Grandvision: Optik-Einzelhändler gerät ins Visier von Übernahmespekulanten

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GrandVision-Aktie: Konsolidierung in der Brillenbranche spitzt sich weiter zu. Übernahmegerüchte heizen Kurs der niederländischen Optikerkette an. Kolportierter Übernahmepreis von über 7 Milliarden Euro könnte gesamte Branche durcheinanderwirbeln. (Foto: Yvautas Kielaitis / shutterstock.com)

Die Gerüchteküche brodelt. Um satte 20% schossen die Papiere des niederländischen Optik-Einzelhändlers Grandvision in den vergangenen Tagen in die Höhe. Angefeuert wurden die Spekulationen durch Aussagen des Grandvision Großaktionärs HAL (hält 76,7% aller Stimmrechte), der bestätigte, dass es Verkaufsgespräche mit dem Brillengiganten EssilorLuxottica laufen.

Wer hinter dem potenziellen Bieter steckt

Anfang 2017 gingen der weltgrößte Brillenhersteller Luxottica , der unter anderem die Marke Ray-Ban und Oakley sowie Gestelle für Luxusmarken wie Armani, Chanel oder Prada produziert, und der französische Brillenglas-Spezialist Essilor zusammen. Die Fusion des italienischen Brillenherstellers Luxottica und des französischen Brillengläserproduzenten Essilor war eine der größten grenzüberschreitenden Fusionen in Europa der letzten Jahre.

Das neue Unternehmen hat einen jährlichen Umsatz von mehr als 15 Milliarden Euro sowie 140.000 Angestellte in rund 150 Ländern. Luxottica hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Konkurrenten übernommen und seine Jahresproduktion auf 70 Mio. Brillen ausgeweitet.

Nächster großer Schluck aus der Pulle

Obwohl die Großfusion der beiden Brillengiganten noch nicht lange her ist, nimmt der Konzern offenbar mit GrandVision gleich das nächste Ziel ins Visier. Nach den bestätigten Übernahmegesprächen schoss die Aktie auf über 25 Euro nach oben. Angestrebt wird laut Insidern ein Kaufpreis von 28 Euro je Aktie. Das entspricht einem Firmenwert von knapp 7,2 Milliarden Euro.

GrandVision – Optikspezialist aus den Niederlanden

GrandVision beschreibt sich selbst als der führende globale Einzelhändler im Bereich der Optik. Die Gruppe adressiert in erster Linie den Massenmarkt mit qualitativ hochwertiger und bezahlbarer Augenpflege. Dazu gehören zahlreiche optische Produkte, einschließlich verschreibungspflichtiger Brillen (Rahmen und Gläser), Kontaktlinsen sowie Kontaktlinsen-Pflegemittel und Sonnenbrillen.

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In allen seinen Produktkategorien stützt sich GrandVision auf ein umfangreiches Portfolio an exklusiven Eigenmarken sowie bekannten Fremdmarken. Darüber hinaus bietet der Konzern Dienstleistungen auf den Gebieten Prüfung und Messung an, die von Optikern genutzt werden. GrandVision betreibt mehr als 7.200 Filialen in über 40 Ländern und ist auch mit einem Online-Angebot präsent.

Solide Wachstumsraten…..

In den zurückliegenden Jahren zeigten die Niederlande solide und stetige Zuwächse. Seit 2011 kletterten die Erlöse von 2,39 auf zuletzt 3,72 Milliarden Euro. Parallel dazu erhöhte sich der Nettogewinn um 120% auf 216 Millionen Euro. Die Gewinnmarge war aber zuletzt leicht rückläufig und erreichte mit 5,81% das niedrigste Niveau der vergangenen drei Jahre (2016: 6,98%; 2017: 6,61%).

…..auch durch gezielte Übernahmen

Zu den Verkaufsknüllern zählen Kontaktlinsen und Sonnenbrillen, auch online. GrandVision baut seinen Multikanalvertrieb aus und integriert die jüngsten Zukäufe. 2015 wurde die US-Optikerkette For Eyes mit 116 Läden und einem Umsatz von 92 Millionen Dollar gekauft, zuvor ein Onlinehändler in Großbritannien. In 2017 folgte dann die mehrheitliche Übernahme an der Visilab-Gruppe von der Genfer Familienholding PP.

Dabei hat Visilab-Chef Daniel Mori hat einen klaren Plan: Er will dem deutschen Billigoptiker Fielmann in der Schweiz Kunden abjagen. Heute betreibt die Genfer Gruppe, zu der auch der Linsenverkäufer Linsenmax und die Premiumkette Koch Optik gehört, 100 Verkaufsstellen. Für Sie zum Vergleich: Fielmann bringt es gerade einmal auf rund 40.

Stolzer Kaufpreis im Verhältnis zur Profitabilität

Ob es zu einem Deal kommt, wird sich erst in Kürze zeigen. Fest steht, dass der kolportiert Kaufpreis von 7,2 Milliarden Euro wahrlich kein Schnäppchen ist. Damit wird GrandVision mit dem 33-Fachen des Gewinns bewertet. Für Sie zum Vergleich: Fielmann und EssilorLuxxotica handeln mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 respektive 26 bei zugleich deutlich höherer Profitabilität (Gewinnmarge Fielmann: 11,8%; EssilorLuxottica: 10%).


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.