Griechenland-Pleite: Diese deutschen Firmen könnten zuschlagen

Die europäische Schuldenkrise belastet die Aktienmärkte schwer. Im Mittelpunkt der Krisenberichte steht Griechenland. Immer mehr namhafte Volkswirte empfehlen dem Land einen Schuldenschnitt, um aus dem Schuldensumpf zu entkommen.

Griechenland und viele andere Länder, die über Banken und Industrie-Unternehmen von einem Schuldenschnitt direkt betroffen wären, hoffen jedoch noch auf eine Lösung, die diesen Schritt nicht notwendig macht.

Vor wenigen Tagen hat die griechische Regierung die Sparanstrengungen noch einmal verstärkt, um den kriselnden Staat vor der Pleite zu retten. Geplant ist, dass das Tafelsilber zur Schuldentilgung benutzt wird. Ein Privatisierungskatalog soll dazu beitragen, dass Griechenland bis 2015 rund 50 Mrd. Euro zusätzlich in die leeren Kassen gespült bekommt.

Griechenland plant den großen Ausverkauf

Verkauft werden sollen unter anderem die Staatsbeteiligungen am Athener Flughafen, der hellenischen Post, Häfen und der Telekommunikationsfirma OTE. Die Fragen, die sich der Übernahme-Sensor stellt, sind: Wer könnte beim großen Schlussverkauf in Griechenland zuschlagen und wie will die griechische Regierung vorgehen?

Im Moment ist die Verkaufsabsicht noch wenig konkret. Details über Preisvorstellungen und mögliche Konditionen wie etwa Arbeitsplatzgarantien gibt es noch nicht. Aber die ersten Interessenten haben bereits angekündigt, im Verkaufsfall eine Übernahme zu überprüfen.

Aus dem Fehler der Serben lernen

Wichtig ist bei dem anstehenden Privatisierungsprozess, dass die Griechen den Fehler des Nachbarlandes Serbien nicht wiederholen. Serbien hatte geplant, das staatliche Telekommunikationsunternehmen Telekom Srbija zu veräußern, doch wirkten der hohe Kaufpreis und die vielen Bedingungen wie ein Korsett.

Viele potenzielle Käufer wurden davon frühzeitig abgeschreckt, sodass am Ende nur noch die Telekom Austria als Käufer in Frage kam. Konkurrenzlos konnten die Österreicher ein „Take it or Leave it-Angebot“ unterbreiten, das die Serben nicht angenommen haben. Wären mehrere Bieter im Rennen geblieben, hätte der Verkauf erfolgreich verlaufen können.

Ebay als Verkaufs-Strategie

Griechenland sollte daher die Privatisierungen möglichst frei einleiten und den Markt entscheiden lassen, wo der faire Preis liegt. Das hat auch mit Psychologie zu tun. E-Bay Nutzer wissen, dass der Mindestpreis selbst bei Autos im Wert von mehreren Tausend Euro häufig zunächst bei nur einem Euro liegt, bevor der Preis nach und nach in faire Regionen läuft.

Gegen Ende des Verkaufsprozesses sind die verbliebenen Bieter dann häufig gewillt, mehr zu zahlen. Bietet ein Konkurrent mehr, stellt sich automatisch die Frage, warum der andere mehr bieten will. Gibt es etwa einen Wert, den ich bei meiner Kalkulation noch nicht eingepreist habe?

Geordneter Verkauf ohne Hast

Das Ebay-Beispiel ist in großen Teilen auf Griechenland übertragbar. Hier wird die Zahlungsbereitschaft sogar noch zusätzlich dadurch erhöht, dass bei einem Kauf dem Konkurrenten der Markteintritt zunächst versperrt bleibt.

Wenn letztendlich der Kaufpreis immer noch zu sehr hinter den griechischen Erwartungen zurück bleibt, sollte Athen sich ein Hintertürchen offen halten und den Verkaufsprozess verschieben dürfen. Eine Verpflichtung zum Verkauf muss es aber jetzt geben, um die Glaubwürdikeit bezüglich der Sparanstrengung zu gewährleisten – ohne Abkehr.

Da ein überhasteter Verkauf die Gefahr der „Leichenfledderei“ birgt, sollte aber der zeitliche Druck nicht zu groß sein. „Verpflichtung jetzt, Verkauf in Kürze“ sollte den Kreditgebern ausreichen. Denn mit dem richtigen Zeitplan, der zeigt, dass Griechenland es schaffen kann, aus dem Schuldensumpf zu entkommen, ist auch die Kalkulationsbasis der potenziellen Käufer weniger risikobehaftet und damit die Zahlungsbereitschaft höher.

Deutsche Firmen können und werden zuschlagen

Potenzielle Käufer für das griechische Tafelsilber sind auch in Deutschland anzutreffen. Rheinmetall hatte bereits Interesse an einer Partnerschaft mit der Rüstungsfirma EAS bekundet, die jetzt verkauft werden soll. Heute hat zudem der deutsche Flughafenbetreiber  Fraport angekündigt, dass der Anteil am Athener Flughafen durchaus interessant sein könnte.

Der Athener Flughafen gehört bereits zu 40% zum Hochtief-Konzern, sodass auch der Essener Bauriese den Anteil aufstocken könnte. Bei einem Bieterwettkampf zwischen den beiden deutschen Unternehmen (und vielleicht weiteren Interessenten) könnte Griechenland gut Kasse machen.

Interessant ist auch der geplante Verkauf eines 16%-Anteils des griechischen Telekom-Unternehmenes OTE. Griechenland könnte eine Verkaufsoption ziehen und die Deutsche Telekom zur Abnahme eines 10%-Anteils verpflichten. Dass der Verkauf für die Deutschen aktuell nicht sehr lukrativ ist, wird Athen bei den derzeitigen Problemen relativ egal sein.

25. Mai 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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