Grammer – Autositze für die Oberklasse

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Die Pkw-Zulieferindustrie jammert, sie und ihre Kunden leiden unter der europäischen Absatzkrise. Premiumherstellern wie Grammer hingegen geht es glänzend. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die europäischen Pkw-Bauer jammern über schlechte Absatzzahlen, insbesondere die französischen Massenhersteller PSA Peugeot und Renault leiden unter der Kaufverweigerung der südeuropäischen Kunden im Klein- und Mittelklassesegment.

Kein Geschäft für die Autohäuser und Hersteller, kein Geschäft für die Zulieferer, so die einfache  Formel der Wirtschaft. Anders, genauer gesagt besser, haben es die deutschen und amerikanischen Autobauer gemacht. Sie bieten neben Klein- und Mittelklasse-Pkw auch Wagen der Ober- und Luxusklasse an, die der Krise zum Trotz vor allem im asiatischen und nord-amerikanischen Raum in der Gunst der Kunden stehen.

Mit Sog der Erfolgen von GM, Mercedes, Porsche und Audi schwimmen auch deren Zulieferer mit, hier hebt sich insbesondere die Grammer AG aus dem fränkischen Amberg hervor. Denn mit den Produkten der Oberklassehersteller sind auch die Sitze und Konsolen der Oberpfälzer gefragt.

Autositze für China, Lkw-Sitze für Brasilien

Dass die anhaltende Flaute in Europa dem Unternehmen nichts anhaben kann, zeigen eindrucksvoll die heute Morgen veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal. Der Umsatz stieg im Vergleich zur Vorperiode um knapp +10%, zwischen Juli und September kletterte das operative Ergebnis (Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern) sogar um +20%.

Kein Wunder, dass sich Firmenchef Hartmut Müller mit dem Ergebnis zufrieden zeigte. Er sieht sein Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten in den USA, Südamerika, China und Japan  gut aufgestellt.

Auch die zweigleisige Ausrichtung auf das Pkw-Innenausstattungsgeschäft auf der einen Seite und als Sitzzulieferer der Lkw-, Bus-, Bahn- und Nutzfahrzeughersteller macht sich bemerkbar. Hier kommen Synergieeffekte zu tragen,  nicht selten sind die Pkw-Hersteller auch in den anderen Bereichen (Beispiele Mercedes-Lkw und -Busse) tätig.

Insbesondere im Nutzfahrzeugbereich,. und hier besonders in Nord- und Südamerika (Brasilien), sieht Müller für die kommenden Monate erhebliches Umsatzpotential. Nach seiner Meinung kommt hier neben dem Lkw-Markt vor allem der Offroad-Markt, also der Markt für Land- und Baumaschinen deutlich in Schwung. Wenn dem so ist, werden auch die Hightech-Multifunktions-Sitze  von Grammer gefragt sein und für wachsende Erträge sorgen.

Aktienkurs steigt um +32% innerhalb von vier Wochen

Auf die guten Zukunftsperspektiven hat die Börse schon kräftig Vorschusslorbeeren verteilt, der Aktienkurs stieg alleine in den letzten vier Wochen um +32%. Eine satte Performance, die die Spekulanten belohnte, die in Erwartung guter Geschäftszahlen frühzeitig auf den Aktie-Zug aufsprangen.

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Unterbewertete Aktie: Grammer bietet attraktive GewinnchanceAusgelöst von der Dieselgate-Affäre von Volkswagen gerieten in den vergangenen zwei Monaten die deutschen Automobil-Aktien deutlich unter Druck.  › mehr lesen

Bevor der eine oder andere sich nun fragt, warum die Point&Figure-Charttechnik nicht frühzeitig auf die Grammer-Aktie aufmerksam wurde, möchte ich Ihnen nachstehenden Point&Figure-Chart zeigen.

Grammer-Chart 11-11-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Sie sehen es am den sich abwechselnden X- und O-Säulen im Chart, der Kursanstieg der Grammer-Aktie verlief in diesem Jahr keineswegs reibungslos. Jedes neue Hoch (Spitze der X-Säule) wurde in den letzten Monaten immer wieder abverkauft, die jeweiligen O-Säulen signalisieren dies.

Aus Sicht des Point&Figure-Trading eine ungünstige Konstellation, steigt damit doch das Risiko, dass der Aktienkurs erneut die jeweilige Aufwärtstrendlinie, die sogenannte Bullish-Support-Linie, testet und erst dort über seine weitere Richtung entscheidet.

Und hier liegt bei Grammer der Hase im Pfeffer, diese Bullish-Support-Linie lag und liegt meilenweit vom aktuellen Aktienkurs entfernt. Wer hier nach den Regeln des Point&Figure-Trading einen Kauf tätigen wollte, musste mit den jeweiligen Point&Figure-Kaufsignalen (grüne Kreise) mit einer potentiellen Gewinnchance von +50% über das Setzen des notwendigen Stopps unterhalb der Bullish-Support-Linie auch ein -50%iges Verlustrisiko in Kauf nehmen.

Keine gesunden Chance-Risiko-Relationen wie ich meine. Und da ich als Point&Figure-Trader immer zuerst auf den Kapitalerhalt meines Depots bedacht bin, nehme ich von solchen Trades eher Abstand. Auch wenn ich, zugegebener Maßen, hier sehr ärgerlich eine Top-Jahres-Performance verpasst habe.

Aber wie heißt es so schön, der nächste Trade, die nächste Chance lauert schon.


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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.