Griechenland: Die letzte Chance zur Wende

Die Lage in Griechenland bleibt dramatisch. Die Signale aus dem Krisenland sind verheerend: Die Griechen verlieren langsam aber sicher das Vertrauen ins Bankensystem. Immer mehr Griechen heben Bargeld von den eigenen Konten ab.

Banken-Insidern zufolge sind alleine am Mittwoch dieser Woche zwischen 350 und 400 Millionen Euro von den Konten in Griechenland abgehoben worden. Das entspricht ungefähr dem Fünffachen des Durchschnitts der vergangenen Wochen.

Dies ist ganz klar ein Zeichen für das Misstrauen der Griechen gegenüber dem Bankensystem. Und tatsächlich ist sehr viel Geld nötig, um die notwendigsten Lücken zu schließen.

Das Misstrauen gegenüber den Banken zeigt sich auch an massiven Kursverlusten bei Bankaktien. Allein am Mittwoch verloren diese Aktien in Griechenland mehr als 8 % an Wert.

Insbesondere hat sich die akute Liquidität deutlich verschlechtert. Sie erinnern sich vielleicht noch an die Aussage des griechischen Finanzministers Varoufakis am Sonntag im deutschen Fernsehen? Dort erklärte er, aktuell gebe es ein „kleines Liquiditätsproblem“.

Diese Einschätzung fischte Vize-Regierungschef Dragasakis am Mittwoch beiseite. Er sagte ganz klar: „Wir laufen Gefahr, ohne Geld zu bleiben.“ Das klingt nicht nach einem kleinen Liquiditätsproblem. Das klingt nach akuten Liquiditätsproblemen, die gelöst werden müssen. Nun ist Dragasakis zuversichtlich, dass es zu keinem Staatsbankrott kommt.

Kommt jetzt wirklich die komplette Reformliste aus Athen?

Das mag schon sein, doch das kann aber nur dann gelingen, wenn auch die aktuellen Helfer weiter bei diesem Spiel mitmachen. Diese Bereitschaft wird aktuell immer kleiner. Daran wird auch der zweitägigen EU-Gipfel nichts geändert haben. Die Erwartungen an diesem Gipfel waren im Vorfeld sehr groß.

Ein Ergebnis des Gipfels ist nun das griechische Zugeständnis eine komplette Reformliste vorzulegen. Das wird von allen Seiten als Erfolg gefeiert. Doch Moment mal: Diese Liste liegt doch schon vor – nur hat sie bislang nicht den Bedingungen der Geldgeber entsprochen.

Nun spielen die Griechen einmal mehr auf Zeit. Aber die Zeit drängt massiv in Athen. Es fehlt noch immer der Kassensturz. Ohne die genaue Bestandsaufnahme der aktuellen Haushaltslage in Athen ist auch gar nicht klar, wie hoch der Finanzbedarf überhaupt ist.

Klar ist: Mit der jetzt gefundenen Lösung wahren beide Verhandlungspartner ihr Gesicht: Griechenland „ist wieder in der Spur“, wie es EU-Kommissar Günter Oettinger als Reaktion auf die Einigung formulierte. Gleichzeitig stellen die Geldgeber unter Beweis, dass Sie sich nicht von den Forderungen Griechenlands erpressen lassen.

Für mich ist das aber nun wirklich keine Basis für eine erfolgreiche Politik und der Zusammenhalt des Euros ist weiterhin massiv gefährdet.

20. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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