Griechenland-Krise: Staatspleiten im Überblick

Griechenland-Krise und kein Ende… Als heute bekannt wurde, dass die griechischen Vertreter ohne Reformplan zum Krisengipfel reisen, verloren einige Investoren die Nerven und schickten die Aktienkurse in den Keller. Der deutsche Leitindex DAX verlor fast 2%.

Insgesamt hat die Griechenland-Krise am Aktienmarkt jetzt schon weit über 300 Mrd. US-Dollar ausgelöscht (zumindest kurzzeitig). Das ist gleich doppelt absurd: Zum einen spielt Griechenland in der Realwirtschaft kaum eine Rolle und zum anderen sind Staatspleiten auch keine Besonderheit.

Viel wird dieser Tage geredet und geschrieben über die drohende Staatspleite Griechenlands. In der vergangenen Woche habe ich Sie an dieser Stelle bereits darauf aufmerksam gemacht, dass mit Puerto Rico aktuell auch ein anderer Staat gegen eine drohende Pleite kämpft.

Weiterhin habe ich Ihnen von der Pleite der ehemals blühenden US-Industrie-Stadt Detroit berichtet und davon, dass heute – ziemlich genau 2 Jahre später – kaum noch jemand davon spricht. Ähnlich sieht es mit anderen historischen Pleiten aus.

Auch einige sehr bekannte und bedeutende Staaten waren in der Vergangenheit schon einmal zahlungsunfähig – teilweise sogar gleich mehrfach. Und nach der Pleite ging das Leben immer weiter. Genau darüber möchte ich heute berichten.

Griechenland war bereits 5 Mal zahlungsunfähig

Im Jahr 2010 erschien die 3. Auflage eines Buches mit dem Titel „Dieses Mal ist alles anders“. Die Autoren des Buches sind Carmen M. Reinhardt und Kenneth S. Rogoff. Reinhardt ist Professorin in Harvard, Rogoff ist ebenfalls Professor in Harvard und war zudem zwischen 2001 und 2003 Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF).

In besagtem Buch, dessen Untertitel „acht Jahrhunderte Finanzkrisen“ lautet, haben beide unter anderem die Schuldenkrisen souveräner Staaten bis zum Jahr 2008 untersucht.

Daraus geht beispielsweise hervor, dass Griechenland bereits 5 Mal zahlungsunfähig war. Betrachtet wurde jeweils der Zeitraum seit der Unabhängigkeit der Staaten oder aber seit dem Jahr 1800.

Deutschland war in dieser Zeit übrigens sogar 8 Mal zahlungsunfähig. Rekordhalter aber ist Spanien mit 13 Pleiten. Auffällig ist, dass die skandinavischen Länder Schweden, Finnland, Norwegen und Dänemark, denen es auch heute sehr gut gehr, in dieser Zeit nicht ein einziges Mal pleite waren. Dies schafften aber auch Belgien, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

Griechenland jedes zweite Jahr in der Schuldenkrise

Interessant sind auch die Ergebnisse der folgenden Untersuchung von Rogoff und Reinhardt. Beide haben nämlich neben der absoluten Anzahl der Staatspleiten souveräner Staaten untersucht, wie lange sich die Staaten insgesamt im Ausnahmezustand befanden.

So findet sich in der tabellarischen Übersicht eine Spalte mit dem Titel „Anteil der Jahre (in %), die sich ein Land in der Schuldenkrise oder in der Umschuldungsphase befand, gemessen an den Jahren seiner Unabhängigkeit beziehungsweise seit 1800“.

Gemeint ist damit, wie hoch die prozentuale Anzahl der Jahre ist, die sich ein Land in einer Schuldenkrise oder in einer Umschuldungsphase befand. Auffällig hierbei: Griechenland befand sich in etwa jedem zweiten Jahr (50,6% der Jahre) in einer Schuldenkrise oder einer Umschuldungsphase. Das bedeutet, dass sich die Griechen mit dem aktuellen Zustand im Prinzip gut auskennen sollten.

Die Spanier hingegen, die 13 Staatspleiten erlebten (Griechenland nur 5), befanden sich nur in 23,7% der Jahre in einer Schuldenkrise oder einem Zustand der Umschuldung. Frankreich sogar in 0% der Jahre – und das trotz 8 Staatspleiten.

Das bedeutet, dass die Spanier und vor allem die Franzosen in solchen Situationen sehr viel schneller einen Strich gezogen haben und wieder zur Normalität zurückgekehrt sind. Das hätten sich in den vergangenen gut 5 Monaten wohl auch die meisten Europäer von der griechischen Regierung gewünscht.

Griechenland muss aufpassen, dass die Krise nicht zu lange dauert. Die Geduld der Geldgeber neigt sich dem Ende zu. Der Absturz könnte dann deutlich schlimmer sein als nach früheren Krisen.

7. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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