GoPro: Kamerahersteller überrascht Anleger mit saftigem Gewinnsprung

GoPro Kamera – Boiarkina Marina shu

Der Kameraspezialist GoPro schafft die Trendwende: Der Fokus auf das Direktgeschäft und Abo-Einnahmen sorgen für einen Gewinnsprung. (Foto: Boiarkina Marina / Shutterstock.com)

Damit hatten wohl die wenigsten gerechnet: Mit Vorlage der Quartalszahlen zog der GoPro-Kurs um 20% an. Damit haben sich die Papiere seit dem März-Tief um 300% verteuert. Kämpfte der US-Konzern in den zurückliegenden Quartalen noch mit Preisdruck und Nachfrageschwäche, konnte GoPro dieses Mal mit einer Trendwende glänzen. Der Gewinnsprung weckt bei den Anlegern die Hoffnung, dass es nun endlich wieder nachhaltig aufwärts gehen könnte.

Führender Hersteller von Actionkameras

Bevor ich auf die aktuellen Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen erst einmal näher vorstellen. Der US-Konzern startete als reiner Kamerahersteller und bracht im Jahr 2004 die erste GoPro-Kamera (Hero 35mm) auf den Markt. Das Besondere: Die Kameras waren vor allem bei Extremsportlern beliebt. Sie wurden Helmen, Mountainbikes oder Kayaks montiert und lieferten spektakuläre, bis dahin nie dagewesene Aufnahmen in hoher Qualität. GoPro kreierte als „First Mover“ einen komplett neuen Absatzmarkt.

Mittlerweile umfasst das Produktsortiment des Unternehmens neben Kameras auch entsprechendes Zubehör, das teilweise unter dem Label BacPac vertrieben wird. Hierzu zählen Produkte wie Ersatzbatterien, Ladegeräte, Kabel, Beschlagschutzmittel, Rettungsschwimmkörper, Tauchfilter, Video-Transmitter und Mikrofone.

Für den Bereich Bergsteigen offeriert GoPro beispielsweise auch Helme, Führungsrollen, Sturzbügel. Haltegriffe, Dreifuß-Halterungen, Handgelenkschutz und Brustgurte sowie andere Accessoires. Softwarelösungen wie GoPro Studio, das Nutzern ein Tool zum Bearbeiten von Videos bereitstellt, die mit GoPro-Kameras gemacht worden sind, runden das Produktsortiment ab.

Umstellung des Geschäftsmodells beginnt zu greifen

Die vergangenen Quartale verharrte GoPro in der Verlustzone und ließ als Konsequenz den Rotstift kreiseln. Im April kündigte das Management an, 20% der kompletten Belegschaft auf die Straße zu setzen. Zudem stellte der Kameraspezialist sein Geschäftsmodell um: Mehr Umsatz über den Direktverkauf über die eigene Homepage (nicht mehr über Zwischenhändler), neue Kameramodelle und eine Ausweitung des Abo-Modells machen sich mittlerweile deutlich positiv bemerkbar.

Über das Abo-Modell erhalten Kunden unbegrenzten Speicherplatz in der Cloud für Ihre Kameraaufnahmen und Preisnachlässe für Ersatzteile. Inzwischen nutzen 501.000 Kunden die Dienstleistungen gegen monatliche Zahlung – ein Plus von 65% zum vergleichbaren Vorjahresquartal.

GoPro endlich wieder in der Gewinnzone

Die Summe der Maßnahmen machte sich im vergangenen Quartal bezahlt: Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Dreimonatszeitraum um 114% auf 281 Millionen Dollar in die Höhe. Unter dem Strich blieb ein schmaler Gewinn von gut 3 Millionen Dollar oder 20 Cents pro Aktie ohne Sonderposten hängen. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr schrieb Gopro noch ein Verlust von rund 75 Millionen Dollar. Mit dem Ergebnis lag Gopro deutlich über den Prognosen der Marktbeobachter. Die Analysten gingen im Durchschnitt von einem Umsatz in Höhe von 233 Millionen und einem Gewinn von 6 Cents pro Aktie aus.

Firmenboss Nicholas Woodman begründet die Trendwende mit dem anziehenden Direktgeschäft, dem neuen Abonnement-Modell und einer Senkung der operativen Kosten.

Insgesamt wurden 81 Millionen Dollar (+37% zum Vorjahr) und damit 28% der Gesamtumsätze durch Verkäufe über die eigene Homepage erwirtschaftet. Dort winken höhere Margen als beim Verkauf über Zwischenhändler. Insgesamt wurden mehr als 950.000 Kameras verkauft. Kameras mit einem Verkaufswert von mehr als 300 Dollar machten 83% des gesamten Konzernumsatzes aus. Das ist deutlich mehr als vor zwei Jahren als lediglich 40% des Geschäfts mit hochpreisigen Kameras erzielt wurden.

Fazit

Das neue Kameramodell GoPro 9 schlug ein wie eine Bombe und bescherte dem US-Konzern zuletzt kräftigen Rückenwind. Zudem beginnt die Umstellung des Geschäftsmodells mit dem Fokus auf Direktvertrieb und wiederkehrenden Einnahmen durch das Abo-Modell langsam zu greifen. Ob der Erfolg nachhaltig ist, wird sich hingegen erst noch zeigen müssen. Skeptiker verweisen darauf, dass eine Schwalbe noch lange keinen Sommer macht. Einen Hoffnungsschimmer liefern die erfreulich ausgefallen Geschäftszahlen aber allemal.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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