Griechenland: Jetzt steht auch noch das Rentensystem vor dem Kollaps

Hohe Arbeitslosenzahlen und ein steigender Anteil der Schwarzarbeit setzen die Rentenkassen in Griechenland unter Druck. Jetzt drohen weitere Kürzungen. (Foto: Andrey Popov /shutterstock.com)

Das ewige Thema Griechenland bietet immer wieder neue Facetten. Jetzt machen Meldungen über massive Probleme der Rentenkasse die Runde.

Laut eines hohen Mitarbeiters der öffentlichen griechischen Rentenkassen sind weitere Kürzungen bei den Renten im Bereich zwischen zehn und 30% nicht mehr abzuwenden.

Als Ursachen dafür sind die weiterhin extrem hohe Arbeitslosigkeit anzusehen. Die rangiert derzeit bei mehr als 28% auf einem Rekordhoch. Zusätzlich flüchten sich immer mehr Griechen in die Schwarzarbeit.

Damit schrumpfen die Einnahmen für die Rentenkasse weiter. Allerdings sind auch heute viele Beschäftigte gar nicht mehr in der Lage die notwendigen Zahlungen an die Rentenkasse zu leisten.

Seit dem Ausbruch der Krise gehören die Rentner in Griechenland zu den großen Verlierern: Bei den Altersbezügen hat es bisher schon massive Kürzungen gegeben.

Doch wenn jetzt  diese Abwärtsspirale noch immer nicht zu Ende ist, wird sich die Krise auch in weiteten Teilen der Bevölkerung festsetzen.

Und vor allem wird auch der Willen der griechischen Bevölkerung aktiv zur Sanierung des maroden Staates beizutragen nicht gerade stärker werden.

Schwarzarbeit: Ein Massenphänomen in Griechenland

Griechenland hatte schon immer einen hohen Anteil Schwarzarbeit – auch im öffentlichen Sektor.

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Ich erinnere mich noch an einen Fernsehbericht im vergangenen Jahr wo sogar Hausmeister städtischer Schulen in Athen zu Wort kamen, die von der Stadtverwaltung nicht angemeldet worden waren – also auch unter den Begriff „Schwarzarbeit“ fielen.

Die Regierung hat erst kürzlich eine Studie veröffentlicht. Danach liegt der Anteil der Schwarzarbeit in Griechenland bei 35%. Gerade im so wichtigen Tourismussektor ist die nicht angemeldete Schwarzarbeit wohl die Regel und nicht die Ausnahme.

Hinzu kommt dann noch das Nichtangeben von Umsätzen aus der Gastronomie, da größtenteils nur Barzahlung akzeptiert wird. Dies öffnet bei nicht vorhandenen Kassensystemen dem Steuerbetrug Tür und Tor.

Bei diesen Voraussetzungen in Griechenland wird es zudem immer schwerer, Unterstützung im Ausland zu bekommen.

Das Bild der Griechen hat in den vergangenen beiden Jahren ganz klar gelitten. Aber die Zeche müssen auch erst einmal die eigenen Bürger zahlen – allen voran die Rentner.

Bei weiteren Kürzungen, wie sie eben jetzt von offizieller Seite für möglich gehalten werden, sind auch neue Ausschreitungen jederzeit möglich. Und die Bilder der heftigen Ausschreitungen in Athen vor dem Parlament sind noch gut in Erinnerung.

Es ist sehr gut möglich, dass es noch in diesem Jahr zu einer massiven Verschärfung der Lage in Griechenland kommt. Dafür deuten einfach zu viele Vorzeichen auf eine weitere Verschlechterung der Lage hin.

Eine weitere Rentenkürzung könnte dann aber der berühmte Tropfen sein, der das Fass dann zum Überlaufen bringen könnte.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.