GoPro-Aktie: Satz mit X

Aktie setzt Sinkflug weiter fort. Stellenabbau im Drohnensegment. Analysten erwarten Gewinnsprung im kommenden Jahr (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Das Jahr 2017 können die GoPro-Anleger getrost abhaken. Mit einem Kursminus von 13% hinkte der Pionier für Actionkameras und ehemalige Liebling der Anleger dem breiten Aktienmarkt um Längen hinterher. Immerhin konnte der Nasdaq-Index im gleichen Zeitraum um 28% an Wert zulegen.

Auch im langfristigen Vergleich kann die Aktie nicht mithalten. Seit sich der Kurs nach dem Börsengang im Jahr 2015 auf 93 Dollar nahezu vervierfacht hat, traten die Papiere ihren Rückwärtsgang an. Mittlerweile steht die Aktie bei 7,57 Dollar und handelt damit 92% unter ihrem damaligen Höchststand und 68% unter ihrem Ausgabekurs zum Börsengang.

Was waren die Gründe für den Kursverfall? Wie steht es um die Zukunft des Konzerns? Was sagen die Analysten jetzt zur Aktie?

GoPro – wie alles begann

Die Firmengeschichte von GoPro liest wie eine Erfolgsgeschichte aus dem Bilderbuch. Firmengründer Nick Woodman, 1975 geboren, wächst in Kalifornien auf und ist schon an der Highschool leidenschaftlicher Surfer. Nach der Gründung von zwei erfolglosen Startups gründet er den Kamerahersteller GoPro. Dabei wollte er mit seiner Firmenidee vor allem sein persönliches Problem lösen – Woodman wollte eine gute Kamera, um seine eigenen Wellenritte zu filmen.

Da es keine geeigneten wasserfesten Kameras auf dem Markt gab, entwickelte er selbst ein Modell und brachte im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera („Hero 35mm“) auf den Markt. Die Produkte fanden reißenden Absatz. Schließlich boten die auf den Helmen und anderen Stellen angebrachten Kameras bisher nie dagewesene Aufnahmen von extremen Sprüngen, Tauchgängen und vielen anderen besonders spannenden Aktivitäten.

Beeindruckende Wachstumsgeschichte

Mit dem durchschlagenden Erfolg hatten aber wohl die wenigsten gerechnet. Schnell etablierten sich die Kameras vor allem im Actionsportbereich. Nicht nur Extremsportler, sondern auch immer mehr ambitionierte Hobbysportler filmten sich bei ihren Sporterlebnissen und stellten die Aufnahmen ins Internet. Eine regelrechte GoPro-Community entstand.

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Auch die Geschäftsentwicklung ging durch die Decke. Von 2011 bis 2015 explodierten die Umsätze von 234 Millionen Dollar auf 1,62 Milliarden Dollar. Allerdings schwankte die Gewinnmarge stark. Der höchste Gewinn (128 Millionen Dollar) wurde im Jahr 2014 erzielt. Ein Jahr später waren es nur noch 36 Millionen Dollar (2,23%).

Tal der Tränen folgt

Dem Höhenflug folgte allerdings ein langes Tal der Tränen. Denn GoPro traf das typische Schicksal vieler Ein-Produkt-Firmen. Eine zunehmende Marktsättigung in Kombination mit Preisdruck durch einen stärker werdenden Wettbewerb brachten den US-Konzern mächtig unter Druck.

So krachten in 2016 die Umsätze um 26% in den Keller und es türmte sich ein Jahresverlust von 419 Millionen Dollar auf. Doch Woodman schaute nicht tatenlos zu. Mit dem Eintritt in den Markt für Drohnen wollte er das Unternehmen breiter aufstellen. Darüber hinaus wollte sich GoPro als Anbieter von Videoinhalten positionieren.

Weihnachtsquartal von hoher Bedeutung

Jetzt blicken alle Anleger auf den Verlauf des wichtigen letzten Quartals des Jahres. Zwar war das dritte Quartal mit einem Umsatz von 330 Millionen Dollar besser als erwartet und es gelang mit einem Gewinn von 15 Cent je Aktie wieder der Sprung in die Gewinnzone. Mit seinen jüngsten Schätzungen zum Weihnachtsquartal hatte der Konzern aber die Expertenschätzungen meilenweit verfehlt. Mit 480 Millionen Dollar Umsatz im vierten Quartal lag GoPro deutlich unter den 521 Millionen Dollar, die von den Analysten im Schnitt erwartet wurden.

Aktie am Boden und für eine Überraschung gut

Gerade hat GoPro bekanntgegeben in der Drohnensparte 200 bis 300 Jobs im Rahmen seines Restrukturierungsprogramms zu streichen. Sie müssen wissen: Bereits im vergangenen Jahr hat die Firma gemeldet, dass sie 15% ihrer Mitarbeiter vor die Tür setzen wird. Dies dürfte zumindest die hohe Kostenbasis entlasten. So rechnen die Analysten mit einem Gewinnsprung von 5 Cent je Aktie auf 43 Cent je Anteilsschein in 2018. Nach dem starken Kursverfall liegt das durchschnittliche Kursziel der Experten mit 10,61 Dollar rund 40% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.