Griechenland versinkt weiter im schwarzen Loch

Mit Blick auf das Ende des dritten Hilfsprogramms für Griechenland sprach der deutsche Finanzminister von einem Erfolg. (Foto: design36 / shutterstock.com)

In den staatlichen Medien Europas wurde das Ende des dritten Hilfsprogramms für die überschuldete Hellenische Republik regelrecht gefeiert. Das Ende der milliardenschweren Rettungsprogramme sei ein “historischer Moment für Griechenland und ganz Europa”, so der EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici. Selbst Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD sprach von einem Erfolg.

Varoufakis spricht von schwarzem Loch

Ganz anders sieht das Griechenlands ehemaliger Finanzministers Gianis Varoufakis. Das Land sei auch nach dem Auslaufen des dritten Rettungspakets noch nicht gerettet. Griechenland stehe am selben Punkt, im gleichen schwarzen Loch und es versinke jeden Tag tiefer darin.

Das sei unter anderem auch deshalb so, weil die Sparvorgaben der Gläubiger Investitionen und den Konsum behindern würden, so der ehemalige Minister gegenüber der deutschen “Bild-Zeitung“. Die Staatsschulden seien nicht weniger, sondern mehr geworden. Er merkte ferner an, dass der griechische Staat noch immer pleite sei und die Bürger ärmer geworden seien. Das BIP des Landes stürzte dem Ex-Minister zufolge um 25 Prozent in den letzten Jahren ab.

Blick auf die Fakten

Angesichts der in Griechenland seit Jahren vorherrschenden deflationären Depression ist es schon mehr als nur „verwunderlich“, dass Herr Scholz von einem Erfolg spricht. Fakt ist, dass die Staatsverschuldung des Landes mit ungefähr 330 Milliarden – das entspricht in etwa 180 Prozent des BIP – nach wie vor extrem hoch ist; obwohl es ja seit Jahren massive Sparversuche, einen Schuldenschnitt im Jahr 2012 und zahlreiche Privatisierungen gab. Die Arbeitslosigkeit ist im europäischen Vergleich unverändert extrem hoch.

Wir reden hier über eine offizielle Arbeitslosenquote von über 20 Prozent. Mit Blick auf die Perspektiven für die junge Generation sieht es noch schlechter aus. Hier sprechen wir über eine Arbeitslosenquote von über 45 Prozent. In den letzten harten Krisenjahren haben zudem Hunderttausende gut ausgebildete, junge Griechen ihre Heimat verlassen.

Ja, liebe Leser, Herr Varoufakis liegt richtig. Nach wie vor blicken die leidgeplagten Griechen in ein schwarzes Loch. Und eine wirklich nachhaltige Besserung ist weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil. In den nächsten Wochen wird ein Bekannter von uns das Krisenland besuchen. Wir werden an der Stelle dann berichten, welche Eindrücke er vor Ort gewinnen konnte. Bleiben Sie bis auf weiteres extrem kritisch und skeptisch, wenn die EU-Offiziellen von Erfolgen in Sachen Griechenland schwärmen…


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.