Grammer: Der Retter aus China greift zu

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Die Italien-Krise belastet die Märkte, aber ein deutscher Autozulieferer konnte heute doch noch sein Übernahme-Ziel erreichen. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX musste heute 200 Punkte abgeben und entfernt sich wieder von der 13.000-Punkte-Marke. Auslöser der Kursabschläge war erneut die politische Krise in Italien.

Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella hat den angesehenen Ökonomen Carlo Cottarelli mit der Regierungsbildung beauftragt. Da Cottarelli als fähiger Experte gilt und auch bei den Bürgern mit einem Reformprogramm gut ankommen könnte, müssen die populistischen Parteien, die die jüngste Wahl in Italien gewonnen hatten, jetzt versuchen, diese neue Regierung zu verhindern oder möglichst schnell zu stürzen, damit der Frust bei den Wählern groß bleibt.

Je größer der Wähler-Frust, desto größer die Sieg-Chancen der populistischen Parteien bei einer Wahl noch im laufenden Jahr. Setzt sich dagegen eine erfolgreiche Reformpolitik durch, sinken die Chancen der extremen Kräfte. Die Aussicht, dass politische Kräfte versuchen, in Italien eine möglichst chaotische Lage zu erzeugen, verunsichert die Märkte.

Während in Italien der Machtkampf noch läuft, ist heute im deutschen Mittelstand eine Entscheidung im Machtkampf gefallen. Der deutsche Autozulieferer Grammer hat seinen Wunschpartner in China gefunden.

Grammer: Der Übernahmekampf

Fast genau vor einem Jahr schrieb ich Ihnen an dieser Stelle: Die morgige Hauptversammlung von Grammer verspricht eine der spannendsten Hauptversammlungen des Jahres zu werden…

Die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, die unter anderem hinter dem Autozulieferer Prevent steht, versucht derzeit, bei Grammer die Kontrolle zu übernehmen. So will die Familie Hastor beispielsweise Grammer-Chef Hartmut Müller stürzen und 5 bestehende Aufsichtsratsmitglieder durch der Familie Hastor nahestehende Personen ersetzen.

Das will Familie Hastor auf der morgigen Hauptversammlung des im SDax gelisteten Autozulieferers durchzudrücken. Die Familie Hastor kontrollierte zuletzt über ihre beiden Investmentvehikel Halog und Cascade gut 20% der Grammer-Anteile und rechnet sich daher gute Chancen auf eine Einflussnahme auf das operative Geschäft von Grammer aus.

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Das Grammer-Management wehrt sich seit Wochen gegen diese Pläne. Zur Unterstützung holte sich Grammer den chinesischen Investor Ningbo Jifeng ins Boot. Mit wachsendem Anteil des chinesischen Investors sinken die Chancen der Familie Hastor auf eine Kontrollübernahme bei Grammer.

Erst in der vergangenen Woche hatte Ningbo Jifeng seinen Anteil an Grammer von knapp 10 auf gut 12% aufgestockt und will zukünftig noch weiter aufstocken. Die Pläne der Kontrollübernahme durch die Unternehmerfamilie Hastor stoßen nicht nur bei dem Grammer-Management, Gewerkschaften, Belegschaft und Politik auf Gegenwind, sondern vor allem auch bei der Kundschaft von Grammer.

Chinesen setzen sich durch

Heute veröffentlichte Grammer etwas überraschend die Nachricht, dass der Machtkampf entschieden sei. Grammer und Ningbo Jifeng haben zusammen eine Investorenvereinbarung unterzeichnet.

Im Zuge dieser Vereinbarung wird eine vertiefte Kooperation besiegelt. Gleichzeitig haben die Chinesen angekündigt, den Grammer-Aktionären ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Pro Grammer-Aktie soll es 60 Euro geben und zusätzlich eine Dividende in Höhe von 1,25 Euro. Vereinbart wurde außerdem der Erhalt der Standorte und der Arbeitsplätze.

Da es eine freundliche Übernahme wird, ist mit einer breiten Zustimmung zu rechnen. Management und Arbeitnehmervertreter dürften mit dieser Lösung wesentlich besser leben können als mit dem Übernahme-Versuch durch die Familie Hastor.

Auch an der Börse wurde der Deal gefeiert: In einem schwachen Gesamtmarkt legte der Aktienkurs von Grammer um knapp 20% zu.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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