Grammer Aktie auf Richtungssuche

Der gefürchtete Investor Hastor ist bei Grammer ausgestiegen. Nun heißt es Durchatmen – und auf einen Kursanstieg der Grammer Aktie hoffen. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der Deal ist unter Dach und Fach: Der bayerische Autozulieferer Grammer gehört nun dem bedeutend kleineren chinesischen Wettbewerber Ningbo Jifeng.

Beide Firmen hatten bereits seit 2012 eng zusammengearbeitet, 25 Prozent der Grammer-Anteile waren zudem schon im Besitz der Chinesen. Anders als bei anderen Übernahmen deutscher mittelständischer Unternehmen durch Investoren aus dem Reich der Mitte stieß dieser Zusammenschluss jedoch nicht auf Kritik, sondern auf Wohlwollen – und zwar bezeichnenderweise von allen Seiten.

Grammer-Übernahme in trockenen Tüchern

Management, Politik, Arbeitnehmervertretung und Aktionäre waren einverstanden bis erfreut über den Deal – denn es hätte schlimmer kommen können. Die bosnische Investorenfamilie Hastor, die bislang mit rund 20 Prozent an Grammer beteiligt war, hatte im vergangenen Jahr eine feindliche Übernahme versucht und war damit gescheitert.

Nun stand Hastor der Offerte aus China ablehnend gegenüber, hielt das Angebot für zu niedrig und lieferte sich einen Machtkampf, doch letztendlich zog man sich nun zurück. Zur Begründung hieß es, man investiere lieber in Unternehmen, bei denen die „Möglichkeit zur unternehmerischen Gestaltung“ gegeben sei.

Kurzum: Als aktivistischer Investor wollte Hastor Einfluss nehmen auf die Geschäftsführung bei Grammer. Das wollte man in Amberg in der Oberpfalz um jeden Preis verhindern – und ersuchte gewissermaßen den chinesischen Partner um Schützenhilfe. Die Bayern baten gewissermaßen um eine Übernahme durch Ningbo Jifeng, um Hastor abzuwehren.

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Grammer Aktie: Hastor verabschiedet sich

Das ist nun gelungen, zur Zufriedenheit der meisten Beteiligten, immerhin gaben die Chinesen bereitwillig Arbeitsplatzgarantien für die Grammer-Belegschaft auf mehrere Jahre, zudem wollen sie an der Börsennotierung, Eigenständigkeit und dem Management festhalten.

Hastor hat unterdessen einen Großteil seiner Anteile abgestoßen. Die Grammer Aktie, die im Zuge des chinesischen Übernahmeangebots Ende Mai in die Höhe geschnellt war, hat sich zwischenzeitlich konsolidiert und bewegt sich seit mittlerweile sechs Wochen weitgehend seitwärts um die 60-Euro-Marke.

Etwa zwei Drittel der Anteile gehören nun Ningbo Jifeng. Analysten stuften das Kurspotenzial der Grammer Aktie zuletzt eher verhalten ein: Experten der Baader Bank und von Warburg Research rieten zum Halten des Papiers und setzten das Kursziel mit 60 Euro in etwa beim aktuellen Kursniveau an.

Kursziel angehoben

Analysten der Oddo Seydler Bank hingegen werteten den Ausstieg der Investorenfamilie Hastor positiv und stuften die Grammer Aktie in der Folge von „neutral“ auf „buy“ hoch. Das Kursziel wurde zugleich von 58 auf 71 Euro angehoben. Neben einer steigenden Profitabilität verweist die Studie auf möglicherweise wieder praller gefüllte Auftragsbücher durch Bestellungen von Autoherstellern, die sich zuletzt zurückgehalten hätten aufgrund negativer Erfahrungen mit Unternehmen, an denen die Familie Hastor beteiligt war.

Die Bilanz für das abgelaufene zweite Quartal stuften die Analysten als solide ein, die Zukunftsperspektiven als tendenziell positiv.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.