Grammer: Warum die feindliche Übernahme immer noch nicht vom Tisch ist

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Deutscher Automobil-Zulieferer Grammer vs. bosnische Unternehmer-Familie Hastor: Konzern mit dem 1:0 im Kampf gegen umstrittenen Investor. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Seit 1/2 Jahr tobt ein erbitterter Streit um die Macht bei dem oberpfälzischen Automobil-Zulieferer Grammer

Seitdem ist klar, dass die bosnisch-deutsche Hastor-Familie maßgeblichen Einfluss erhalten will, um dann ein besseres Management einzusetzen und dann die Rendite nach oben zu schrauben.

Auf viel Gegenliebe ist der Angriffs-Versuch weder bei Grammer noch bei Kunden gestoßen.

Diese hatten ernsthafte Sorge, dass mit dem aggressiven Eigentümer im Rücken ordentlich Druck auf Geschäftspartner ausgeübt werden würde.

Immerhin hatte die Unternehmer-Familie bereits 23% aller Anteile eingesammelt.

Und sie hat gehofft auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch endlich die Macht im Konzern übernehmen zu können.

Trotz guter Chancen verloren

Dabei standen die Chancen für eine mögliche Machtübernahme gar nicht einmal schlecht.

Bei der Aktionärs-Versammlung von Grammer war die Anwesenheits-Quote in der Vergangenheit nämlich ausgesprochen gering.

Da aber die Medien so massiv über den Angriff berichteten, waren diesmal knapp 60% aller Anleger-Stimmen vertreten.

Daher blitzten die Hastor-Brüder mit ihren Anträgen auf eine Neubesetzung der Firma deutlich ab.

Die Aktionäre entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat mit großer Mehrheit und lehnten es ab Müller und seinen Kollegen das Vertrauen zu entziehen.

Grammer – Spezialist für den Auto-Innenraum

Grammer aus Amberg in der Oberpfalz hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-Fahrzeuge, LKW, Busse und Bahnen spezialisiert.

In Europa gehört das Unternehmen zu den Marktführern im Bereich der Herstellung von Offroad-Sitzsystemen.

Aber auch bei den Oberklasse-Fahrzeug-Herstellern hat Grammer durchaus beachtliche Marktanteile:

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Grammer: Autozulieferer mit starken ZahlenGrammer: Nach knapp 100% Kursplus in den vergangenen 7 Monaten dürfte der Aufwärtstrend noch nicht vorbei sein. › mehr lesen

  • Kopfstütze: >30%,
  • Armlehnen: 20%,
  • Mittelkonsole: 5 – 10%.

Deutliches Umsatz-Plus im 1. Quartal

Der Jahresstart dürfte den Frust der bestehenden Aktionäre in Grenzen gehalten haben.

Denn mit 458 Mio. € erwirtschaftete der Automobil-Zulieferer immerhin 7,5% mehr Umsatz als im Vorjahres-Quartal.

Auch bei den Margen sah es durchaus erfreulich aus:

Der Vorsteuer-Gewinn (EBIT) kletterte nämlich um beeindruckende 52% auf 22,5 Mio. €. Somit lag die Vorsteuer-Marge bei 4,9%.

Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr erzielte Grammer gerade einmal eine Marge von 3,5%.

Der Konzern begründete die positive Entwicklung mit reduzierten Kosten und verbesserten Prozessen. Der Umsatz im Segment Automotive stieg auf 335,5 Mio. € (+6,1%).

Insbesondere in Amerika und Asien verzeichnete Grammer deutlichen Rückenwind. Bei den Nutzfahrzeug-Sitzen betrug die Steigerung der Erlöse sogar 9,8% auf 134 Mio. €.

Ausblick bestätigt

Auch für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich die Konzernführung zuletzt ausgesprochen zuversichtlich:

Bei einem Jahres-Umsatz von mind. 1,75 Mrd. € peilt Grammer eine Vorsteuer-Marge von rund 5% an.

Ruhe dürfte dennoch so schnell nicht einkehren

Es dürfte also weiter spannend blieben, denn eines ist klar:

Die Hastor-Familie hält weiterhin einen bedeutenden Anteil der Aktien und wird sich so schnell mit der Situation nicht zufrieden geben.

Die Forderung nach mehr Rendite wird schnell wieder auf den Tisch kommen. Für die Konzernführung dürfte also der errungene Etappensieg nur eine kleine Atempause darstellen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.