Greenwashing wird für Konzerne komplizierter

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Das grüne Gewissen entdecken, aber am anderen Ende der Welt in Kohle investieren – der Fall Siemens zeigt das Dilemma der Konzerne. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Siemens-Chef Joe Kaeser hat in den vergangenen Tagen ein Paradebeispiel dafür gebracht, wie man es eben gerade nicht machen sollte: Erst traf sich der Manager mit Luisa Neubauer, einer der führenden Klimaaktivistinnen der Fridays for Future-Bewegung in Deutschland. Kaeser zeigte sich betont beeindruckt von der jungen Frau, lobte sie über den Klee, bat ihr sogar einen Aufsichtsposten bei Siemens an, den Neubauer mit Verweis auf ihre Unabhängigkeit als Aktivistin bekanntlich ablehnte.

Kurz darauf verkündete Kaeser dann, Siemens werde an einem umstrittenen Projekt in Australien festhalten. Dort entsteht derzeit das größte Kohlekraftwerk der Welt, und Siemens liefert Signalanlagen für die dazugehörige Schienentransportstrecke.

„Wir haben verstanden“?

Siemens begründet den Schritt mit der Vertragstreue: Man müsse für Geschäftspartner verlässlich bleiben. Da ist durchaus etwas dran. Dennoch hagelt es nun Kritik, denn eine viel schlechtere PR-Strategie hätte man sich kaum ausdenken können: Freitags auf ökofreundlich machen und montags am Kohleprojekt festhalten. Das Vorgehen erinnert an die unbeholfenen „wir haben verstanden“-Floskeln von Politikern nach desaströsen Wahlergebnissen, die dann aber doch genauso weitermachen wie zuvor.

Der Fall Siemens ist nur ein Beispiel unter vielen. Seit die Klimaaktivisten von Fridays for Future, unterstützt von zahlreichen Wissenschaftlern rund um den Globus, an Einfluss gewonnen haben und die gesellschaftliche und politische Debatte zunehmend Klimaschutzaspekte diskutiert, sehen sich auch immer mehr Unternehmen dazu veranlasst, dem vermeintlichen Trend zu folgen.

Greenwashing funktioniert nur noch bedingt

Doch in der globalisierten Wirtschaftswelt funktioniert das PR-Greenwashing nur noch bedingt: Sicherlich kann man sich etwa innerhalb Europas auf nachhaltige Projekte konzentrieren, allein schon weil die hiesigen politischen Vorgaben ohnehin in diese Richtung lenken. Solange die Unternehmen aber gleichzeitig in anderen Regionen der Welt, beispielsweise Schwellenländern wie Brasilien, aber auch China, Indien oder eben Australien weiterhin „Business as usual“ betreiben und sich um Klimaschutzziele wenig scheren, wird ihnen niemand ihr neu entdecktes grünes Gewissen abkaufen.

In der Folge drohen ein Imageverlust und gesellschaftlicher Protest. Etliche Konzerne tun sich schwer damit, bewährte Muster und Strukturen zu verlassen, die ihnen langjährig zuverlässige Gewinne eingebracht haben. Doch genau wie die Digitalisierung, die derzeit Einzug hält, ist auch das Thema Klimaschutz keine vorübergehende Modeerscheinung. Stattdessen setzt ein tiefgreifender und langfristiger Wandel ein, von dem es absehbar auch keine Abkehr mehr geben kann.

Klimaschutz und Klimawandel: Grenzübergreifende Menschheitsprobleme

Klimaschutz sowie die Auswirkungen, wenn er ausbleibt, sind eben keine nationale oder europäische Angelegenheit, sondern betreffen den gesamten Globus. Auch das Kohlekraftwerk am anderen Ende der Welt pustet letztlich Schadstoffe in unser aller Atmosphäre und trägt somit zur Erderwärmung bei, die letztlich alle Regionen in irgendeiner Art und Weise betreffen wird.

Ein 15-Grad-Tag mitten im Januar ist nur der Anfang.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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