Grammer-Aktie: Autozulieferer nach Gewinn-Warnung im Sinkflug

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Der Auftrags-Eingang und die operative Marge des Automobil-Zulieferers Grammer liegen derzeit deutlich unter Plan, wie Sie hier sehen: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Wie gewonnen, so zerronnen…

Nach der Gewinn-Warnung am vergangenen Freitag hat die Grammer-Aktie einen Großteil ihrer massiven Kursgewinne der letzten Wochen wieder abgeben müssen.

Nach dem 14%igen Kursrutsch stehen die Papiere seit Jahresbeginn wieder auf der Null-Linie.

Im gleichen Zeitraum konnte der MDAX, also der deutsche Index für Nebenwerte, um mehr als 16% an Wert zulegen.

Was sind die Gründe für den Kursrutsch? Wie steht es um die mittelfristigen Perspektiven des Autozulieferers? Wie schätzen die Analysten die Zukunft der Firma ein?

Grammer im Porträt

Bevor ich auf die eben beschriebenen Punkte eingehe, möchte ich Ihnen Grammer näher vorstellen:

Der Amberger Konzern hat sich spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung…

  • …von Komponenten und Systemen für die PKW-Innenausstattung
  • …sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, LKW, Busse und Bahnen.

In Europa gehört das Unternehmen zu den Marktführern im Bereich der Herstellung von Offroad-Sitzsystemen.

In den Wachstumsmärkten Asien und auf dem amerikanischen Kontinent arbeitet die Gesellschaft an der Etablierung des Portfolios.

Zu den Kunden gehören neben Automobil- und Fahrzeug-Herstellern unterschiedlicher Branchen auch Reparatur-Werkstätten oder Großhändler, die über ein direktes Vertriebsnetz beliefert werden.

Jahresziele werden zusammengestrichen

Dabei sind der Unmut der Anleger und der Kursrutsch durchaus nachvollziehbar, denn die Zurückhaltung von Premium-Herstellern und ausbleibende Folge-Aufträge haben tiefe Spuren hinterlassen:

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Grammer: Der Retter aus China greift zuDie Italien-Krise belastet die Märkte, aber ein deutscher Autozulieferer konnte heute doch noch sein Übernahme-Ziel erreichen. › mehr lesen

Offenbar haben sich die Kunden im Zuge der geplanten, aber gescheiterten Übernahme durch die umstrittene Hastor-Familie von Grammer distanziert.

Daran konnte auch die von dem Autozulieferer verstärkten Vertriebs-Bemühungen nicht viel ändern. Die negativen Auswirkungen auf den Umsatz liegen bei immerhin 80 Mio. €.

Auch das operative Ergebnis (Ebit) leidet unter der Auftragsflaute:

Wegen Sonderkosten in Höhe von 10 Mio. € rechnet die Konzernführung jetzt „nur“ noch mit einer Rendite von 4%. Zuvor war das Unternehmen noch von 5% ausgegangen.

Mittelfrist-Prognose bleibt unverändert

Trotz der Belastungen zeigt sich das Management zuversichtlich und geht davon aus, dass es sich lediglich um einen temporären Effekt handelt.

An den mittelfristigen Zielen hält Grammer also fest. Bis 2021 will der Amberger Konzern seinen Umsatz auf über 2,2 Mrd. € steigern und eine Ebit-Marge von über 7% erzielen.

Für Sie zum Vergleich: Zuletzt erzielte die Gesellschaft bei einem Jahres-Umsatz von 1,69 Mrd. € eine Ebit-Marge von 4,3%.

Analysten erwarten Gewinnsprung im nächsten Jahr

Unterdessen sind die Analysten optimistisch:

Nach einem Gewinn-Rückgang auf 3,71 € pro Aktie in diesem Jahr gehen die Experten davon aus, dass der Profit je Anteilsschein in 2018 auf 4,88 € ansteigt.

In 2019 rechnen die Experten dann sogar mit einem Gewinn je Aktie von 5,19 €. Damit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten 2018er-Gewinne momentan bei 10.

Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 59 € knapp 20% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.