ehemaligen Shootingstars. (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Die Zitterpartie für Anleger des Kameraherstellers GoPro geht in die nächste Runde. Zwar gelang mit neuen Produkten wieder die Rückkehr in die Gewinnzone im Weihnachtsquartal, aber von den Erfolgen der Vergangenheit ist der Konzern weiterhin Lichtjahre entfernt. Auch der Aktienkurs gibt nur wenig Anlass zur Freude. Trotz der positiven Kursreaktion nach Vorlage der Geschäftszahlen notieren die Papiere mit 5,32% beinahe 95% unter ihrem Rekordhoch, das in 2014 kurz nach dem Börsengang erreicht wurde.

Führender Hersteller von Actionkameras

Der US-Konzern startete als reiner Kamerahersteller und bracht im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera (Hero 35mm) auf den Markt. Das Besondere: Die Kameras waren vor allem bei Extremsportlern beliebt. Sie wurden Helmen, Mountainbikes oder Kayaks montiert und lieferten spektakuläre, bis dahin nie dagewesene Aufnahmen in hoher Qualität. GoPro kreierte als „First Mover“ einen komplett neuen Absatzmarkt.

Mittlerweile umfasst das Produktsortiment des Unternehmens neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone.

Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel. Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie andere Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Vom Shooting-Star zum Problemfall

Mit seiner Positionierung ritt der Konzern zunächst auf einer regelrechten Erfolgswelle. Von 2011 bis 2015 explodierten die Umsätze von 234 Millionen auf 1,62 Milliarden Dollar. Zu Hochzeiten erwirtschaftete GoPro eine knapp zweistellige Gewinnmarge. Doch dann setzte dem Unternehmen zunehmender Wettbewerb und sinkende Preise zu. Die Umsätze schmolzen um knapp 30% zusammen und GoPro rutschte tief in die Verlustzone. Versuche über einen Ausflug ins Drohnengeschäft auf die Erfolgsspur zurückzukommen, verliefen erfolglos.

Licht am Ende des Tunnels

Doch nach einer langen Durststrecke gibt es jetzt erstmals wieder Licht am Ende des Tunnels. Mit seinen neu auf den Markt gebrachten Hero7-Kameras gelang es dem Konzern nämlich, seinen Umsatzschwund zu stoppen. Das Top-Modell der Reihe sticht unter anderem mit einer effizienten Bildstabilisierung hervor, die gerade Sportlern zugutekommt.

GoPro setzt darauf, dass die neue Technologie auch viele Besitzer älterer Kameras der Firma zum Umstieg auf das neue Modell veranlasst. Bislang offenbar mit Erfolg. Im wichtigen Weihnachtsquartal erzielte GoPro sogar wieder einen Umsatzzuwachs von 13% auf 377,4 Millionen Dollar.

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Für Sie zum Vergleich: In den vorangegangenen Quartalen musste der Kameraspezialist noch zweistellige Rückgänge verkraften. Dabei war der Marktanteil durchaus beeindruckend. Laut Firmenangaben war GoPro für 87% aller verkauften Action-Kameras und 97% der damit erzielten Umsätze zuständig.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn in Höhe von 31,7 Millionen Dollar hängen (Vorjahresquartal: -56 Millionen Dollar). Im gesamten Jahr 2018 verharrte GoPro noch in der Verlustzone. Mit 109 Millionen Dollar verbrannte der Technologiekonzern aber weniger Geld als im Vorjahr (183 Millionen Dollar).

Abo-Geschäft soll laufende Erträge liefern

Unterdessen setzt GoPro auch auf den Ausbau des Abo-Geschäfts. Für eine Monatsgebühr erhalten Kunden Online-Speicherplatz und Rabatt beim Kauf von Zubehör. Mittlerweile zählt der Konzern in diesem Bereich fast 200.000 Kunden. Damit erzielte GoPro alleine im vergangenen Quartal eine Steigerung um 50% zum Vorjahreszeitraum.

Massive Entlassungen sollen Gewinn bescheren

Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich Firmenboss Woodman zuversichtlich. Er peilt bei einem Umsatzwachstum von 5-8% wieder Gewinne auf Gesamtjahresbasis an. Dazu sollen vor allem massive Kostensenkungen beitragen. GoPro will seine Betriebskosten auf unter 400 Millionen Dollar drücken – vor allem durch Einsparungen beim Personal. Sie müssen wissen: Ende 2016 beschäftigte GoPro 1.552 Mitarbeiter. Ende 2017: 1.273 Mitarbeiter – momentan sind es nur noch 841 Mitarbeiter.

Fazit: Auch wenn die Ergebnisse über den Erwartungen lagen, aus der Krise ist GoPro noch lange nicht raus. Positiv ist, dass sich der Konzern wieder auf seine Kernkompetenzen und seine spitze Zielgruppe (Extremsportler) fokussiert. Auch die Ausweitung der Abo-Dienste mit planbaren Umsätzen macht Sinn.

Dennoch bleibt GoPro ein Nischenplayer in einem brutal umkämpften Markt, in dem sich das Unternehmen gegen günstige Kamerahersteller aus China und Smartphonefirmen behaupten muss. Die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit sind passe, ein Großteil der Sparmaßnahmen ausgereizt. Wenn jetzt nicht die Wachstumsraten erreicht werden, kann GoPro nur noch auf eine Übernahme hoffen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.