Gretchenfrage: Neuer Aufwärtstrend oder Abwärtstrend noch intakt?

Auf die beiden schwachen Tage zu Wochenbeginn reagierten die Aktienmärkte gestern mit einer robusten Erholung:

Der DAX 30 legte zwar nur +0,3% zu. Dafür gab es an der Wall Street am Abend erkleckliche Zugewinne: Der Nasdaq 100 schloss gegenüber dem Vortag satte +2,7% höher.

Dieser Index spiegelt die Kursentwicklung der 100 amerikanischen Technologie-Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung wider.

Aufgrund dieser niedrigen Mitgliederzahl und der mit Technologieaktien im Allgemeinen verbundenen, erhöhten Volatilität, ist der Nasdaq 100 häufig ein Frühindikator unter den bekannten US-Markt-Indizes.

Gretchenfrage: Neuer Aufwärtstrend oder Abwärtstrend noch intakt?

Ein Tagesgewinn von +2,7% also? Für uns Investoren sieht das doch nach einem ermutigenden Signal aus – oder?

Wie es sich für einen Charttechnik-orientierten Newsletter geziemt, sollte uns ein Blick auf den Chart weiterhelfen. Doch fragen wir uns vorab zunächst einmal, was wir denn eigentlich gerne sehen würden?

Ein Mode-Trend beispielsweise etabliert sich dadurch, dass immer mehr Menschen diesem folgen. Und sie tun das, indem sie das entsprechende Kleidungsstück kaufen.

Ergo sollten wir ein solches Verhaltensmuster in einem Aufwärtstrend auch am Aktienmarkt sehen: Immer mehr Investoren schöpfen Vertrauen und steigen wieder ein.

Schauen wir uns das einmal genauer im Tages-Chart an. Als zusätzliche Information habe ich die börsentäglichen Umsätze mit abgebildet.

nasdaq 100 tages-chart-03-09-2015

Nasdaq 100 Tages-Chart: Umsätze bestätigen intakten Abwärtstrend

Umsätze bestätigen intakten Abwärtstrend

An den Tagen, an denen die Kurse wie ein Stein fielen, schossen die Umsätze weit über den Durchschnitt der vergangenen 50 Handelstage hinaus. Diese Phase ist mit den vertikalen orangefarbenen Balken unterlegt.

Halten wir fest: Wir sehen hier anziehende Umsätze in einem Abwärtstrend.

Auf den Ausverkauf am 24. August folgte eine kräftige Erholung: Der Nasdaq 100 kletterte an 3 Tagen in Folge (blaue Balken). Doch je weiter der Index steigt, umso niedriger fallen die Umsätze aus:

Übersetzt bedeutet das: Mit den steigenden Notierungen verließ die Anleger zunehmend der Mut. Halten wir fest: Wir sehen hier sinkende Umsätze in einer Aufwärtsbewegung.

Es folgen die beiden schwachen Handelstage vom Wochenbeginn: Am Montag blieben die Umsätze unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Das wollen wir sehen.

Am Dienstag fällt der Nasdaq 100 noch kräftiger – doch der Umsatz steigt und liegt am Ende über dem Vortags- und dem Durchschnittswert.

Halten wir fest: Wir sehen hier steigende Umsätze in einer Abwärtsbewegung.

Last not least die Entwicklung gestern: Es ist gut zu erkennen, dass der feine Tagesgewinn vom niedrigsten Umsatz der letzten 10 Handelstage begleitet war (grau unterlegt).

Dem gestrigen Kursanstieg vertrauten mithin noch weniger Investoren, als der Erholung in der vergangenen Woche. Und dabei sind wir noch knapp 90 Punkte von dem da erreichten Zwischenhoch bei 4.340 Punkten entfernt.

Apropos Zwischenhoch: Sehen Sie, wo die Erholung der vergangenen Handelswoche endete?

Exakt an der Unterseite der Seitwärts-Bewegung, die uns von April bis Mitte Juni frustriert hat (blau unterlegt): Die Unterstützung hat sich zum Widerstand gewandelt!

Fazit

Die Umsätze, die die täglichen Kursbewegungen der zurückliegenden 10 Handelstage begleiteten, sind leider nicht dazu geeignet, ein baldiges Ende des eingeleiteten Abwärtstrends zu erwarten.

Sie entsprechen im Gegenteil dem typischen (und damit zugleich bestätigenden) Anlegerverhalten in einer Abwärtsbewegung.

Nicht wenige Marktteilnehmer dürften sich eine V-förmige Trend-Umkehr erhofft bzw. erwartet haben, wie wir sie im Oktober 2014 serviert bekamen.

Allerdings wird gerne übersehen, dass ein solch „dynamischer“ Trend-Wechsel nicht die Regel, sondern vielmehr die Ausnahme ist.

Im Normalfall bildet ein Aktienmarkt nach einem derartigen Kurseinbruch über viele Wochen hinweg einen Boden aus:

Erst wenn sich die Marktteilnehmer davon überzeugen können, dass die Kurse nicht mehr weiter fallen, kehren Zuversicht und Vertrauen zurück.

Für Sie gibt es lediglich 2 Kursmarken, die Sie in den kommenden Tagen oder Wochen im Auge behalten sollten:

  • Ein Anstieg über 4.340 Punkte (das letzte Zwischenhoch) würde einen neuen Aufwärtstrend definieren. Ein zusätzlich positives Signal wäre es, wenn der Nasdaq 100 dann noch über seiner 200-Tagelinie schlösse.
  • Ein Absinken unter das letzte Tief bei 3.787 Punkten ist hingegen als Bestätigung und damit als Fortsetzung des Abwärtstrends zu interpretieren.

3. September 2015

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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