GoPro-Aktie: Strauchelnder Actionkamerahersteller nach Übernahmegerüchten gesucht

GoPro: Aktie des Actionkameraspezialisten nach Übernahmegerüchten gesucht. Xiaomi wird Interesse nachgesagt. Operativ weiter schwieriges Fahrwasser (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Die Geduld der GoPro-Anleger wurde in den vergangenen Jahren auf eine harte Probe gestellt. Von den Höchstkursen bei über 90 Dollar ist die Aktie des US-Technologiekonzerns mittlerweile Lichtjahre entfernt. Vor wenigen Tagen notierten die Papiere mit 4,40 Dollar noch auf dem tiefsten Niveau seit dem Börsengang. Doch seither geht es aufwärts (aktuell 5,30 Dollar). Dafür sind aber nicht etwa operative Erfolgsmeldungen Ausschlag gebend. Vielmehr sorgten aufkeimende Übernahmegerüchte für Rückenwind in der Aktie.

GoPro im Portrait

GoPro wurde unter dem Namen Woodman Labs Inc. vom Surfer Nicholas Woodman im Jahr 2004 gegründet. Ziel war es, Kameras zu entwickeln, die für sportliche Aktivitäten zum Selbstfilmen geeignet sind. Im gleichen Jahr wurde unter dem Namen Hero 35 mm eine 35-mm-Filmkamera präsentiert. Die ersten Digitalkameras vom Unternehmen erschienen im Jahr 2006. Im März 2011 übernahm GoPro den Videocodec-Spezialisten CineForm.

Der Auftragsproduzent Foxconn International sicherte sich im Jahr 2012 für 200 Millionen Dollar 8% an GoPro. Im Februar 2014 wurde der Unternehmensname in GoPro Inc. geändert, eine Abkürzung von „Go Professional“. Der Börsengang von GoPro erfolgte im Juni 2014 an der US-amerikanischen Börse Nasdaq.

Alles rund um die Kamera

Das Produktsortiment des Unternehmens umfasst neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone. Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel.

Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie anderes Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Der Aufstieg und Fall des Ein-Produkt-Unternehmens

Mit seiner Positionierung schrieb GoPro eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Immerhin explodierten die Umsätze regelrecht von 234 Millionen Dollar im Jahr 2011 bis auf 1,62 Milliarden Dollar in 2015. Den höchsten Gewinn erzielte GoPro in 2013, als der Konzern mit 128 Millionen Profit eine Gewinnspanne von 9,19% erreichte.

Doch seither geht es bergab. Eine Marktsättigung, verstärkte Konkurrenz und ein kostspieliger Ausflug in das Drohnengeschäft sorgten für kräftigen Gegenwind. In den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren schrieb der Konzern sogar Verluste. Trotz eines Jahresumsatzes von zuletzt 1,8 Milliarden Dollar schaffte es GoPro nicht in die Gewinnzone (2017: -183 Millionen Dollar).

GoPro stellt sich selbst zum Verkauf

Der komplette Drohnenbereich ist mittlerweile wieder eingestampft und ein Großteil der Belegschaft entlassen worden. GoPro besinnt sich wieder auf seine Wurzeln und versucht sich wieder auf das Geschäft mit Actionkameras zu fokussieren. Unterdessen wurde die Investmentbank JP Morgan beauftragt, einen Käufer für den gesamten Konzern zu finden.

Lange war es ruhig und der Eindruck machte sich breit, dass es keine Nachfrage nach dem Konzern gibt. Das könnte sich jetzt ändern. Gerüchten zufolge hat der chinesische IT-Konzern Xiaomi ein Auge auf GoPro geworfen. Die Chinesen haben bereits bestätigt, Interesse zu haben.

Insider spekulieren über Marktwert von 1 Milliarde Dollar

Über einen möglichen Kaufpreis wurde bislang wenig bekannt. Branchenexperten spekulieren, dass GoPro einen Preis von 1 Milliarde Dollar aufrufen könnte. Der aktuelle Marktwert liegt bei knapp 600 Millionen Dollar. Xiaomi gilt aber als ausgesprochen preissensibel. Der Drohnen Weltmarktführer DJII aus China hat ebenfalls einen Blick in die Bücher geworfen, aber kein Gebot abgegeben.

Spekuliert wird auch darüber, was Xiaomi mit GoPro vorhaben könnte. Von der Preisstrategie passen die beiden Konzern eher schlecht zusammen. Xiaomi ist für preisgünstige Produkte und GoPro für hochpreisige Kameras bekannt. Es ist zu erwarten, dass die Marke und die Technologien in die Xiaomi Kamera-Serie integriert werden. Die Aktie dürfte sich weiterhin extrem volatil verhalten. Der Cocktail aus operativen Problemen und immer wieder aufkeimenden Übernahmegerüchten lässt die Aktie vorerst nicht zur Ruhe kommen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.