GoPro: Hohe Verluste können Erholungsbewegung nicht stoppen

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GoPro-Aktie setzt Höhenflug trotz Horrorquartal weiter fort: Ausgesetzte Prognose lässt Anleger im Nebel tappen (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Dass die Virus-Krise auch am Pionier für Actionkameras nicht spurlos vorbeigehen würde, war zu erwarten. Doch die vorgelegten Zahlen dürften dann doch einige überrascht haben. Die Prognosen der Analysten wurden meilenweit verfehlt. Trotzdem brachte der Cocktail aus einem drastischen Umsatzeinbruch und einem ausgeweiteten Verlust die GoPro-Aktie nicht unter Druck. Ganz im Gegenteil: Mit einem Plus von über 2% am Freitag setzten die Papiere ihre Aufwärtsbewegung weiter fort. Seit dem Kurstief im März hat die Aktie inzwischen wieder über 70% an Wert zugelegt.

Führender Hersteller von Actionkameras

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen erst einmal näher vorstellen. Der US-Konzern startete als reiner Kamerahersteller und bracht im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera (Hero 35mm) auf den Markt. Das Besondere: Die Kameras waren vor allem bei Extremsportlern beliebt. Sie wurden Helmen, Mountainbikes oder Kayaks montiert und lieferten spektakuläre, bis dahin nie dagewesene Aufnahmen in hoher Qualität. GoPro kreierte als „First Mover“ einen komplett neuen Absatzmarkt.

Mittlerweile umfasst das Produktsortiment des Unternehmens neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone.

Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel. Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie andere Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Corona-Virus sorgt für drastische Einschläge im ersten Quartal

Im Jahresauftaktquartal musste GoPro massive Rückgänge hinnehmen. Der Umsatz schmolz immerhin um 50,8% auf nur noch 119,4 Millionen Dollar zusammen. Für Sie zum Vergleich: Ursprünglich waren die Analysten von einer marginalen Steigerung auf 244 Millionen Dollar ausgegangen. Ein ähnlich dramatisches Bild zeigt sich bei der Gewinnentwicklung. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 63,53 Millionen Dollar an und damit deutlich mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (24,37 Millionen Dollar).

GoPro reduziert Belegschaft um 20%…..

Bei der schwachen Entwicklung handelt es sich übrigens um keine Eintagsfliege. Schon seit Längerem kämpft der Hersteller von Actionkameras gegen aufkommende Konkurrenz und sinkende Preise. Entsprechend rigide greift die Konzernführung jetzt durch und versucht das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Insgesamt sollen 200 Mitarbeiter und damit 20% der kompletten Belegschaft auf die Straße gesetzt werden.

…..und stellt auf Direktvertrieb um

Zudem sollen die Kameras zukünftig direkt an Verbraucher vermarktet und verkauft werden. Geplant ist, das bisherige Vertriebsmodell über zahlreiche Partnerseiten und Ladengeschäfte verstärkt auf Direktvertrieb über die eigene Webseite GoPro.com umzustellen. Einzelhandelsgeschäfte sollen für den Vertrieb nur noch in ausgewählten Regionen zum Einsatz kommen.

Der Hintergrund liegt auf der Hand: Mit den Maßnahmen sollen vor allem die Kosten gesenkt und die Marge verbessert werden. Allein in 2020 sieht die Konzernführung ein Einsparpotenzial von 100 Millionen Dollar. Im kommenden Jahr sollen bereits 250 Millionen Dollar eingespart werden.

Fokus auf wiederkehrenden Einnahmen

Zudem will GoPro seinen kostenpflichtigen Dienst GoPro Plus weiter ausbauen, um den Anteil wiederkehrender Einnahmen zu erhöhen. Im Rahmen des Abos erhalten Kunden Speicherplatz in der Cloud, speziellen Reparaturservice oder auch bestimmte Rabatte auf Zubehörteile. Ende des ersten Quartals zählte der Abo-Dienst GoPro Plus mehr als 355.000 aktive zahlende Nutzer, ein Wachstum um 69% zum Vorjahreszeitraum respektive 14% zum Vorquartal. Ob das allerdings ausreicht, um die Firma wieder auf den Wachstumspfad zu bringen, ist fraglich. Die Jahresprognose hat Finanzchef Brian McGee vorerst ausgesetzt. Anleger müssen also auch in den nächsten Monaten mit einem hohen Maß an Unsicherheit zurechtkommen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.