Grammer Aktie: Hastor hält chinesisches Angebot für zu niedrig

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Das Gezerre im Machtkampf bei Grammer hat gerade erst begonnen. Die Aktie notiert bereits über dem chinesischen Angebot. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Als heißbegehrt könnte man dieser Tage den bayerischen Autozulieferer Grammer bezeichnen. Gleich zwei ausländische Großaktionäre streiten aktuell darum, wer die Macht übernimmt. Das Auffällige daran: Die Chinesen sind die Guten, jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung.

Normalerweise gab es in den vergangenen Jahren immer großen Alarm, wenn chinesische Investoren deutsche Firmen aufkauften. Es wurde gestreikt und gepoltert, Betriebsräte bangten um Arbeitsplätze, Manager flehten in Berlin um Beistand der Bundesregierung, die sich denn auch das ein oder andere Mal tatsächlich einschaltete.

Skepsis gegenüber chinesischen Investoren

Kein Wunder, denn bei den chinesischen Investments in deutsche und europäische Industriefirmen geht es um nichts weniger als die Frage, wer in Zukunft marktführend sein wird in wesentlichen Technologiesparten. Zu denken ist etwa an Robotik oder autonomes Fahren. „Made in China 2025“ heißt eine offizielle Strategie der Pekinger Regierung, die das Reich der Mitte endgültig zum großen Player in der Weltwirtschaft machen soll.

In Europa fürchtet man, ins Hintertreffen zu geraten. Immer öfter warnen nun auch Politiker vor einem Ausverkauf des westlichen Know-hows nach Fernost. In Berlin, Paris und Brüssel wird eifrig daran gefeilt, chinesische Investitionen in Europa zu erschweren.

Doch spätestens seit auf der anderen Seite der Welt Donald Trump das Sagen hat und mit seiner protektionistischen Haltung auf Konfrontationskurs zu Europa geht, erscheint China als wichtiger Handelspartner plötzlich attraktiver als zuvor.

Stift Kurse Geld – shutterstock_458336038 William Potter

Grammer: Aktie markiert nach starken Zahlen neues AllzeithochAutomobilzulieferer auf der Überholspur › mehr lesen

Grammer hofft auf Hilfe aus China

Im speziellen Fall von Grammer liegt das positive Image der chinesischen Investoren jedoch vor allem an deren Gegenspieler. Die bosnische Investorenfamilie Hastor, die mit zwei Beteiligungsfirmen knapp 20 Prozent der Anteile an Grammer hält, hat wenig Freunde in der deutschen Automobilindustrie.

Zum Hastor-Imperium gehört etwa die Prevent-Gruppe, die sich beispielsweise mit Volkswagen und Daimler bereits größere Auseinandersetzungen geliefert hat. Um höhere Preise durchzusetzen, schreckte Prevent auch vor einem Lieferstopp nicht zurück, der vor wenigen Jahren die Bänder bei VW mehrere Tage stillstehen ließ.

Grammer ist gut aufgestellt in der hiesigen Automobilindustrie und erhält als Fertiger von Kopf- und Armstützen etliche Aufträge von namhaften Herstellern. Doch mit der Familie Hastor unter den Eigentümern ist der Stand schwieriger geworden, zumal die Bosnier ihre Macht selbst vor einem Jahr kräftig ausbauen wollten. Damals holte sich das Grammer-Management die Chinesen ins Boot. Ningbo Jifeng hält seither gut 25 Prozent an Grammer – und legte nun ein Übernahmeangebot vor in Höhe von 61,25 Euro je Aktie.

Grammer Aktie schießt nach oben

Das entspricht zwar einem Aufschlag von 19 Prozent auf den vorherigen Börsenkurs, erscheint der Familie Hastor jedoch als zu gering. Sie fordern mindestens 85 Euro je Aktie, halten aber eigentlich eher 100 Euro für angemessen.

Die Grammer Aktie jedenfalls schoss in den vergangenen Tagen kometenhaft in die Höhe und hat mit gut 66 Euro zum Wochenende hin schon jetzt den Wert des Angebots überschritten. Denkbar, dass Hastor für sich selbst zumindest noch ein gutes Geschäft rausholen will, wenn schon die eigene Machtübernahme scheitert. Von einem höheren Angebot könnten denn auch die übrigen Anteilseigner noch profitieren.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.