Grammer-Aktie: Automobil-Zulieferer mit bestem Ergebnis der Firmengeschichte

Langweilig wird es an der Börse bekanntermaßen ja nie. Besonders spannend ist es aber derzeit bei der Grammer-Aktie.

Denn mitten in einem spannenden Kampf um die Kontrolle des deutschen Automobil-Zulieferers hat der Konzern seine Bücher geöffnet und sein Zahlenwerk präsentiert.

Kurzum: Die Zahlen waren ausgesprochen gut. Die Aktie kletterte wieder in die Nähe Ihres bisherigen Allzeithochs.

Grammer – führender Nischen-Player

Bevor ich auf die Zahlen und eine mögliche feindliche Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen den Grammer-Konzern näher vorstellen.

Die Firma hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen spezialisiert:

  • für die PKW-Innenausstattung
  • sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, LKW, Busse und Bahnen.

Durch permanente Weiterentwicklung der Produkte und internationale Expansion hat sich Grammer eine bedeutende Marktposition erarbeitet.

Im Bereich der Sitzsysteme für Landmaschinen liegt der Marktanteil mit 70 – 90% in Europa und Südamerika besonders hoch.

Aber auch bei Kopfstützen (>30%), Armlehnen (20%) und der Mittelkonsolen (5 – 10%) hat sich Grammer eine exzellente Stellung geschaffen.

Gewinne erreichen Rekordhoch

Auch die Geschäfts-Entwicklung zeigte zuletzt wieder in die richtige Richtung. Den Umsatz konnte der SDAX-Konzern nach vorläufigen Zahlen um 19% auf 1,69 Mrd. € verbessern.

Rückenwind gab es dabei v. a. durch die dynamische Entwicklung im Bereich der Mittelkonsolen für die Automobil-Industrie.

Zugleich machten sich die eingeleiteten Kosten-Senkungen positiv bemerkbar.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte entsprechend auf 72 Mio. € und erreichte damit einen Zuwachs von immerhin 70%.

Damit erzielte Grammer eine Vorsteuer-Gewinnmarge von 4,3% und somit eine Verbesserung von 1,3% im Vergleich zum Vorjahr.

Hierzu dürften aber auch positive Effekte aus der Reum-Übernahme, wegfallende Einmalkosten und Restrukturierungs-Gewinne beigetragen haben.

Kontrollkampf geht in die nächste Runde

Neben den Rekordzahlen muss sich die Konzern-Führung aber im Moment mit ganz anderen Themen herumschlagen.

Denn im Moment tobt ein ausgesprochen intensiver Kampf um die Kontrolle bei dem Automobil-Zulieferer.

Langsam wird es ungemütlich, denn 2 Investoren-Gruppen wollen 5 der 6 Aufsichtsräte der Aktionärs-Seite durch ihre eigenen Vertrauensleute ersetzen.

Zudem wollen sie Grammer-Chef Hartmut Müller ablösen.

Konkret geht es die bosnische Investoren-Familie Hastor mit dem Investment-Vehikel Cascade International Investment GmbH und der Halog GmbH.

Dahinter stecken die Brüder Kenan und Damir Hastor, die Söhne des bosnischen Geschäftsmanns Ninjaz Hastor.

Über die beiden Vehikel halten sie mittlerweile knapp über 20% an dem Grammer-Konzern.

Das mit den beiden Brüdern, denen auch die Unternehmens-Gruppe Prevent gehört, nicht zu Spaßen ist, steht spätestens seit vergangenem Sommer fest:

Ausgerechnet mit dem großen Volkswagen-Konzern legte sie sich an.

Prevent verhängte einen Lieferstopp seines Sitzbezug-Herstellers Car Trim, worauf in Wolfsburg Bänder still standen.

Auch mit Daimler streitet sich Prevent wegen der Lieferung von Sitzbezügen vor Gericht.

Sperr-Minorität in Sichtweite

Das sich die Familie nicht mit dem 20%-Anteil zufrieden gibt, wird immer deutlicher.

Beim Bundeskartellamt haben Cascade und Halog schon mal vorsorglich den gemeinsamen Kontrollerwerb der Grammer AG angemeldet.

Unterdessen mehren sich auch die kritischen Stimmen von Grammer-Kunden, denen die ruppigen Methoden des Prevent-Konzerns ein Dorn im Auge sind.

Der Aktie hat die Kombination aus der Geschäfts-Entwicklung mit einem Schuss ordentlicher Übernahme-Phantasie jedenfalls nicht geschadet.

Auf 12-Monats-Sicht haben sich die Papiere im Wert verdoppelt.

10. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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