Griechenland: Das sind wohl mehr als „kleine Liquiditätsprobleme“

Eine Frage beschäftigt mich in diesen Tagen ganz massiv: Ist Griechenland pleite? Auf diese einfache Frage gibt es definitiv keine schnelle Antwort.

Derzeit weiß bestimmt nicht einmal die griechische Regierung, wie es um die eigenen Finanzen aussieht. Der letzte Kassensturz in Athen ist einfach schon zu lange her. Um das zu ändern, sind jetzt wieder die Vertreter der Institutionen in Athen.

Bis vor kurzem hieß diese Vertreter noch Troika. Doch die neue griechische Regierung hat es tatsächlich geschafft, die Bezeichnung der Troika in „Die Institutionen“ umzuwandeln.

Bei genauerer Betrachtung der bisher erzielten Fortschritte der Regierung Tsipras fällt auf, dass dies schon einer der großen Fortschritte ist, den sich das Links-Rechts Bündnis aus Athen auf die eigenen Fahnen schreiben kann.

Gleichwohl gefällt sich der griechische Finanzminister Varoufakis weiterhin in der Rolle des Provokateurs. In einer deutschen Talkshow sprach er jetzt von kleinen Liquiditätsproblemen unter denen sein Land zu leiden hat.

Hier untertreibt meiner Einschätzung nach Varoufakis massiv. Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand und weiß es auch. Allerdings spielte Varoufakis in der gleichen Sendung den eigenen Einfluss auch gleich herunter und bezweifelte, dass die Probleme Griechenlands die komplette Gemeinschaftswährung zum Fall bringen könnte.

Hier irrt Varoufakis: Griechenland hat doch das Potenzial den Euro zu Fall zu bringen

Das sehe ich ganz anders: Griechenland ist und bleibt der Präzedenzfall für die Eurozone. Verlässt Griechenland die gemeinschaftliche Währung, steht der Euro als Ganzes zur Diskussion.

Die vermeintliche Stabilität des Euros fußt auch auf den gegenseitigen Hilfszusagen im Krisenfall. Hier sind in den vergangenen Jahren schon riesige Milliardenbeträge zwischen den einzelnen Euroländern geflossen.

Wenn Griechenland nun tatsächlich bankrottgehen sollte, steht das gesamte Fundament des Euros zur Diskussion. Daher ist der politische Wille auch noch extrem hoch, dem verschuldeten Euro Mitglied weiter unter die Arme zu greifen. Allerdings ist die Geduld mit Athen seit dem Regierungswechsel deutlich eingeschränkt.

Der Ton hat sich verschärft. Die Positionen verhärtet. Dies ist kein positives Umfeld, um schnelle Regelungen zu erreichen. Ab Donnerstag steht der nächste EU-Gipfel an. Sicherlich wird Griechenland dort ein wichtiges Thema sein. Eine Lösung erwarte ich aber auch von diesem europäischen Spitzentreffen nicht.

16. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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