Größte Übernahme Großbritanniens: Shell übernimmt BG Group

In Großbritannien bahnt sich eine 47 Mrd. Pfund (64 Mrd. Euro) schwere Übernahme an. Der britisch-niederländische Mineralöl-Konzern Royal Dutch Shell bietet diesen Betrag für den Öl- und Gas-Konzern BG Group.

Die Führungsmannschaften beider Konzerne haben den Übernahme-Bedingungen bereits zugestimmt. BG Group-Aktionären wird empfohlen, das Angebot anzunehmen. Klappt der Deal wäre es in Großbritannien die größte Übernahme aller Zeiten.

Aktie noch 8% unter Angebotspreis

Es wird erwartet, dass der Deal problemlos über die Bühne geht. Dass die Wettbewerbsbehörden den Mega-Deal untersagen wird ebenfalls nicht erwartet.

Mit 16,20 Euro notiert die Aktie dennoch etwa 8% unter dem rechnerischen Angebotspreis. Wie Sie wissen ist die Lücke zum Angebotspreis immer ein Indikator dafür, wie sicher ein Deal ist.

In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um ein reines Bar-Angebot. BG Aktionäre erhalten 0,45 Shell-Aktien je Anteilsschein und nur 3,83 Pfund in bar. Die Lücke drückt daher diesmal aus, dass der Markt den Zukauf für den Bieter als nicht ganz so gut erachtet.

Das zeigt sich auch am Aktienkurs. Shell-Aktien geraten am Nachmittag in einem schwächeren Handel unter Druck und verlieren rund 4%.

Übernahme-Preis fast 20% über vorherige Bewertungsgerüchte

Der Kursrutsch der Shell-Aktie ist zu verstehen. Shell bietet eine sehr großzügige  Übernahme-Prämie von 52% für die Briten. Im Vorfeld wurde die Dealbewertung eher bei 40 Mrd. Pfund als fair erachtet. BG Group muss also sehr gut verhandelt haben – denn Shell ist auch nicht gerade für Großzügigkeit bekannt.

BG Group-Aktionäre wird es freuen. Wer im März einstieg, hat in kürzester Zeit hat einen hohen Übernahme-Gewinn abgeräumt. Wer im Sommer des Vorjahres einstieg, der hat zumindest trotz Ölpreis-Verfalls noch eine schwarze 0 mit dem Energie-Investment erzielt.

Für viele andere Anleger, die im Öl-Sektor engagiert sind, ein Traumergebnis.

Shell mit Top-Deal…wenn die Öl-Wette aufgeht

Die Übernahme ist eine Wette. Shell wettet auf eine Erholung des Ölpreises. Zwar ist die Strategie richtig, BG mit 2,5 Mrd. $ jährlichem Synergie-Potenzial offensichtlich auch passender Kandidat, doch ist der hohe Kaufpreis nur zu rechtfertigen, wenn Shell mit einer Ölpreis-Erholung rechnet.

Der Übernahme-Sensor hat da ein wenig Bauchschmerzen. Der Großteil der Analysten rechnet zumindest kurzfristig nicht mit einer zeitnahen Ölpreiserholung und aktuelle makro-ökonomische Daten stimmen da auch nicht optimistischer.

In einigen Analysen wird die aktuelle Stabilisierung sogar als Strohfeuer bezeichnet. Damit steigt das Risiko, dass Shell zu viel gezahlt hat.

Vorsicht bei der Auswahl passender Ziele

In London steigen heute nicht nur BG-Aktien sondern auch die Branchenkollegen können hohe Zugewinne verbuchen. In einigen Presseberichten ist von einer bevorstehenden Merger-Mania zu lesen.

Klar ist, dass ExxonMobil nach dem Shell-Deal antworten wird. Das ist nach Ansicht des Übernahme-Sensors so gut wie sicher. Es dürften sogar mehrere Deals folgen und wer den britischen Markt nach Übernahme-Kandidaten durchforstet, wird auch schnell fündig.

Bei der Auswahl sollte dennoch mit Augenmaß gehandelt werden. Grund für die jetzt stärkere Übernahme-Aktivität ist nicht ein Ölpreis-Boom bei knapp werdenden Resourcen, sondern das Überangebot und der Margendruck aufgrund des Preisverfalls.

Bei solchen Zusammenschlüssen müssen Sie ganz genau hinschauen, was Sie sich fundamental betrachtet ins Depot holen und wie viel Übernahme-Phantasie schon eingepreist ist.

8. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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