Griechenland ist nicht der einzige Pleitekandidat

Das Nachrichtenchaos rund um die Griechenland-Krise (wird doch wieder verhandelt?) belastete auch heute den Aktienmarkt. Der DAX schwankte rund um die 11.000-Punkte-Marke und verlor am Ende den Kampf.

Da in den vergangenen Tagen und auch heute aus meiner Sicht eher zu viel als zu wenig über Griechenland berichtet wurde, möchte ich heute nicht im Detail auf diese sehr spezielle Krise eingehen.

Stattdessen will ich Ihnen aufzeigen, dass auch andernorts Staatspleiten drohen und dass in jüngerer Zeit auch schon Städte pleite gegangen sind. Kommen wir aber zunächst zu dem Land, das wie Griechenland aktuell gegen eine drohende Staatspleite ankämpft.

Puerto Rico kämpft gegen eine Staatspleite

Die Karibikinsel Puerto Rico hat einen Schuldenberg von rund 72 Mrd. US-Dollar (65 Mrd. Euro) angehäuft. Das entspricht fast 70% der jährlichen Wirtschaftsleistung des Inselstaates. „Die Schulden sind nicht bezahlbar“, sagte Gouverneur Alejandro Garcia Padilla jetzt der „New York Times“.

Für das kommende Jahr wird ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,7 Mrd. US-Dollar erwartet und bereits am morgigen Mittwoch droht die Anleihe eines staatlichen Energieversorgers zu platzen. Wie es jetzt in Puerto Rico weitergeht, ist derzeit noch unklar.

Da Puerto Rico keine „Medien-Story“ wie Griechenland bietet, wird über diese Staatspleite kaum berichtet. Staatspleiten sind nicht so selten, wie die vergangenen Jahre und Jahrzehnte gezeigt haben (für größere Schlagzeilen sorgte in unseren Medien Argentinien, da viele deutsche Sparer Argentinien-Anleihen im Depot hatten).

Doch nicht nur Staaten können pleite gehen. Auch Städte kann ein solches Schicksal ereilen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die ehemalige US-Industriemetropole Detroit. Im Sommer 2013 musste Detroit Insolvenz anmelden.

Ich möchte Ihnen jetzt kurz darstellen, wie es zu der Pleite von Detroit kam und was es bedeutet bzw. welche Konsequenzen es hat, wenn eine Stadt insolvent ist.

Wie genau es zu dieser Pleite kam

Häufig wird der Niedergang Detroits ausschließlich mit dem Niedergang der Automobilindustrie in den USA in den 80er-Jahren in Verbindung gebracht. Detroit war schließlich einst die Automobilmetropole schlechthin.

Doch so einfach lässt sich die Pleite nicht erklären: Detroit wurde auch ein Opfer des eigenen Erfolges. Durch den Erfolg der Automobilindustrie erlangte die Mittelschicht in Detroit Wohlstand und Mobilität.

Dadurch konnten sich viele Bürger den Traum vom Eigenheim in einer der zahlreichen Vorstädte erfüllen. Die Autokonzerne folgten ihren Arbeitnehmern und ließen neue Fabriken und somit auch neue Autos außerhalb Detroits bauen.

Mittlerweile gibt es nur noch eine einzige Autofabrik innerhalb der Stadtgrenzen Detroits. Zurück in Detroit blieben die sozial schwachen Stadtbewohner, die den früheren Auto-Boom verpasst hatten.

Das Leben geht nach der Pleite weiter

Nachdem ich für Sie kurz die Ursachen der Pleite beschrieben habe, bleibt noch eine Frage offen: Was genau passiert eigentlich, wenn eine Stadt zahlungsunfähig ist?

Der Konkursantrag bedeutet nicht etwa das Ende der Stadt Detroit. Wie bei einer Unternehmenspleite sollen durch die Insolvenz die Schulden soweit reduziert werden, dass ein geordneter Neubeginn möglich ist.

In Deutschland kann es ein vergleichbares Szenario übrigens nicht geben. Bei uns ist es so, dass es zwischen Bund, Ländern und Gemeinden einen Haftungsverbund gibt. Das bedeutet, dass im Zweifel die Länder oder in letzter Instanz der Bund haften würde. Daher kann es Städtepleiten in dieser Form in Deutschland nicht geben.

Fazit: Derartige Pleiten sind verkraftbar

Das Beispiel der US-Stadt Detroit zeigt, dass derartige Pleiten verkraftbar sind. Denn: Heute redet niemand mehr (zumindest außerhalb von Detroit) über diese Pleite. Ähnlich würde es in einigen Jahren auch im Falle einer Pleite von Griechenland oder Costa Rica laufen.

Wirklich dramatische Konsequenzen haben solche Pleiten lediglich für die Bürger der Staaten oder Städte, die in die Insolvenz schlittern. Für den Rest der Welt sind die Folgen jedoch überschaubar – auch kurzfristig.

30. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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