Griechenland: Die fast vergessene Krise flammt wieder auf

Das krisengeschüttelte Griechenland soll auch weiterhin Hilfszahlungen erhalten. Mit dem dritten Hilfspaket wird noch nicht Schluss sein.

In den vergangenen Wochen ist die Euro Krise wieder in den Fokus gerückt: Das Hauptthema dabei war allerdings Italien. Doch wie Sie sich vorstellen können, sind die Probleme auch in Griechenland noch nicht komplett gelöst. Nur leider haben wir davon zuletzt wenig mitbekommen. Jetzt aber tauchen Meldungen auf, wonach Griechenland auch weiterhin finanzielle Hilfen bekommen soll.

Nur noch einmal für Sie zur Erinnerung: Aktuell läuft das 3. Hilfspaket für Griechenland und das Land bekommt Milliardenhilfen, um die maroden Finanzen irgendwie in den Griff zu bekommen. Auch dieses Hilfsprogramm wird auslaufen und genau für diese Zeit sind jetzt neue Zahlungen geplant.

So sieht es aus, als würde Griechenland aus dem auslaufenden ESM Hilfsprogramm das Restgeld in Höhe von mindestens 15 Mr. Euro bekommen. Die Absicht dahinter ist klar. Mit diesen neuen finanziellen Mitteln soll Griechenland davor bewahrt werden, gleich wieder in eine Zahlungsnot zu kommen.

Diese Maßnahme steht noch aus. Aber es sieht jetzt schon danach aus, dass die Euro-Finanzminister ganz aktuell umfassende Schuldenerleichterungen für das krisengeschüttelte Griechenland beschließen. Eins finde ich dabei besonders interessant. Griechenland soll eine Summe von rund 5 Mrd. Euro erhalten. Dieses Geld speist sich aus den Gewinnen, die die europäische Zentralbank mit Griechenland-Anleihen gemacht hat. Da bin ich wirklich gespannt, ob dieser Punkt in der Praxis umgesetzt wird.

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Griechenland steht weiter massiv unter Druck – und unter „verstärkter Überwachung“

Klar ist natürlich auch: Die griechische Regierung steht weiterhin unter massiver „verstärkter Überwachung“. Das ist eine Forderung, die von den Geldgebern schon seit Jahren an das Land gerichtet wird. Es geht eben um die ordnungsgemäße Umsetzung der immer wieder angekündigten Reformen.

Mir zeigt die aktuelle Lage in Griechenland vor allen Dingen eins: Die Krise ist alles andere als abgeschlossen. Griechenland steht noch immer mit dem Rücken zur Wand. Ohne ausländische Hilfsgelder kommt das krisengeschüttelte Land schlicht und einfach nicht auf die Beine.

Doch Griechenland spielt ja wie gesagt in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit kaum eine Rolle. Die viel größeren Summen sind in Italien in Gefahr. Und wo die Hilfszahlungen der verschiedenen Institutionen in Griechenland schon fast an ihre Grenzen gestoßen sind, da wird Italien das System zum Einsturz bringen. Als größte Volkswirtschaft der Eurozone wird es nicht möglich sein, Italien mit den bekannten Hilfsmechanismen zu retten. Diese Gefahr hatte ich gestern schon an dieser Stelle hingewiesen. Daher ist die Lage in Griechenland jetzt nur ein weiterer Tropfen, der das Fass womöglich zum Überlaufen bringen könnte.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.