Griechenland Verschuldung: EU darf Griechen nicht rauswerfen!

Es ist im Grunde der Skandal des Jahres:

Verträge, die wir noch nicht einmal kündigen können, binden uns an eine Butterwährung. An Papiergeld, das von Tag zu Tag wertloser wird.

Den Euro. Das heißt: wer raus möchte, muss sich schon selbst Alternativen suchen – wir helfen Ihnen.

Unfreiwillige EU-Gefangene: Eurorisiken werden wir nicht los

Hintergrund meiner Aufregung ist die Debatte um Griechenland. Schon längst ist doch allen klar, dass die Konsolidierungsversprechen aus Athen nichts mehr wert sind. Weder die Chinesen sind bereit, wie angefordert Anleihen zu zeichnen, noch nimmt die Bevölkerung dort auch nur im Ansatz ernsthafte Sparpläne hin.

Geschichte: Inflation unausweichlich

Was menschlich verständlich ist, wird wirtschaftlich zur Katastrophe. Griechenland hat Schulden in Höhe von 115 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Alle historischen Vergleiche zeigen: das endet in der Inflation. Nur leider eben nicht ausschließlich bezogen auf Griechenland, sondern mit Zugriff auf unsere gemeinsame Währung.

Griechenland ist nur der Anfang. Italien, Irland bis hin zu Spanien werden weitere Problemfälle für den Euro. Und bis die Staaten doch rechtlich haltbare Kündigungsmöglichkeiten entwickelt haben, vergehen Jahre. Schützen Sie sich selbst. Investieren Sie in Sachwerte – beispielsweise Aktien und hier ganz konkret Nestlé. Also schlicht in Nahrungsmittelproduzenten.

Griechenland: Wirtschaft außer Kontrolle

Der EU-Rettungsschirm ist gespannt. Da kann ja in den Krisenländern wie Griechenland nichts mehr passieren. Zudem laufen dort massive Sparprogramme. Auch auf diesem Weg wird die Wirtschaft wohl wieder auf die Beine kommen.

Diesen Eindruck konnte man in den vergangenen Wochen erhalten. Aus Athen war kaum noch etwas zu hören und die griechischen Anleihen brachten zwar einen großen Risikoaufschlag mit, aber die kurzfristige Pleite des EU-Landes war als Tatsache erst einmal ausgeschlossen.

Nun lassen einige aktuelle Wirtschaftsdaten aus Griechenland aber aufhorchen: So ist das Land in diesem Jahr immer weiter in die Rezession gerutscht. Im ersten Quartal lag das Minus bei 2,5%. Im zweiten Quartal gab es ein deutliches Abrutschen auf -3,5%. Schon jetzt erwartet der Internationale Währungsfonds für das Gesamtjahr einen Einbruch von rund 4% im Vergleich zum Vorjahr.

Griechenland hat Mitschuld

Und auch 2009 war es in Griechenland nach unten gegangen. Während also Länder wie Deutschland oder Frankreich sich vom Tiefpunkt wieder gelöst haben, geht es in Griechenland immer weiter nach unten.

Klar ist aber auch, dass die aktuelle Rezession von den heftigen Sparpaketen der griechischen Regierung mit ausgelöst worden sind. So versuchen die Verantwortlichen in Athen das gigantische Haushaltsdefizit und den Schuldenberg erst in den Griff zu kriegen und dann abzubauen.

Aber bevor es wieder besser wird in Griechenland, sackt das Land weiter ab. So gibt es aktuelle Zahlen, wonach vor allem bei den Kleinbetrieben eine Pleitewelle bevorsteht. Acht von zehn Kleinbetrieben haben im ersten Halbjahr 2010 einen Rückgang beim Umsatz und beim Auftragsvolumen hinnehmen müssen.

Pleitegefahr bis Ende 2011

Derzeit rechnen 44% der griechischen Kleinunternehmen damit, dass bis Ende 2011 die Gefahr besteht Pleite zu gehen. Dieser Sektor ist für 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich und dort sind rund 2 Mio. Menschen beschäftigt. Da griechische Banken auch noch das Risiko scheuen und weniger Kredite vergeben, könnten eigentlich gut aufgestellte Kleinunternehmer bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen sehr schnell an ihre Grenzen kommen.

Bei diesen aktuellen Zuständen können Sie sicher sein, dass uns das Thema Griechenland noch intensiv beschäftigen wird – trotz EU-Rettungsschirm.


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29. Januar 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Janne Joerg Kipp. Über den Autor

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