GoPro: Anleger des Actionkameraherstellers weiterhin im Wechselbad der Gefühle

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

GoPro: Aktie des Kameraherstellers im freien Fall. Nach oben geschraubte Prognose wird von den Anleger komplett ignoriert. Zunehmende Konkurrenz und Preisdruck sorgen für negative Stimmungslage. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Anleger trauen dem Braten nicht. Trotz der gerade angehobenen Umsatzprognose rutschte die Aktie des Kameraspezialisten zuletzt deutlich in den Keller. Bei einem Minus von 12,7% am Freitag markierten die Papiere ein neues Jahrestief. Dollar. Damit ist die Aktie Lichtjahre von ihrem Rekordhoch (-95%) von knapp 94 Dollar aus dem Jahr 2015 entfernt.

Wie ist die Lage des Einproduktunternehmens einzuschätzen? Schafft GoPro die operative Wende? Wie schätzen Analysten die zukünftige Entwicklung ein?

Führender Hersteller von Actionkameras

Der US-Konzern startete als reiner Kamerahersteller und bracht im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera (Hero 35mm) auf den Markt. Das Besondere: Die Kameras waren vor allem bei Extremsportlern beliebt. Sie wurden Helmen, Mountainbikes oder Kayaks montiert und lieferten spektakuläre, bis dahin nie dagewesene Aufnahmen in hoher Qualität. GoPro kreierte als „First Mover“ einen komplett neuen Absatzmarkt.

Mittlerweile umfasst das Produktsortiment des Unternehmens neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone.

Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel. Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie andere Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Vom Shooting-Star zum Problemfall

Mit seiner Positionierung ritt der Konzern zunächst auf einer regelrechten Erfolgswelle. Von 2011 bis 2015 explodierten die Umsätze von 234 Millionen auf 1,62 Milliarden Dollar. Zu Hochzeiten erwirtschaftete GoPro eine knapp zweistellige Gewinnmarge. Doch dann änderte sich die Situation schlagartig. Zwar hatte GoPro mit seinen Extremsportkameras einen komplett neuen Markt erschaffen, doch der Konzern wurde Opfer seines eigenen Erfolgs. Die Rivalen strömten in den Markt und drehten mit günstigeren Produkten kräftig an der Preisschraube. Zugleich sorgte der Siegeszug der Handykameras, die sich im Laufe der Zeit deutlich verbesserten, für zusätzlichen Gegenwind.

Die Umsätze schmolzen um knapp 30% zusammen und GoPro rutschte tief in die Verlustzone. Versuche über einen Ausflug ins Drohnengeschäft auf die Erfolgsspur zurückzukommen, verliefen erfolglos.

Abwärtsdynamik verlangsamt sich

Doch Optimisten sehen die Trendwende bereits bevorstehen. Immerhin hat sich die Abwärtsdynamik nicht beschleunigt. Stand in 2016 noch ein Umsatzrückgang von 27% in den Büchern, stagnierten die Erlöse in 2017 und gingen in 2018 „nur“ um 3% in den Keller.

Wieder Wachstum in 2019

Im laufenden Geschäftsjahr konnte GoPro sogar wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Nach einem Umsatzplus von 20% im ersten Quartal im Startquartal, kletterten die Erlöse im zweiten Quartal um 3% auf 292 Millionen Dollar. GoPro führte dieses Wachstum hauptsächlich auf die steigende Nachfrage nach der HERO7 Black-Kamera (die 90 % des Umsatzes erzielte), höhere durchschnittliche Verkaufspreise, jährliche Marktanteilszulagen auf dem US-Action-Kameramarkt und ein robustes Wachstum in Asien zurück. Die Zahl der GoPro-Plus-Abonnenten stieg ebenfalls um 50 % im Jahr auf 252.000.

Auf bereinigter Basis (NON-GAAP, wenn Elemente wie aktienbasierte Vergütungen und Restrukturierungsaufwendungen herausgerechnet werden) erwirtschaftete GoPro sogar wieder einen Nettogewinn von 4 Millionen Dollar beziehungsweise 3 Cent je Aktie. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahresquartal fiel noch ein Verlust von 20,8 Millionen Dollar respektive 15 Cent je Anteilschein an.

GoPro schraubt Prognose nach oben

Nach den Quartalszahlen passte der Finanzvorstand Brian McGee seine Jahresprognose nach oben an. Statt einem Umsatzplus von 7 bis 10% rechnet McGee nun mit einem Wachstum von 9 bis 12%. Zugleich erhöhte er den Mittelpunkt seiner bereinigten Gewinnprognose um 14% auf 40 Cent pro Aktie. GoPro war zuvor von einem Ergebnis von 35 Cent bis 45 Cent pro Aktie ausgegangen.

Analysten weiter skeptisch

Unterdessen zeigen sich die Analysten weiter skeptisch. Von sechs Experten, die sich mit der Aktie befassen, rät nur ein Banker zum Kauf der Papiere. Die große Mehrheit (4 Analysten) sieht in dem Titel eine Halteposition, während ein Experte zum Verkauf der Papiere rät. Trotz allem liegt das durchschnittliche Preisziel der Analysten mit 7,10 Dollar deutlich über dem aktuellen Kursniveau von 4,39 Dollar.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rene König. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz