Grammer verbündet sich mit chinesischem Autozulieferer

Der deutsche Leitindex DAX hat heute einen „Ruhetag“ eingelegt und stagnierte bei gut 11.770 Punkten. Das bedeutet aber nicht, dass wir einen langweiligen Börsentag erlebt haben. In der zweiten Aktienreihe geht ein Übernahmekampf in die nächste Runde.

Vor rund 2 Wochen hat der im SDax notierte Automobil- und Nutzfahrzeugzulieferer Grammer eine Mitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass sich das Unternehmen gegen eine Einflussnahme in Vorstand und Aufsichtsrat durch die Familie Hastor wehrt.

Zum Hintergrund: In einer wenige Tage vor der Grammer-Meldung veröffentlichten Mitteilung der Cascade International Investment GmbH fordert diese die Einflussnahme auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und des Vorstands der Grammer AG. Strippenzieher bei Cascade ist die Familie des bosnischen Unternehmers Nijaz Hastor.

Grammer begibt Wandelanleihe

Nun hat Grammer die Ankündigung, sich gegen die Einflussnahme der Familie Hastor zu wehren, in die Tat umgesetzt. Aus einer heute veröffentlichten Mitteilung geht hervor, dass Grammer eine Pflichtwandelanleihe im Umfang von rund 60 Mio. Euro an den chinesischen Autozulieferer Ningbo Jifeng ausgegeben hat.

Die Papiere entsprechen rund 9,2% des Grundkapitals. Die Ausgabe sei ein wesentlicher Baustein für die Gründung einer künftigen strategischen Kooperation, hieß es seitens der Grammer AG. Grammer hatte bereits in der Nacht zum heutigen Dienstag entsprechende Gespräche bestätigt.

Mit diesem Schritt will sich Grammer gegen eine ungewollte Kontrollübernahme durch die Familie Hastor wappnen. Diese hält über mehrere Gesellschaften nach jüngsten Angaben über 20% der Grammer-Anteile. Gerüchten zufolge könnte die Familie Hastor ihren Anteil aber auch schon auf knapp 30% ausgebaut haben.

Automobilbranche begrüßt diesen Schritt

„Führende Automobilhersteller und Hauptkunden begrüßen ausdrücklich die geplante strategische Partnerschaft zwischen Grammer und Ningbo Jifeng. Beide Unternehmen sind langjährige und verlässliche Partner der Automobilindustrie“, hieß es in der heutigen Mitteilung von Grammer.

Ganz anders stehen die Kunden von Grammer zu dem Vorhaben der Familie Hastor, Änderungen in Vorstand und Aufsichtsrat bei Grammer vorzunehmen und so den Einfluss auf das Unternehmen zu vergrößern. Die Familie Hastor ist in der deutschen Automobilbranche spätestens seit den Machtspielchen mit VW im vergangenen Jahr äußert umstritten.

Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr sorgten die beiden Zulieferer Car Trim und ES Autoguss für einen zwischenzeitlichen Produktionsstopp bei dem Automobilriesen VW. Beide Zulieferer gehören zum Umfeld des bosnischen Zulieferers Prevent, der wiederum im Besitz von Familie Hastor ist.

Es bleibt spannend

Es bleibt also spannend im Streit zwischen der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor und dem deutschen Zulieferer Grammer. Für die nächsten Schlagzeilen in dieser Sache dürfte spätestens die Grammer-Hauptversammlung am 24. Mai dieses Jahres sorgen.

„Die Präsenz auf Grammer-Hauptversammlungen liegt gewöhnlich so um die 45%“, sagte Grammer-Chef Hartmut Müller. Deshalb sei nicht auszuschließen, „dass diese Investoren auf der Hauptversammlung die Mehrheit erreichen können“. Dann sei jedoch damit zu rechnen, dass Kunden von Grammer abspringen.

Ich rechne weiterhin damit, dass die Familie Hastor die Grammer AG früher oder später mehrheitlich übernehmen will. Wie groß die Erfolgsaussichten sind, lässt sich jedoch angesichts des Gegenwinds durch das Grammer-Management, wichtige Grammer-Kunden, Grammer-Mitarbeiter und Gewerkschaften aktuell nur sehr schwer abschätzen.

Auf dem aktuellen Kursniveau ist die Grammer-Aktie aus meiner Sicht fundamental fair bewertet.

14. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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