Großaktionär denkt um: Fusion zwischen CBS und Viacom geplatzt

In der Medien-Branche häufen sich in diesem Jahr die Übernahmen.

Innerhalb der Branche wurden:

  • die Kräfte gebündelt (Lions Gate/Starz),
  • Bündnisse mit Kabelnetz-Betreibern wurden auf den Weg gebracht (AT&T/ Time Warner),
  • Expansions-Pläne werden gerade durchgerechnet (21 Century Fox / Sky)
  • und unter Umständen werden sogar feindliche Übernahme-Versuche vorbereitet (Vivendis-10%-Einstieg bei Mediaset).

Der Grund für die hohe Übernahme-Aktivität liegt darin, dass sich das Konsum-Verhalten in der Medien-Branche geändert hat.

Im Druck (Tageszeitungen, Magazine) kämpfen die Verlagshäuser nicht erst seit diesem Jahr gegen das Internet und der Fernseher – einst Mittelpunkt des Wohnzimmers – ist inzwischen aus vielen Wohnzimmern verschwunden.

Die Menschen sind nicht mehr „Programm-Nehmer“, sondern wählen über Bezahl-Anbieter wie Amazon Prime, Netflix oder AppleTV selbst aus was sie sehen möchten und bestimmen, wann sie etwas schauen.

Größenvorteil hätte nicht das grundsätzliche Problem gelöst

Für die Betreiber von Fernsehsendern ist das ein Problem. Wenn sich ein Markt verändert, dann gehen die Unternehmen entweder mit der Zeit oder sie werden verdrängt.

Übernahmen sind in solchen Phasen immer ein gängiges Mittel, um sich den Veränderungen anzupassen. Doch nicht jeder Deal ist auch sinnvoll.

Eine alte Weisheit im Übernahme-Geschäft besagt, dass aus 2 Lahmen kein Sprinter wird. Dies könnte jetzt auch der Grund gewesen sein, warum die Fusion von CBS und Viacom geplatzt ist.

Managements finden nicht zueinander: Es fehlt die gemeinsame Vision

Hintergrund: Im September schlägt der CBS- und Viacom-Großaktionär Sumner Redstone vor, dass die beiden Medien-Konzerne einen Schulterschluss prüfen.

Da Redstone bei beiden Unternehmen 80% der Stimmrechte hält, wurden daraufhin Komitees gebildet, um sich mit dem Thema zu befassen.

Schnell zeigte sich jedoch, dass in den Managements die Vorstellungen über die Perspektiven der beiden Unternehmen unter einem Dach sehr weit auseinander gingen und auch die Wertansätze für einen Fusions-Preis weit voneinander entfernt waren.

Während Viacom mit dem neuen Unternehmens-Chef sich auf bestem Weg zurück in die Erfolgsspur sah, herrschte bei CBS darüber Zweifel.

CBS hätte die kriselnde Viacom als Bremsklotz erachtet und der CBS-Chef Leslie Moonves soll klar durchblicken lassen haben, dass er lieber den gesunden Konzern in der bisherigen Form weiterführen möchte, verrieten Insider.

Redstone sieht Timing ursächlich für Fusions-Aus

Redstone setzte als Chef für den neuen Gemeinschafts-Konzerns auf Moonves.

Ohne ihn und mit 2 Managements, deren Positionen nicht weiter auseinander liegen könnten, wäre eine erfolgreiche Umsetzung des Plans allerdings schwierig geworden.

Shari Redstone, Tochter des Großaktionärs und Vize-Chefin in beiden Unternehmen, teilte daher dann auch mit, dass aktuell nicht der richtige Zeitpunkt für einen Zusammenschluss sei.

Sie stärkte dem Viacom-Interims-Chef Bob Bakish den Rücken und zeigte sich von den von ihm eingeschlagenen Unternehmenskurs begeistert.

Viacom-Aktie verliert 2-stellig – CBS-Aktionäre bleiben gelassen

Shari Redstones wohlwollende Worte änderten jedoch nichts daran, dass die Viacom-Aktie deutlich unter Druck gerät. Der deutlich kleinere Fusions-Partner galt als größerer Profiteur des Zusammenschlusses.

Mit der Deal-Chance (vorerst) vom Tisch, verabschiedeten sich dann auch einige Investoren aus der Aktie. Gestern verlor das Papier über 10%, heute kommt es in einem festeren US-Markt zu einer kleinen Gegenbewegung.

Unter den CBS-Aktionären hält sich die Enttäuschung in Grenzen. Nach einem kurzen Rücksetzer beendet die Aktie den Handel unverändert.

Ursächlich dafür ist aber nicht unbedingt die Erleichterung darüber, dass der „Problemfall Viacom“ jetzt nicht Teil des Unternehmens wird.

Gerüchteweise könnte aus dem Fusions-Kandidaten ein Übernahme-Kandidat werden. Noch sind die Gerüchte vage, doch es würde zur hohen Deal-Aktivität in der Branche passen.

13. Dezember 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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