Grenke AG im Visier der Shortseller

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Die Grenke-Aktie ist nach einer Shortseller-Attacke abgestürzt. Eine Einstiegsgelegenheit? (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Kaum haben wir uns etwas von dem Wirecard-Desaster erholt, schießen sich die Shortseller auf das nächste deutsche Unternehmen ein: die Grenke AG. Die erhobenen Vorwürfe erinnern stark an Wirecard. Das macht die Aktie bis zur deren Klärung zu einem Spielball der Zocker.

Kurzportrait

Die im MDAX gelistete und in Baden-Baden ansässige Grenke AG ist auf Finanzierungsleistungen für Leasing-Geschäfte im Bereich von Computer-Ausrüstungen spezialisiert. Darüber hinaus bietet der Konzern Leistungen von Operation Lease und Factoring.

Dunkle Wolken

Vor einer Woche zogen jedoch dunkle Wolken auf: Am 15. September veröffentlichte “Viceroy Research”, einer von dem als Shortseller tätigen Investor Fraser Perring gegründeten Plattform, zahlreiche Vorwürfe. Eine zentrale Beschuldigung lautet, dass von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln ein substanzieller Anteil nicht existiere.

Dementi folgte umgehend

Das Unternehmen reagierte umgehend und gab bekannt, dass der veröffentlichte Bericht des Unternehmens “Viceroy Research” aus der Luft gegriffen sei. Dieser Bericht enthielte Unterstellungen, die Grenke auf das Schärfste zurückweist.

Ein zentraler Vorwurf lautet, dass sich 849 Mio. Euro, also fast 80 % der liquiden Mittel, zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht – befanden. Per heute würde das Guthaben bei der Bundesbank 761 Mio. Euro betragen. Auch die anderen Vorwürfe wurden umgehend zurückgewiesen.

Anleger gehen in Deckung

Doch die Anleger konnte dies nicht beruhigen – nach dem Wirecard-Skandal auch kein Wunder. Daher ging die Aktie auf Talfahrt. Fast täglich gab es seitdem neue Gerüchte, Berichte und Dementi, die für Verunsicherung und damit für weitere Minuszeichen der Anteilsscheine sorgten. Zwischenzeitlich wurden die niedrigsten Kurse seit rund 6 Jahren erreicht.

Familie hält an ihrer Beteiligung fest

Zum Wochenauftakt kam es dann zu einer kleinen Gegenbewegung. Das Unternehmen gab bekannt, die Integration seines viel kritisierten Franchisesystems in den Konzern zu überprüfen. Zeitlich bot Wolfgang Grenke, Unternehmensgründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns, dabei die Übernahme der von der Gesellschaft CTP gehaltenen Beteiligungen an den Franchisegesellschaften an und lässt aus diesem Grund seine Ämter wegen eines möglichen Interessenkonfliktes ruhen.

Was die Anleger aber noch mehr beruhigt haben dürfte, ist die Meldung, dass die Familie Grenke unverändert an ihrer Beteiligung an der Grenke AG festhält und ihr langfristiges Bekenntnis zum Unternehmen bekräftigt. Die Familie Grenke, deren Anteile in der Grenke Beteiligung GmbH & Co. KG gebündelt sind, hält derzeit einen Anteil von 40,84 %.

Hervorragende Fundamentaldaten, aber hohe Unsicherheit

Sollte an den erhobenen Vorwürfen nichts dran sein, so ist die Aktie mit einem KGV für das kommende Jahr von 13, verbunden mit einer Dividendenrendite von 2,5%, sehr günstig bewertet. Sollten sich die Vorwürfe allerdings bewahrheiten, würde es mit der Aktie abermals ganz deutlich nach unten gehen. Aus diesem Grund ist der Anteilsschein derzeit nur für „Zocker“ geeignet.

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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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