GoPro: Gehe zurück auf Los – Das Zittern der Anleger geht nach der Gewinnwarnung in die nächste Runde

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GoPro: Wie gewonnen so zerronnen. Gewinnwarnung lässt Aktie in die Tiefe rauschen. Produktionsprobleme führen zu unerwartetem Gegenwind (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Böse Erinnerungen werden bei den Anlegern wach. Nachdem der Kameraspezialist GoPro im zweiten Quartal wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt war und sich der Aktienkurs wieder stabilisiert hatte (03 September bis 01. Oktober +50%) folgt jetzt der nächste Schock. Die Prognose für den weiteren Jahresverlauf wird wegen Produktionsproblemen wieder einmal reduziert. Bei den Anlegern löste die Meldung ein Deja vu aus und ließ die Aktie kräftig um mehr als 20% in den Keller rauschen.

Führender Hersteller von Actionkameras

Bevor ich auf die jüngste Gewinnwarnung eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen erst einmal näher vorstellen. Der US-Konzern startete als reiner Kamerahersteller und bracht im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera (Hero 35mm) auf den Markt. Das Besondere: Die Kameras waren vor allem bei Extremsportlern beliebt. Sie wurden Helmen, Mountainbikes oder Kayaks montiert und lieferten spektakuläre, bis dahin nie dagewesene Aufnahmen in hoher Qualität. GoPro kreierte als „First Mover“ einen komplett neuen Absatzmarkt.

Mittlerweile umfasst das Produktsortiment des Unternehmens neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone.

Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel. Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie andere Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Produktionsprobleme sorgen für miese Stimmung

Gerade erst vor wenigen Tagen stellte der US-Konzern zwei neue Kameras seinem gespannten Publikum vor. Doch vor allem Produktionsprobleme bei den neuen Hero 8 Black-Modellen sorgen jetzt für schlechte Stimmung. Die Lieferungen werden sich aus dem dritten Quartal in das vierte Quartal verzögern – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zahlen. Firmenboss schätzt, dass die Umsatzverschiebung etwa 30 Millionen Dollar oder 100.000 Einheiten betragen wird.

Woodman fügte hinzu, dass die Produktionsverzögerungen nichts mit der Entscheidung des Unternehmens zu tun hatten, einen Teil seiner US-Produktion von China nach Mexiko zu verlagern. GoPro hatte bereits in den letzten Jahren Produktionsprobleme, die zu Lieferverzögerungen bei seinen Vorzeigeprodukten führten. Im Jahr 2016 rief das Unternehmen sein erstes Drohnenprodukt zurück, weil einige der Einheiten während des Fluges an Leistung verloren. Sie hat den Drohnenmarkt 2018 verlassen.

Planung wird nach unten geschraubt

Entsprechend der neuen Prognose erwartet GoPro für das zweite Halbjahr jetzt einen Umsatz zwischen 680 und 715 Millionen Dollar, was einer Steigerung von 6% bis 9% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zuvor hatte sie ein Wachstum von 9% bis 12% prognostiziert. Zugleich senkte GoPro senkte auch seine Prognose für den bereinigten Gewinn auf 33 Cent bis 39 Cent pro Aktie. Für Sie zum Vergleich: Bislang war der Konzern noch von 37 Cent bis 49 Cent pro Aktie ausgegangen.

Back to the roots – hochpreisige Kameras im Fokus

Trotz des unerwarteten Rückschlags zeigt sich der Kameraspezialist zuversichtlich. Mit seinen in dieser Woche angekündigten neuen Produkten, darunter die Hero8 Black, will der US-Konzern wieder Boden gut machen. Die neue Kamera kommt für 399 Dollar auf den Markt. Es wird auch verschiedene modulare Zubehörteile geben, sogenannte Mods, die zur Erweiterung der Funktionalität an GoPro-Kameras angebracht werden können. Die Mods liegen im Preisbereich von 49,99 bis 79,99 Dollar.

Die neuen Produkte sind auf die High-End-Konsumenten von GoPro ausgerichtet, so Woodman. Das Unternehmen hat gelernt, dass es die beste Rendite erzielt, wenn es am oberen Ende investiert und mehr Leistungsfähigkeit in seine Produkte bringen kann.

Ob das dem Aktienkurs aber nachhaltig auf die Sprünge helfen kann, wird sich erst noch zeigen. Ein erster Schritt wäre eine schnelle Rückkehr in die Gewinnzone, auf die die Aktionäre bereits länger warten müssen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.