GoPro-Aktie: Warum Anleger trotz rückläufiger Geschäfte die Aktie abfeiern

GoPro-Aktie: Warum die Anleger die Aktie trotz Verlusten abfeiern (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Auch wenn eine Firma Umsatzwachstum und steigende Gewinne zeigt, bedeutet dies nicht zwangsläufig dass auch der Aktienkurs steigen muss. Ebenso wenig muss es bei rückläufigen Geschäften zu einem Kurseinbruch kommen. Viel entscheidender ist es, dass die Unternehmen mit den vorgelegten Zahlen die Erwartungen der Analysten übertreffen können und somit positiv überraschen. Genau dieses Phänomen konnten Sie gerade bei den GoPro-Papieren beobachten. Der strauchelnde Marktführer für Actionkameras versucht mittlerweile seit geraumer Zeit, den Weg zurück auf den Wachstumspfad zu finden. Bislang vergeblich.

Weil es aber zuletzt nicht ganz so schlimm aussah wie erwartet, verzeichnete die Aktie nach Vorlage der jüngsten Quartalszahlen ein deutliches Kursplus von über 16% .Zwar liegen die Papiere damit Lichtjahre entfernt von ihrem Rekordhoch bei knapp 94 Dollar, aber eben auch ein gutes Stück über dem bisherigen Kurstief, dass im April bei 4,53 Dollar markiert wurde.

Am Anfang war alles gut

Die Firmengeschichte von GoPro liest wie eine Erfolgsgeschichte aus dem Bilderbuch. Firmengründer Nick Woodman, 1975 geboren, wächst in Kalifornien auf und ist schon an der Highschool leidenschaftlicher Surfer. Nach der Gründung von zwei erfolglosen Startups gründet er den Kamerahersteller GoPro. Dabei wollte er mit seiner Firmenidee vor allem sein persönliches Problem lösen – Woodman wollte eine gute Kamera, um seine eigenen Wellenritte zu filmen.

Da es keine geeigneten wasserfesten Kameras auf dem Markt gab, entwickelte er selbst ein Modell und brachte im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera („Hero 35mm“) auf den Markt. Die Produkte fanden reißenden Absatz. Schließlich boten die auf den Helmen und anderen Stellen angebrachten Kameras bisher nie dagewesene Aufnahmen von extremen Sprüngen, Tauchgängen und vielen anderen besonders spannenden Aktivitäten.

Gefährliche Abhängigkeit

Danach schrieb Firmenboss Woodman zuerst eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Immerhin explodierten die Umsätze regelrecht von 234 Millionen Dollar im Jahr 2011 bis auf 1,62 Milliarden Dollar in 2015. Den höchsten Gewinn erzielte GoPro in 2013, als der Konzern mit 128 Millionen Profit eine Gewinnspanne von 9,19% erreichte.

Doch seither geht es bergab. Eine Marktsättigung, verstärkte Konkurrenz und ein kostspieliger Ausflug in das Drohnengeschäft sorgten für kräftigen Gegenwind. GoPro litt unter der Abhängigkeit von nur einem Produkt. In den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren schrieb der Konzern sogar Verluste. Trotz eines Jahresumsatzes von zuletzt 1,8 Milliarden Dollar schaffte es GoPro nicht in die Gewinnzone (2017: -183 Millionen Dollar).

GoPro findet bislang keinen Käufer

Aus der Not heraus stellte sich der Kameraspezialist dann selbst ins Schaufenster. Branchenexperten taxierten einen möglichen Verkaufspreis der Firma auf rund 1 Milliarde Dollar. Spekuliert wurde viel. Sowohl Xiaomi wie auch der Drohnenhersteller DJII haben einen Blick in die Bücher geworfen. Zu einem Angebot konnte sich aber bislang kein möglicher Bieter durchringen.

Hoffnungsschimmer im zweiten Quartal

Unterdessen geht die Geduldsprobe für die Anleger weiter. Einen Lichtblick gab es vor wenigen Tagen als der Konzern seine Quartalsergebnisse präsentierte. Zwar sanken die Umsätze weiter um 5% auf 283 Millionen Dollar, lagen damit aber über den Erwartungen (263,6 Millionen Dollar). Begründet wurde das bessere Ergebnis mit dem strategischen Schritt in den Markt für günstigere Kameras einzusteigen.

Zuvor kostete das Top-Modell Hero bis zu 700 Dollar. Seit einiger Zeit bietet der Konzern aber auch Einsteigerkameras ab 199 Dollar an. Bislang blieb der von Analysten befürchtete Kannibalisierungseffekt aus. Unter dem Strich stand allerdings weiterhin ein Verlust von 37,27 Millionen Dollar.

Firmenchef zeigt sich optimistisch

Für den weiteren Jahresverlauf ist Firmenchef Woodman zuversichtlich. Im dritten Quartal erwartet er einen Umsatz von 260 bis 280 Millionen Dollar, im Schlussquartal sollen es dann zwischen 380 und 400 Millionen Dollar werden.

Die Margen sollen sich parallel dazu wieder verbessern. Einen ersten Schritt hat der Konzern mit seinem massiven Arbeitsplatzabbau bereits getan. Immerhin wurde die Belegschaft um satte 20% gekürzt. Ob das reicht nachhaltig in die Gewinnzone zu kommen und den Aktienkurs wieder in die Spur zu schieben, dürfte sich erst im weiteren Jahresverlauf zeigen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.